Hinterzarten / Bernau

Ist ein Wolf im Schwarzwald unterwegs?

Kai Oldenburg

Von Kai Oldenburg

Fr, 05. Juli 2019 um 21:07 Uhr

Kreis Waldshut

Im Schwarzwald ist womöglich ein Wolf gesichtet worden. Es gibt Meldungen aus den Kreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald. Eine DNA-Analyse von Haaren soll nun Klarheit bringen.

Im Aargau ist vor drei Monaten nachweislich ein Wolf gesichtet worden. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass ein Artgenosse auch in den Landkreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald gesichtet worden sein könnte. In Bernau und Hinterzarten sollen ein oder mehrere Wölfe in Fotofallen getappt sein. Dies teilte das baden-württembergische Umweltministerium mit. Eine DNA-Analyse soll nun Klarheit bringen.

"Wir warten ab, bis der Wolf bestätigt ist." Leiter des Landwirtschaftsamtes des Landkreises Waldshut
Zwar könne der Wolfsverdacht aktuell nicht bestätigt werden, aber Umweltministeriumssprecher Ralf Heineken sagt auch: "Wir halten es für möglich, dass ein Wolf unterwegs ist". Dass das Ministerium jetzt an die Öffentlichkeit geht, begründet er so: "Bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg sind in letzter Zeit mehrere Hinweise sowie Fotos eingegangen, dass angeblich ein Wolf in den Landkreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald gesehen worden sei." Die Fotos machten aufgrund der Qualität und Perspektive "eine eindeutige Zuordnung unmöglich".

Deshalb wird Ludwig Käppeler, Leiter des Landwirtschaftsamtes des Landkreises Waldshut, aktuell nicht aktiv: "Wir warten ab, bis der Wolf bestätigt ist." Damit die Anwesenheit eines oder mehrerer Wölfe sicher bestätigt werden kann, ruft das Umweltministerium Landwirte zur Mithilfe auf. "Um eventuell sichere Erkenntnisse zu erlangen, hat das Umweltministerium Weidetierhalter um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten. Beobachtungen, bei denen der Verdacht auf einen Wolf besteht, sollten möglichst an die FVA gemeldet werden."

Landwirte und Förster sollen die Augen offen halten

Klarheit, ob sich tatsächlich ein Wolf im Südschwarzwald aufhält, erhofft man sich von der DNA-Analyse von zwei in Hinterzarten gefundenen Haaren. Das Ergebnis, so Heinken, stehe frühestens in zwei Wochen fest. Bis dahin gilt insbesondere für Landwirte und Förster: Augen offen halten. Die Bilder und die Haarfunde stammen aus den ersten Juni-Tagen dieses Jahres.

Die mögliche Wolfssichtung im Landkreis Waldshut wird zunächst auf der untersten Nachweisstufe C3 klassifiziert. Einen C1-Nachweis – bei Lebendfang, Totfund oder einen genetischen Nachweis – gibt es für den Landkreis bislang nicht. In unmittelbarer Nachbarschaft indes schon. Vor zwei Jahren war ein erschossener Wolf im Schluchsee gefunden worden. Der Fall ist bis heute noch nicht aufgeklärt. Deshalb ist auch die Frage, wo das Tier erschossen wurde, weiter offen. Matthias Albicker, Polizeisprecher in Waldshut-Tiengen, sagt: "Bislang konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden."

"Wenn der Wolf kommt, dann geht das Weiderind." Landwirt Oswald Tröndle
Alles andere als erfreut über die Nachricht, dass sich vielleicht ein Wolf im Bereich der Gemeinde Bernau aufgehalten hat oder noch immer aufhält, ist Landwirt Oswald Tröndle aus Höchenschwand. Für ihn steht fest: "Wenn der Wolf kommt, dann geht das Weiderind." Die Konsequenz wäre, dass die Flächen im Menzenschwander Tal (St. Blasien) nicht mehr, wie von der Politik gewünscht und gefordert, gepflegt würden.

Die Haltung des Stuttgarter Umweltministeriums in der Wolf-Frage beschreibt Tröndle als "nicht mehr erträglich". Kritik bekommen die Verantwortlichen im Ministerium auch in Sachen Informationspolitik ab: "Der Wolf wurde in der zweiten Juni-Woche gesichtet, die Information kommt vier Wochen später."

Tröndle ist Vorstandsmitglied von Kreis- und Landesverband des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes. Ein Teil seiner 230 Kühe weidet auf Wiesen in und um Höchenschwand. "Wir hoffen, dass der Wolf weiter zieht und uns verschont", sagt er. Sollte der Wolf sich dauerhaft im Südschwarzwald einrichten, hält er es für möglich, dass er seine Tiere nicht mehr auf die Weide lässt.