Italienisches Kraftpaket

Hans-Henning Kiefer

Von Hans-Henning Kiefer

Sa, 02. November 2019

Auto & Mobilität

BZ-FAHRBERICHT: Alfa Romeo Giulia Veloce Ti 2.0 ist eine klassische Schönheit.

FREIBURG. Das italienische "Dolce Vita" hat sich schleichend aus dem deutschen Straßenbild verabschiedet. Gerade mal rund 6000 Fahrzeuge bringt die Fiat-Tochter Alfa Romeo hierzulande jährlich noch unters automobile Volk. Dabei lohnte ein Vergleich zu den Mittelklasselimousinen der deutschen Marktführer durchaus – und der fällt nicht zu Ungunsten der Alfa Romeo Giulia aus, die in der Version Veloce Ti 2.0 Turbo mit 280 PS (206 kW), Allradantrieb, einer Achtgang-Automa
tik und viel Luxus zum Test zur Verfügung gestellt wurde.

Alleine schon die Verpackung des turbogetriebenen Vierzylinders macht die Giulia zum Hingucker – die klassisch-schöne Front mit dem "Scudetto" dem in Form eines Schildes geformten Kühlergrill, die elegant geschwungenen Bi-Xenon-Frontscheinwerfern und der Übergang vom Grill auf die geschwungene, von Powerdomes gekrönte, lange Motorhaube. Auch die Seitenansicht gefällt mit einer klaren Linienführung aus einem Guss, schwarze und Chrom-Elemente etwa bei den Fensterrahmen, setzen ebenso Akzente wie die gelb lackierten Brembo-Bremssättel in den schwarzen 18-Zoll-Felgen. Das Heck mit seinen die Breite betonenden LED-Leuchten, dem leicht geschwungenen Spoiler, den Doppelendrohren und dem Diffusor stellt das Auto kraftvoll auf die Straße.

Im Inneren der Giulia setzt sich das sportliche Design in den passgenauen Sitzen, zum Fahrer hin orientierter, leicht geschwungener und mit Leder bezogener Armaturentafel und ebensolchen Türverkleidungen sowie Dekorleisten aus Kohlefaser fort. Ungewöhnlich: Der Startknopf befindet sich links im Lenkrad – ganz wie bei den Sportwagen aus Zuffenhausen.

Erfreulich ist, dass wichtige Bedienelemente, etwa für Klima und Heizung leicht zu finden und zu bedienen sind und nicht, wie immer häufiger zu kritisieren, in ein Untermenü des Infotainmentsystems versteckt werden. Viele Funktionen lassen sich bei der Giulia per Tasten am Lenkrad bedienen, das dennoch nicht überladen wirkt. Auch bei der Verarbeitung und den Spaltmaßen hat Alfa Romeo bei der Giulia große Fortschritte gemacht – die Auswahl der Materialien passt.

Die Instrumente mit dem zentralen 8,8-Zoll-Fabbildschirm passen sich dem gewählten Fahrmodus an: Rot bei D wie Dynamik, Weiß für N wie Neutral und Gelb bei A wie Advanced Efficiency. So lässt sich komfortabel, sparsam oder sportlich-dynamisch fahren, wozu neben dem agilen, weder zu harten noch zu weichem Fahrwerk auch der Allradantrieb beiträgt, der ein schnelles Kurvendurchfahren auch bei extrem sportlicher Fahrweise ohne Probleme ermöglicht. Lediglich die Automatik spricht im unteren Drehzahlbereich etwas träge an, was sich schnell erledigt, wenn sich die Turbos zuschalten.

Positiv an der Alfa Romeo Giulia, dem "Julchen" ist, dass auf den hinteren Plätzen auch 1,90 Meter große Menschen ausreichend Platz finden. Negativ: Der Kofferraum fasst nur 480 Liter. Insgesamt hält die Giulia, die in der Basisversion als Benziner und Diesel 37 000 Euro kostet, was die in der italienischen Designsprache gezeichnete Karosserie verspricht.

Sieben weitere Ausstattungsvarianten, auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet – Business, Super, B-Tech, Lusso, Veloce, Veloce Ti – und der 510 PS (375 kW) starke 2,9-Liter-V6 Turbo namens Quadrifoglio für 79 000 Euro komplettieren das Programm mit jeweils drei Benzin- und Dieselaggregaten.