Interview

Jutta Herrmann-Burkart vom GuT: "Der Rasen musste erst anwachsen"

Christian Engel

Von Christian Engel

Mo, 24. Juni 2019 um 19:23 Uhr

Wiehre

Acht Monate dauerte die Sanierung des "Blaues Monster"-Spielplatzes in Freiburg-Wiehre. Jutta Herrmann-Burkart vom Garten- und Tiefbauamt erklärt, wieso es so lange ging – und was neu ist.

Der Spielplatz "Blaues Monster" an der Ecke Skagerrak-/Langemarckstraße wird am Donnerstag wieder eröffnet. 260 000 Euro hat die Stadt für die Sanierung der Anlage und des angrenzenden Bolzplatzes ausgegeben. Manchem Spielplatzfan dauerten die achtmonatigen Arbeiten zu lang: In den Bauzaun wurde ein Loch geschnitten, der Platz bereits genutzt – und auch schon vermüllt. Christian Engel sprach mit Jutta Herrmann-Burkart, der neuen Abteilungsleiterin Grünflächen des Garten- und Tiefbauamts.

"Wir freuen uns schon, den Kindern und Jugendlichen endlich den Spielplatz wieder ohne Zäune in ihre Hände geben zu können."

BZ: Am Donnerstag öffnet der sanierte Spielplatz in der Unterwiehre wieder. Aber eigentlich könnten Sie das Fest bleiben und die Bauzäune für immer stehen lassen: Da wird der Abenteuerspielplatz doch noch aufregender, wenn man sich erst mal illegal durch ein hineingeschnittenes Loch im Zaun kämpfen muss, um reinzukommen.

Herrmann-Burkart: Ha, netter Versuch. Aber wir freuen uns schon, den Kindern und Jugendlichen endlich den Spielplatz wieder ohne Zäune in ihre Hände geben zu können. Sie mussten jetzt lang genug warten.

BZ: So lang, dass sie es gar nicht mehr ausgehalten haben und trotz Absperrung einen Weg hinein gefunden haben.
Herrmann-Burkart: Ich kann dieses Verhalten verstehen: Der Platz sah schon lange fertig aus, allerdings musste der Rasen erst richtig anwachsen, sonst hätten wir den Platz in ein paar Monaten wieder für eine Weile sperren müssen. Wir waren als Kinder auch so, haben Absperrungen überwunden, um was zu erleben. Eigentlich spricht es doch für den Spielplatz, dass die Menschen ihn unbedingt nutzen wollen. Aber klar ist auch, dass die Baufirma nun einen kaputten Zaun hat – und das geht absolut nicht in Ordnung.
Jutta Herrmann-Burkart, in Herbolzheim geboren, hat in Weihenstephan Landschaftsarchitektur studiert. In Offenburg leitete sie die städtische Abteilung für Grünflächen, dasselbe macht die heute 55-Jährige seit ihrem Wechsel im April in Freiburg.

BZ: Absolut in Ordnung geht wohl auch nicht, dass auf dem Spielplatz bereits jetzt Müll herumliegt.
Herrmann-Burkart: Das finde ich überaus schade. Es ist aber die Aufgabe der Stadtgesellschaft, also der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen und dem anderen eben mal zu sagen: Heb den Müll bitte auf und schmeiß ihn in den Mülleimer! Davon haben wir genügend aufgestellt.

BZ: An Spielgeräten sollte es den Kindern und Jugendlichen auf dem sanierten Spielplatz auch nicht mangeln …
Herrmann-Burkart: Wir haben natürlich die Rutsche beibehalten, auch die Korbschaukel oder den blauen Spielwagen des Jugendhilfswerks – dies alles wurde saniert, teils anders platziert. Und vieles ist neu: eine Wasserpumpe zum Beispiel, deren Wasser über eine Kaskade in einen Sandkasten fließt. Oder eine große Kletter- und Hangelanlage mit einem Wackelsteg.

"Die Gehirnforschung hat nachgewiesen, dass es die Synapsenbildung bei Kindern anregt, wenn sie etwas überkreuz tun."

BZ: Der Eindruck täuscht also nicht, dass Spielplätze heute viel pädagogischer konzipiert werden als früher, als man einfach Wippe, Schaukel und Rutsche auf eine umzäunte Wiese stellte?
Herrmann-Burkart: Eindeutig. Die Gehirnforschung hat nachgewiesen, dass es die Synapsenbildung bei Kindern anregt, wenn sie etwas überkreuz tun, also beispielsweise die Bewegung von Händen und Füßen koordinieren müssen. Daher kann eine Klettern- und Hangelwand die motorische und geistige Entwicklung eines Kindes fördern.

BZ: Wie haben Sie es geschafft, dass Sie auch eine Grillstelle errichten durften? Gemeinhin assoziieren viele Bürger solch ein Plätzchen mit Lärm und Müll – also mit strapazierten Nerven.
Herrmann-Burkart: In der Planung wurde vieles gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen diskutiert. Und die Mehrheit war für eine Grillstelle. Ich finde das prinzipiell gut: lieber kontrolliert grillen als wild irgendwo auf einer Wiese. Natürlich bedeutet das auch, dass die Bürger sich hier an Regeln halten müssen. Wir wollen jedenfalls nicht das Ding in ein paar Monaten wieder abbauen müssen, weil es nicht funktioniert hat.

"Mein Lieblingsgerät ist die Schaukel."

BZ: Jetzt soll es ja erst mal losgehen: am Donnerstag mit einer kleinen Einweihung. Auf welches Spielgerät werden Sie sich als erstes stürzen?
Herrmann-Burkart: Mein Lieblingsgerät ist die Schaukel. Aber das geht vielen anderen auch so. Daher befürchte ich, dass die direkt belegt sein wird.
Die Eröffnungsfeier für den sanierten Spielplatz beginnt am Donnerstag, 27. Juni, um 15.30 Uhr. Das "Blaue Monster" ist einer von 151 öffentlichen Spielplätzen. Für diese stellt die Stadt jährlich 1,15 Millionen Euro bereit. Noch in diesem Jahr werden Spielplätze an der Magdalena-Gerber-Straße (Haslach) und an der Wallstraße (Altstadt) eröffnet, ebenso am Englerplatz, an der Anne-Torgersen-Straße (beide Haslach) und Bugginger Straße (Weingarten).