Skispringen

Kamil Stoch setzt seine Siegesserie in Titisee-Neustadt fort

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 09. Januar 2021 um 18:44 Uhr

Skispringen

Kamil Stoch aus Polen kann den ersten Wettkampf in Titisee-Neustadt für sich entscheiden, bester Deutscher wird Markus Eisenbichler auf Rang vier. Am Sonntag um 16.30 Uhr geht’s weiter.

Die Schanze war perfekt präpariert, das Flutlicht machte die Nacht zum Tag, und die Besten der Welt segelten ins tief verschneite Schmiedsbachtal hinein, wie sie das nun schon seit zwei Jahrzehnten regelmäßig tun. Aber kein einziger Zuschauer bejubelte sie im Corona-Winter. Joachim Häfker tat das in der Seele weh, dass er in diesem Januar 2021 zusperren musste. Der Generalsekretär, der Kopf und das Herz des Projekts Weltcup-Skispringen im Hochschwarzwald, nahm die Zahl der Fans rund um die Hochfirstschanze in früheren Jahren stets als Gradmesser dafür, wie viel den Einheimischen der Nordische Skisport in Titisee-Neustadt bedeutet.

Diesmal aber: null Zuschauer. Es war ein harter Schlag für Häfker und sein ganzes Team, für die rund 450 Ehrenamtlichen, die wieder Tag und Nacht im Einsatz waren, um es allen recht zu machen mit Schwarzwälder Herzlichkeit. Aber trotzdem waren der Weltcup-Chef und seine Helferinnen und Helfer auch dankbar dafür, dass die Wettkämpfe überhaupt stattfinden konnten im Winter der Pandemie.

"Siehst du, wie schön sie auslaufen? Da wackelt nichts." OK-Generalsekretär Joachim Häfker über die Schanze
"Es läuft im Moment alles super", sagte Häfker der Badischen Zeitung am Samstag, "und Corona-sicher sind wir auch." So viele Hygieneartikel und Sprühflaschen habe er in seinem ganzen Leben noch nicht verteilt, fügte er hinzu: "Aber die Bedingungen an der Schanze sind top." Das reiche von der Anlaufspur über den Aufsprunghügel bis zum Auslauf im menschenleeren Stadion. "Siehst du, wie schön sie auslaufen? Da wackelt nichts."

Viele Athleten schätzen die Erfahrung des Schwarzwälder Schanzenteams an der Wiege des Nordischen Skisports in Deutschland. "Ich bin wirklich froh, wieder hier zu sein", sagte etwa der Pole Dawid Kubacki, vor einem Jahr Doppelsieger am Fuß des Hochfirsts in Titisee-Neustadt. Und auch diesmal lief es wieder außergewöhnlich gut für die Polen, die normalerweise bei jedem Sprung einem weiß-roten Fahnenmeer und vielen hundert Fans aus ihrer Heimat entgegen segeln.

Gleich zwei Polen standen am Ende des ersten Weltcups am Samstag auf dem Podest: Kamil Stoch, der gerade erst die 69. Vierschanzentournee für sich entschieden hatte, siegte auch im Schmiedsbachtal, sein Landsmann Piotr Zyla wurde Dritter. Zwischen die beiden konnte sich nur noch Halvor Egner Granerud schieben, der Spitzenreiter im Gesamtweltcup aus Norwegen. Markus Eisenbichler verpasste als Vierter knapp den Sprung aufs Podest, Karl Geiger kam diesmal nur auf Platz 25. Dawid Kubacki hatte im Finale Pech mit einem Luftloch im mittleren Drittel - er wurde Siebter.

"Ich fühle mich sehr wohl hier." Kamil Stoch
Stoch flog nach 139 Metern im ersten Durchgang sogar blitzsaubere 144 Meter weit im Finale, es war die größte Weite des Tages. Er setzte dazu noch den Telemark und wurde von einem Wertungsrichter dafür wieder mit der Haltungsnote 20,0 geadelt. "Ich fühle mich sehr wohl hier", sagte Stoch. "Es scheint ganz so, als ob mir dieses etwas in die Jahre gekommene Profil liegt." Zugleich legte er aber wieder den Fokus auf das ganze polnische Team. "Ich bin sehr glücklich, dass es wieder so gut gesprungen ist."

Granerud hat wieder schlechtere Bedingungen

Granerud, der Gewinner des Prologs am Freitag, hatte wieder etwas schlechtere Windbedingungen als die Polen. Sein Flug auf 137,5 Meter brachte ihn zunächst auf Platz drei. Mit 138,5 Metern im Schlussdurchgang konnte er sich aber noch auf den zweiten Platz vorschieben. Zyla machte den polnischen Erfolg mit 143 und 139,5 Metern sowie Rang drei perfekt.

Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf, nach wie vor Zweiter im Gesamtweltcup hinter Granerud, landete mit 138 und 139,5 Metern dicht dahinter auf Platz vier und ballte beide Fäuste: Er war der einzige Springer des Deutschen Ski-Verbands (DSV), der mit seinem Auftritt in Titisee-Neustadt am Samstag wirklich zufrieden sein konnte. "Es ist immer noch ein bisschen Kampf", sagte er.

Karl Geiger scheint in ein Loch gefallen zu sein

Karl Geiger hingegen, der Gesamt-Zweite der Vierschanzentournee, ist nach den aufreibenden Wochen seit seinem Sieg bei der Skiflug-WM im slowenischen Planica Mitte Dezember augenscheinlich in ein Loch gefallen. WM-Gold, die Geburt seiner Tochter, dann der positive Corona-Test, der Tournee-Auftaktsieg in Oberstdorf, nur Platz 16 im österreichischen Innsbruck: Das alles war ein bisschen viel für einen 27-Jährigen. Flüge auf 129,5 und 121,5 Meter brachten ihm am Samstag lediglich den 25. Platz ein.

Alle sechs DSV-Starter schafften am Hochfirst den Sprung ins Finale der besten 30. Martin Hamann von der SG Nickelhütte Aue überzeugte nach Flügen auf 130,5 und 131 Meter mit Rang 14. Pius Paschke vom WSV Kiefersfelden wurde 17. (120,5/136 Meter), Severin Freund vom WSV-DJK Rastbüchl 23. (129/127 Meter). Der 21-jährige Constantin Schmid vom WSV Oberaufdorf landete nach jeweils 127 Metern auf dem 26. Rang.

Am Sonntag um 16.30 Uhr geht’s weiter

Am Sonntag um 16.30 Uhr folgt das zweite Einzelspringen in Titisee-Neustadt. Eurosport überträgt von 16.20 Uhr bis 18.15 Uhr, das ZDF von ca. 16.30 Uhr an (Zeiten können sich zum Beispiel witterungsbedingt ändern).