Amtsgericht Titisee-Neustadt

Jugendarrest für den Tod eines geschützten Auerhahns am Feldberg

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Di, 04. August 2020 um 14:17 Uhr

Feldberg

Ein 21-jähriger Mann hat am Rande des Laurentiusfests am Feldberg einen geschützten Auerhahn getötet. Nun ist er verurteilt worden. Auch ein 23-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten.

Hintergrund: Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Auerhahns am Feldberg ist das Urteil gefallen. Angeklagt waren zwei 21 und 23 Jahre alte Männer. Der Jüngere der beiden soll im vergangenen August am Rande eines Volksfests den streng geschützten Vogel erschlagen haben. Das Töten eines Tieres ohne vernünftigen Grund ist laut Tierschutzgesetz verboten. Die Tat hatte überregional Bestürzung hervorgerufen – und hatte es sogar bis in die "New York Times" geschafft.

Eine Woche Dauerarrest und die Zahlung von 1000 Euro an den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) – so lautet das Urteil gegen den 21-Jährigen, der wegen Tiertötung und Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor dem Amtsgericht Titisee-Neustadt angeklagt war. Das Gericht ging damit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Geldstrafe von 2400 Euro gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Gegen den 23-Jährigen, der sich ebenfalls wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz zu verantworten hatte, wurde eine Geldstrafe von 1300 Euro verhängt. Auch sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

Ins Revier des Auerwilds eingedrungen

Richter André Gerber sah es als erwiesen an, dass der 21-Jährige das Tier mit einer Flasche erschlagen hat. An Notwehr und einen Schlag lediglich mit der Hand, wie von dem jungen Mann und seiner Verteidigung vorgetragen, glaubte der Richter nicht. Dagegen sprächen die schweren Verletzungen, an denen das Tier verendet sei.

Vielmehr folgte der Richter den Aussagen der Zeugen, die nach seiner Auffassung den Hergang beim Laurentiusfest 2019 wahrhaftig geschildert hätten. Der 21-Jährige und sein älterer Freund seien in das Revier des Auerwilds eingedrungen, der Hahn habe sie als Aggressoren wahrgenommen und ihnen das durch sein Verhalten angezeigt.

"Aber Sie sind daraufhin nicht weggegangen und dabei hingefallen", beurteilte Gerber die Aussage des 21-Jährigen. Es habe sich eine Dynamik mit einem – auch der Alkoholisierung des Angeklagten geschuldeten – "Tunnelblick auf das Tier" entwickelt. An dessen Ende fand sich der tote Auerhahn und mit ihm gravierende Folgen für die Feldberger Population dieser besonders geschützten Art.

Was dem Richter bei dem Angeklagten fehlte, war die aufrichtige Reflexion des Geschehens. "Ich glaube nicht, dass Sie ernsthaft sehen, wie Sie sich hätten anders verhalten können", so Gerber. Dabei sei gerade bei dem 21-Jährigen als Jäger eine höhere Kompetenz im Umgang mit Wildtieren gefordert. Das Urteil erfolgte nach Jugendstrafrecht. Es wurde zudem ein sechsmonatiges Jagdverbot verhängt.

Joachim Streitberger, der Anwalt des 21-Jährigen, konnte die Überzeugung des Gerichts nicht nachvollziehen, wie er gegenüber der BZ sagte. Ob sein Mandat Revision einlege, müsse noch besprochen werden. Staatsanwalt Bernd Klippstein dagegen sprach von einem angemessenen Urteil. "Und ich würde mir wünschen, dass es auch akzeptiert wird." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Rückblick: Ein Festbesucher hat am Feldberg einen Auerhahn totgeschlagen – der Vogel habe ihn angegriffen. Nach eigenen Angaben wurde der junge Mann anschließend von anderen Besuchern attackiert.