Neue Zahlen

Jugendarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg steigt besonders stark

dpa

Von dpa

Mi, 01. Juli 2020 um 19:17 Uhr

Wirtschaft

Die Folgen der Corona-Krise treiben die Zahl der Arbeitslosen in Baden-Württemberg weiter in die Höhe. Allerdings flacht der Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten merklich ab.

Die Folgen der Corona-Krise treiben die Zahl der Arbeitslosen in Baden-Württemberg weiter in die Höhe. Allerdings flacht der Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten merklich ab. Auch die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden, steigt nicht mehr so stark wie zuvor. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind derzeit junge Leute.

Viele beendeten gerade eine Ausbildung oder ein Studium und hofften auf einen Arbeitsplatz, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Stuttgart mit. Im Juni waren in Baden-Württemberg 276 492 Menschen ohne Job – 2,3 Prozent mehr als im Mai. Zuvor hatte es deutlich stärkere Anstiege gegeben: plus 8 Prozent im Mai und plus 17 Prozent im April.

Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 4,4 Prozent

Wie sehr Corona den Arbeitsmarkt im Griff hat, zeigt ein Blick auf das Vorjahr: Verglichen mit Juni 2019 ist die Zahl der Arbeitslosen nun um 45,5 Prozent höher. Unter jungen Leuten nahm die Arbeitslosigkeit laut BA sogar um 75 Prozent auf 27 456 Jugendliche zu. Arbeitsagentur-Geschäftsführerin Martina Musati rief daher Firmen dazu auf, Berufseinsteigern eine Chance zu geben: "Nur so können die jungen Menschen zu den Fachexperten von morgen werden, die wir am Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg so dringend brauchen."

"Wir müssen und werden alles daransetzen, dass die Jugendlichen von heute nicht die Arbeitslosen von morgen werden", sagte Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und verwies auf die Hilfen für kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe. "Es darf keine Generation Corona geben", mahnte auch Martin Kunzmann, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Kurzarbeit-Rekord im April

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise im März haben laut BA fast 120.000 Betriebe in Baden-Württemberg Kurzarbeit für zusammen mehr als zwei Millionen Beschäftigte angezeigt. Bundesweit sind es mehr als zwölf Millionen Beschäftigte. Zu den 11,8 Millionen im März, April und Mai kamen im Juni noch einmal Kurzarbeitsanzeigen für 342.000 Menschen hinzu, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg am Mittwoch bekannt gab.

Die Kurzarbeit sei im April auf den höchsten jemals erreichten Stand in der Bundesrepublik geschnellt, berichtete BA-Chef Detlef Scheele. Demnach waren im April 6,83 Millionen Menschen in Kurzarbeit – nach 2,49 Millionen im März. Für Mai rechnet Scheele mit 6 Millionen. Die Prognose der Bundesagentur liegt damit unter der des Münchner Ifo-Instituts, das für Mai 7,3 Millionen und für Juni 6,7 Millionen Kurzarbeiter ermittelt hatte. Erfahrungsgemäß melden die Unternehmen aber mehr Kurzarbeit an, als tatsächlich umgesetzt wird. Abgerechnet wird mit drei Monaten Verzögerung.



Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte, die Zahlen aus Nürnberg zeigten, dass Kurzarbeit weiterhin sehr stark helfe, Menschen in Arbeit zu halten. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei im Juni im internationalen Vergleich gering. Die Zahlen zeigten aber auch, dass die Wirtschaft nun schnell wieder in Gang gesetzt werden müsse. "Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist daher die richtige Antwort auf die Krise", so Heil. Die BA hat im laufenden Jahr bisher 7,847 Milliarden Euro für Kurzarbeit ausgegeben. Im gesamten Jahr 2019 waren es nur 200 Millionen Euro. Gestiegen ist in der Corona-Pandemie auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger: Deren Zahl lag im Juni bei 4,076 Millionen – 152.000 mehr als im Juni 2019. Damit waren im Juni laut BA 7,5 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter auf die Hilfe angewiesen.