Antisemitismus

Ist die Kritik gegen Israel nicht eine mahnende?

Wolf-Heinrich Rindfleisch

Von Wolf-Heinrich Rindfleisch (Merzhausen)

Sa, 09. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Wachsamkeit bleibt geboten", Leitartikel von Thomas Fricker (Politik, 22. Dezember)

Herr Fricker schreibt: "Denn natürlich kann und darf man Israels Haltung gegenüber den Palästinensern hart kritisieren". Was hier als Haltung euphemistisch benannt wird, ist die völkerrechtswidrige Aneignung besetzten Landes durch die Siedlungspolitik. Und ist die offizielle Kritik nicht eher eine mahnende, eine nicht einmal harte? Ist nicht immer noch das Mantra von der Zwei-Staaten-Lösung zu hören? Eine israelische Regierung wird niemals diese Lösung, die volle Souveränität auch nicht eines Flickenteppich-Staates akzeptieren.

Sind es wirklich "viele" der BDS-Aktivisten (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen gegen Israel), die Israel das Existenzrecht absprechen? Sind die israelischen, die jüdischen Intellektuellen auch "grenzenlos naiv und antisemitisch geprägt"? Treibt sie nicht eher die Sorge um, dass Israel ein Apartheid-Staat werden könnte? Ja, wehret den Anfängen! Doch machen wir nicht den Fehler, ob unserer unvergleichlichen historischen Schuld alles, was sich gegen die Politik richtet, als antisemitisch zu klassifizieren.

Wolf-Heinrich Rindfleisch, Merzhausen