Coronavirus

Ist es strafbar, jemanden anzuhusten oder anzuspucken?

Christian Rath

Von Christian Rath

Di, 07. April 2020 um 07:37 Uhr

Deutschland

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist und andere anhustet, begeht eine Körperverletzung – auch, wenn es sich nur um einen Versuch handelt. Bloßes Erschrecken mit dem Coronavirus ist aber nicht strafbar.

Die Fälle häufen sich. Polizisten und Passanten werden gezielt angehustet und angespuckt. Berichte gibt es aus Berlin, Mannheim und dem Münsterland, aus Großbritannien und den Niederlanden. Mal wird explizit eine Corona-Infizierung erwähnt, mal liegt der Gedanke daran nur nahe. Natürlich ist das ekelhaft. Aber ist es auch strafbar?

Am einfachsten ist die Antwort, wenn der Täter tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist und das Opfer angesteckt wird. Dann handelt es sich um eine Körperverletzung. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Virus beim Opfer tatsächlich Fieber oder andere Symptome verursacht, schon die Infektion gilt seit den Zeiten von Aids als Gesundheitsschaden. Da die Tat mit Hilfe von Viren, also mit "gesundheitsschädlichen Stoffen" begangen wurde, liegt sogar eine "gefährliche Körperverletzung" vor. Der Strafrahmen: sechs Monate bis zehn Jahre Gefängnis.

Auch Versuch der Körperverletzung strafbar

Auch wenn das Opfer nicht infiziert wurde, bleibt das Anhusten doch eine Straftat, denn auch der Versuch der Körperverletzung ist strafbar. Wer andere gezielt anhustet, obwohl er weiß, dass er infiziert ist, nimmt damit zumindest billigend in Kauf, dass sich der Betroffene ansteckt. Eine versuchte Körperverletzung liegt aber auch dann vor, wenn das Opfer zwar später infiziert ist, aber nicht beweisen kann, dass dies gerade durch das Anspucken oder Anhusten verursacht wurde (was wohl die Regel sein dürfte).
Allgemeine Verhaltensregeln zur Risikoreduktion
  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife – mindestens 20 Sekunden.
  • In ein Papiertaschentuch niesen oder husten und dieses danach entsorgen. Und danach Händewaschen!
  • Ist kein Taschentuch griffbereit, in die Armbeuge niesen oder husten.
  • Mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen halten. Umarmungen und Händeschütteln generell unterlassen.
  • Bei grippalen Symptomen unbedingt zu Hause bleiben, um Ansteckung zu vermeiden.
  • Jegliche Kontakte sollen auf das Notwendigste reduziert werden! Möglichst zuhause bleiben und lieber über Telefon, E-Mail oder Chats kommunizieren.
  • Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts erlaubt. Auf öffentliche Verkehrsmittel möglichst verzichten.

Schwieriger sind Fälle, bei denen der Täter eine eigene Infizierung nur behauptet, um sein Gegenüber zu erschrecken. Weder ist das bloße Anhusten oder Anspucken strafbar, noch das Lügen, noch das Schocken eines anderen. Der Täter ist allerdings für eventuelle Folgen verantwortlich, wenn diese absehbar sind. Fällt das Opfer vor Schreck vom Fahrrad oder wird es aus Angst vor Corona psychisch krank, dann kann doch eine strafbare Körperverletzung vorliegen.

Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

Strafbar ist zwar auch das "Vortäuschen einer Straftat". Dabei soll aber vor allem die Justiz vor unnötiger Arbeit geschützt werden. Es kommt hier laut Strafgesetzbuch darauf an, dass die Straftat "gegenüber einer Behörde" erfunden wurde. Wer also einen Polizisten anhustet und dabei grinsend von einer angeblichen Corona-Infektion erzählt, macht sich strafbar. Es droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Wer die Straftat gegenüber einem Passanten vortäuscht, macht sich damit zwar nicht strafbar, aber bekommt auch Ärger. Schließlich wurde durch die Selbstbezichtigung erstmal der Verdacht einer gefährlichen Körperverletzung erweckt. Die Polizei kann deshalb die Personalien des Rüpels aufnehmen und das Gesundheitsamt kann einen Corona-Test erzwingen. Bei Fluchtgefahr kann das Gericht sogar Untersuchungshaft anordnen. Solche Fakes sind also für niemand spaßig.

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