Neuer Pfarrer im Dreisamtal

Johannes Frische: "Die Kirchengemeinde soll Heimat sein"

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Do, 22. April 2021 um 13:00 Uhr

Kirchzarten

Johannes Frische wird im September der neue Pfarrer der Seelsorgeeinheit Dreisamtal. Er ist Nachfolger von Werner Mühlherr – und zurzeit noch tätig in der Seelsorgeeinheit Staufen-St. Trudpert.

Er habe sich sofort in Kirchzarten verliebt, als er im vergangenen Jahr mit dem Fahrrad von Staufen ins Dreisamtal gefahren sei, und die Johanneskapelle in Zarten sei faszinierend, sagt Pfarrer Johannes Frische. Obwohl der 54-Jährige erst Anfang September seinen Dienst in der Seelsorgeeinheit Dreisamtal beginnt und damit die Nachfolge von Werner Mühlherr antritt, ist ihm die Freude auf die neue Herausforderung anzumerken. Bis zum Spätsommer will er in seiner derzeitigen Seelsorgeeinheit Staufen-St. Trudpert noch einige Dinge abschließen.

Johannes Frische wurde 1967 im westfälischen Greven als achtes Kind seiner Eltern geboren, zog aber recht bald mit der Familie in den Süden und schlug in Denzlingen Wurzeln. Sein Vater hatte sich für die neugeschaffene Stelle eines Regionalbetreuers für den Zivildienst in Freiburg beworben. Nach den ersten Schuljahren in Denzlingen besuchte Johannes Frische das humanistische Friedrich-Gymnasium in Freiburg.

In einer großen, christlichen Familie aufgewachsen, engagierte sich Frische schon in jungen Jahren in kirchlichen Ehrenämtern. Besonders am Herzen lagen ihm Kirchenmusik und Chorgesang, und er ließ sich als nebenberuflicher Kirchenmusiker ausbilden. So war es nicht überraschend, dass zu den Studienplänen von Johannes Frische nach bestandenem Abitur neben der Medizin auch die Kirchenmusik gehörte.

Doch es kam anders als gedacht: "Ich hatte damals in Denzlingen einen engagierten Pfarrer", erinnert sich Johannes Frische. "Der lebte sein Priestersein so glaubwürdig vor, dass er mich für ein Theologiestudium motivierte." Bis zum Vordiplom studierte er in Freiburg, entdeckte dabei aber auch in der Supervision, wie wichtig im seelsorglichen Alltag ein pastoralpsychologischer Ansatz sei. Frische ging daher für einige Semester zum Studium der Pastoraltheologie nach Wien und kam dann zum Pfarreipraktikum nach Karlsruhe. Sein Diakonatsjahr absolvierte Johannes Frische in Rheinfelden. Dabei erlebte er lebensnahe Arbeiterseelsorge in der dort angesiedelten Industrie. Am 19. Mai 1996 weihte ihn Erzbischof Oskar Saier zum Priester.

Es folgten Jahre als Kaplan in Bretten, Gengenbach und Pforzheim. 2002 übernahm er dann als Leitender Pfarrer die Seelsorgeeinheit Staufen-St. Trudpert und wurde Präses für die Kirchenmusik im Dekanat Breisach-Neuenburg.

"Mein Wunsch war, im Freiburger Raum zu bleiben."

"In Staufen fühle ich mich nach wie vor sehr wohl", bekennt Pfarrer Frische. "Doch immer wieder kamen nach fast 20 Jahren am Ort Anfragen, andere Pfarrstellen zu übernehmen – aber die wollte ich mir dann schon selbst aussuchen!" Bei der Theologenausbildung sei er Zimmernachbar von Werner Mühlherr gewesen, und so habe ihn dessen Wechsel in den Hegau auf die Stelle im Dreisamtal aufmerksam gemacht. "Mein Wunsch war", gibt er gerne zu, "im Freiburger Raum zu bleiben, denn hier lebt ein Großteil meiner Familie." Wichtig sei ihm auch, in Zukunft wieder in einem größeren Team zu arbeiten. Soweit er das beurteilen könne, lebten in den sechs Pfarreien der Seelsorgeeinheit sehr viele unterschiedliche Menschen – und das mache ihn neugierig. Gut sei auch die Nähe zur Stadt Freiburg. Wichtig sei ihm, auch an der neuen Stelle im Dreisamtal in erster Linie als Seelsorger und nicht als Funktionär wahrgenommen zu werden. "Für mich und für die Gemeindemitglieder soll die Gemeinde Heimat sein", schwebt Frische vor. "Hier sollen Beziehungen gelebt werden."

Die gemeinsame Feier der Liturgie solle Hand und Fuß haben, der gemeinsamen Lebenswelt entsprechen. Da auf Dauer – erst recht nicht nach der Neuordnung der Pfarreien in der Erzdiözese nach 2025 – nicht immer und überall Messfeiern stattfinden könnten, liege ihm viel daran, überall Wortgottesfeiern mit Ehrenamtlichen zu initiieren. Überhaupt wolle er das Ehrenamt noch mehr stärken, Gemeinschaft stiften und wichtige theologische Inputs geben. Und die Vorfreude auf die Metzler-Orgel in St. Gallus sei nicht nur für ihn als Organisten groß.

Engagierte Gemeindeteams in sechs Pfarreien

Für Stefan Eschbach, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Seelsorgeeinheit Dreisamtal, Mitglied des Diözesanrates sowie Vertreter der Diözese Freiburg beim Synodalen Weg auf Bundesebene, ist wichtig, dass dem neuen Pfarrer viel an gemeinsamer Teamarbeit liegt: "Wir haben seit Oktober 2020 keinen Pfarrer mehr und uns bestens in die Leitung und Übernahme von Verantwortung eingearbeitet." Die Gemeindeteams in den sechs Pfarreien Kirchzarten, Oberried, Hofsgrund, Stegen, Eschbach und Buchenbach leisteten eine gute Arbeit, die es auch vom neuen Pfarrer zu fördern gelte. Gut sei es, dass sich Pfarrer Frische engagiert und interessiert auf seine neue Aufgabe ab September vorbereite.