Landwirtschaft

Jede Hilfe ist bei der Erdbeer- und Spargelernte im Breisgau willkommen

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 21. März 2020 um 09:22 Uhr

Merdingen

Weil Saisonarbeiter aus Osteuropa nicht einreisen dürfen, suchen viele Landwirte aus dem Breisgau dringend Helfer für die Erdbeer- und Spargelernte. Die BZ hat sich bei einigen Landwirten umgehört.

Gerade ist mit dem Volksantrag zum Artenschutz ein großes Aufregerthema und eine Bedrohung für die Landwirtschaft bearbeitet und zunächst abgeräumt, da sorgt die Corona-Krise für die nächsten Existenzsorgen. Spargel- und Erdbeerernte stehen an – und die Erntehelfer bleiben aus, weil sie nicht einreisen können. Die BZ hat sich bei den Landwirten im Landkreis umgehört. Fest steht: Die Landwirte wollen die Menschen in der Region mit frischen Lebensmitteln versorgen.

Gregor Schmidt baut in Bad Krozingen-Schlatt Spargel auf 15 Hektar an. Ob er überhaupt die Spargeldämme anlegen wird, weiß der Landwirt noch nicht. Denn von den 25 Saisonarbeitskräften, die er für die Ernte benötigt, sind nur zwei da. Alle anderen sind noch in Polen und es sei sehr fraglich, ob sie kommen werden, sagt er. "Viele scheuen sich, nach Deutschland einzureisen", sagt er. Er versuche daher, über Facebook Mitarbeiter zu gewinnen und hoffe auf Saisonkräfte, die bisher in Zulieferbetrieben für die Gastronomie beschäftigt waren und jetzt keine Arbeit mehr haben. "Ob die allerdings auf dem Feld arbeiten können und wollen, ist fraglich", sagt Schmidt.

Im Betrieb von Harald Wochner in Merdingen sind das ganze Jahr über Saisonarbeitskräfte beschäftigt. Der Landwirt betreibt Weinbau, baut Erdbeeren und Feldsalat an, außerdem Mais und Getreide. Wochner hat noch etwa sechs Wochen Zeit, bis die Erdbeerernte bei ihm losgeht. Aktuell seien fünf Saisonarbeiter beschäftigt. Wenn demnächst das Stroh auf den Erdbeerfeldern ausgebracht werden müsse, benötige er 15 Mitarbeiter, während der Erntezeit 50 bis 60. Noch wisse er gar nichts, es sei völlig unklar, ob die Arbeitskräfte kommen können, sagt er. Dennoch sei er gegenüber den Spargelbauern und den Landwirten, die Erdbeeren im Tunnel anbauen, im Vorteil, weil er noch mehr Zeit habe, bis die Ernte losgehe. Bis Mitte April komme er mit seinen derzeitigen Kräften aus, bis dahin müsse aber klar sein, ob die Helfer kommen, denn sonst würde er die Hälfte seiner acht Hektar Erdbeeren nicht weiter pflegen. "Mit fünf Mann kann man die acht Hektar nicht ernten", sagt er.

Schon immer hat er Felder zum Selbstpflücken, das könnte helfen, meinte er, unklar sei aber, ob Selbstpflücken überhaupt noch erlaubt sei bis dahin. Dass Schüler oder Studenten die Saisonarbeiter ersetzen könnten, sieht er nicht. "Wir fangen um fünf Uhr morgens an, die Felder sind außerhalb des Dorfes, wie sollen die da hinkommen?", fragt er. Eine weitere Frage sei auch, ob Menschen, die es nicht gewohnt seien, körperlich zu arbeiten, die Erntearbeit lange durchhielten.

Ralf Leimenstoll, der in Vörstetten Freiland-Gemüsebau macht, pflanzt seit Ende Februar jede Woche Jungpflanzen aus. "Jetzt ist Hauptpflanzzeit, die Setzlinge sind bestellt, also werden wir sie setzen, das geht vorwiegend maschinell", sagt er. Ob er sie allerdings ernten und verkaufen könne, das sei noch nicht klar, so der Landwirt. 40 Prozent seines Gemüses geht an die Gastronomie, 60 Prozent an den Handel und an Marktbeschicker.

Leimenstoll hofft auf einen höheren Absatz im Handel, weil die Menschen mehr selbst kochen und auch nicht in den Urlaub fahren können. "Ich bin in der glücklichen Lage, dass mein Personal da ist, weil ich rund ums Jahr Saisonkräfte habe. Normalerweise gehen die Leute nach zwei Monaten nach Hause nach Rumänien. Das geht jetzt nicht. Meine Leute wollen jetzt erst mal hierbleiben und weiterarbeiten, darüber bin ich sehr froh", sagt er.
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Beim Demeter Obsthof von Joel Siegel in Schallstadt-Mengen hat Ende der vergangenen Woche bereits die Ernte des Rhabarbers begonnen. Auch in den Erdbeeranlagen stehen Pflegearbeiten an, die ersten Erdbeeren aus dem Tunnel können in etwa drei Wochen geerntet werden. "Wir sind alle sehr nervös, die Arbeiter, die da sind und die, die kommen wollen, mit denen ich ständig in Kontakt stehe", sagte er noch vor wenigen Tagen. Drei rumänische Arbeiter sind fest in seinem Betrieb angestellt, sie machen sich Sorgen um ihre Familien, müssten in Quarantäne gehen, wenn sie zuhause bei ihren Familien Urlaub machen wollten. Inzwischen ist klar, dass die neun rumänischen Arbeiter, die er erwartet, nicht einreisen können. Siegel hat jetzt versucht, Leute aus dem Bekanntenkreis zu gewinnen und Studenten und Schüler angefragt. Die Hilfsbereitschaft sei da, allerdings auch die Ansprüche: Manche Leute wollen nur halbtags arbeiten, oder nur an bestimmten Tagen, der Organisationsaufwand sei riesig. Einen Vorteil hat Siegel: Seine Felder liegen nicht allzu weit vom Bahnhof Schallstadt-Norsingen entfernt.

Aktuell noch nicht betroffen ist Uwe Miedtke vom Markenhof im Dreisamtal in Kirchzarten-Burg am Wald. Miedke bewirtschaftet einen Obstbaubetrieb, der Birnen, Zwetschgen, Mirabellen und Kirschen und Kartoffeln anbaut. Dort steht die Ernte erst im Sommer an. Miedtke erwartet einen polnischen Arbeiter in einer Woche. Ob der wie angekündigt mit dem Vorzeigen des Arbeitsvertrags die Grenze passieren könne, müsse man abwarten, meint er. Auf jeden Fall sei klar, dass der Mann nach seiner Rückkehr aus Deutschland für 14 Tage in häusliche Quarantäne müsse, das habe man ihm in Polen mitgeteilt. "Wir wollen und müssen die Menschen in unserer Region mit Lebensmitteln aus der Region versorgen", sagt Miedtke, "vielleicht merken jetzt in dieser Situation noch mehr Menschen, wie wichtig es ist, dass Landwirte in ihrer Nähe Lebensmittel für sie anbauen".