"Jede(r) sollte schwimmen können"

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Mi, 22. Mai 2019

Waldkirch

Jubiläum und Ehrung: Die DLRG-Ortsgruppe Kollnau ist 50 Jahre alt und genau so lang sind dort Roswitha und Alfons Hin aktiv.

WALDKIRCH. Vor 50 Jahren, ein Jahr nach Eröffnung des Kollnauer Freibads, gründeten Roswitha Hin, Alfons Hin und weitere Personen die DLRG-Ortsgruppe Kollnau. Jetzt, beim Jubiläum wurden Roswitha und Alfons Hin mit der Landesehrennadel ausgezeichnet und zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Alfons Hin, Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Kollnau, weiß es noch genau, als im Mai 1968 in Kollnau das beheizte Bad eröffnete. Damals war Helmut Bächle Vorsitzender der DLRG Waldkirch. Dessen Idee: In Kollnau einen DLRG-Stützpunkt zu gründen. Bademeister Hans Remke, Peter Trenkle und die Geschwister Roswitha und Alfons Hin wollten jedoch gleich eine Ortsgruppe gründen. Im März 1969 war es im "Waldhaus" soweit. Leider gingen beim Brand der Schule Teile der Vereinschronik verloren. Erste Aktion der neuen Ortsgruppe war die Teilnehme am Landes-Pfingstzeltlager. Dort lernte man die Ortsgruppe Ilvesheim kennen, so Alfons Hin. Die damals eingegangene Partnerschaft mit ihr besteht noch heute.

Nachfrage und Bedarf an Rettungsschwimmscheinen war groß. 1969 schon wurden 32 Grund- und vier Leistungsscheine ausgestellt, im Jahr darauf 28 Grund- und fünf Leistungsscheine. In der Summe wurden bis heute etwa 450 Prüfungen für Rettungsschwimmscheine abgenommen. Es gab damals auch unzählige Menschen, die Schwimmen lernen wollten – so gründete man eine Schwimmschule, von Roswitha Hin geleitet, das wurde zu einer Institution. Mittlerweile sei es so, dass die Eltern und Großeltern der heutigen Schwimmschüler bereits bei Roswitha Hin Schwimmen lernten. Heute leitet die Schwimmschule Schwester Andrea Hin. Während der Badesaison war die Ortsgruppe immer sehr aktiv, so Alfons Hin, "im Rest vom Jahr war ’tote Hose’", vor allem mangels Vereinsräumen. Zu Saisonbeginn musste sich die Ortsgruppe so immer wieder neu finden.

So ging es 15 bis 20 Jahre bergauf-bergab. Es habe auch schon eine Hauptversammlung gegeben, bei der die Auflösung der DLRG auf der Tagesordnung stand. Damals gab es eine Gruppe junger Menschen, die sich engagieren wollten, wenn sie einen Raum für Aktivitäten im Winter bekämen. Schließlich wurde man im Keller der Grundschule direkt neben dem Roten Kreuz fündig. Ab da ging es bergauf. 1985 kam das "Kollnauer Fescht" und damit die finanzielle Sicherung der Ortsgruppe. Die DLRG sei eine Rettungsorganisation, aber die Ortsgruppe Kollnau habe seit Bestehen glücklicherweise keine einzige Rettung im Bad gehabt. Sie mache Badewachen, was den dankbaren Badegästen Sicherheit vermittelt. Außer Schwimmkursen – "Wir haben in den letzten 50 Jahren etwa 1500 Nicht-Schwimmer zu Schwimmern ausgebildet", so Alfons Hin –, Training und Badewachen "feiern wir auch gern". Zum zehnjährige Bestehen gab es im Bad eine Schauvorführung, für die Musik sorgten die Köhler-Buben. Bei einem späteren Jubiläum gab es ein 24-Stunden-Schwimmen. Für spätere Schwimmbadfeste hat man dann weitere Vereine ins Boot geholt. Maßgabe war, dass der Erlös für ein Projekt im Freibad gespendet wurde. Vom Erlös des ersten Schwimmbadfestes wurde das Piratenschiff gebaut. Von den weiteren Schwimmbadfesten wurden eine Vogelnestschaukel, ein Sonnensegel und eine Solaranlage fürs Kleinkindbecken angeschafft. Ein Höhepunkt im Vereinsjahr war auch immer die Fasnet: Hin denkt an die vielen Kappenabende im "Waldhaus", aber auch an den Umzügen beteiligte sich die Ortsgruppe gern.

"Die DLRG Kollnau darf auf 50 erfolgreiche Jahre zurückblicken, in denen sich die Aktiven für die Sicherheit der Badegäste engagiert haben", sagte Oberbürgermeister Roman Götzmann, es gehe um um Präventionsarbeit und um Leben retten. Roswitha und Alfons Hin seien seit der Gründung im Vorstand aktiv. Das sei eine beeindruckende Leistung. In Würdigung der langjährigen Verdienste zeichnete Götzmann beide mit der Landesehrennadel von Baden-Württemberg aus.

"Die Rettungsorganisationen und auch der Katastrophenschutz ist in Deutschland ehrenamtlich organisiert", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß, und "das funktioniert mit Ehrenamtlichen viel besser als mit einer Organisationsstruktur, die nur Hauptamtliche kennt. Wir können stolz sein, dass wir in Deutschland die DLRG und hier die Ortsgruppe Kollnau haben." Es sei ein Skandal, dass es in Deutschland immer mehr Menschen gebe, die nicht schwimmen können. Hier müssten sowohl die DLRG als auch die Politik Überzeugungsarbeit leisten, dass Schwimmen können so selbstverständlich ist wie gehen.

Tobias Pogadl vom DLRG-Landesverband und die SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland, Vorsitzende des DLRG-Bezirksverbands, würdigten ebenfalls die Leistungen der Ortsgruppe Kollnau. Die DLRG helfe auch bei Notfällen am Wasser wie bei einem Wespenstich, sagte Rolland. Im vorigen Jahr wurden im Bezirk Breisgau 13 000 Stunden Badewache geleistet. Wunsch der DLRG sei, dass jedes Kind nach der vierten Klasse schwimmen könne. Um das Ziel zu erreichen, werde die Unterstützung der Politik gebraucht. Für erfolgreiches und überdurchschnittliches Engagement wurde Roswitha Hin vom Landesverband mit dem Verdienstzeichen in Silber ausgezeichnet.

Grüße anlässlich des Vereinsjubiläums überbrachten auch Torsten Ledwig von der Kollnauer Vereinsgemeinschaft, Gerhard Bienen, Vorsitzender der DLRG Waldkirch, und Martin Hünerfeld vom DRK-Ortsverein Kollnau. Schließlich hatte der Vorstand der DLRG Kollnau für Roswitha und Alfons Hin noch etwas besonderes vorbereitet: Feierlich wurden beide zu Ehrenmitgliedern ernannt.