Nachruf

Karl Dall ist tot - Komiker im Alter von 79 Jahren gestorben

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 23. November 2020 um 20:50 Uhr

Theater

Erst Anfang November übernahm Karl Dall eine neue Rolle - in der ARD-Serie "Rote Rosen". Doch er erlitt einen Schlaganfall - und erholte sich davon nicht mehr. Am Montag ist der 79-Jährige gestorben.

Blödeln gehörte lange Zeit nicht zu den Kardinaltugenden im Medienbetrieb. Und selbst diejenigen, die es eigentlich konnten, wie Heinz Erhardt, pflegte man gutbildungsbürgerlich lieber als Meister des albernen Humors zu bezeichnen. Insofern schlug die Generation von Karl Dall, die die "68er" zu nennen sicher kein Fehler ist, auch hier eine Bresche. Der Mann aus Ostfriesland, Jahrgang 1941 – Vater Schulrektor, Mutter auch Lehrerin – hatte dafür ideale Voraussetzungen. Indem er jenes bildungsbürgerliche Erbe zwar quasi mit der Muttermilch aufsog, aber relativ bald mit antibürgerlichem Gestus wieder ausschied: Schulabbrecher, Schriftsetzerlehre – das hatten sich die Eltern wohl anders vorgestellt.

Anders vorgestellt hatte sich die Generation seiner Mütter und Väter eben auch den Humor. Insterburg & Co, das anarchische Quartett, das Dall 1967 zusammen mit Ingo Insterburg, Jürgen Barz und Peter Ehlebracht gründete, brachte dem braven Komödiantentum im deutschen Fernsehen und darüber hinaus Wendungen, die sich für Adenauers Bundesrepublik nicht schickten. Dabei knüpften die vier Blödelbarden nur an Traditionen an, die Theater und Literatur mit der Dada-Bewegung schon ein paar Jahrzehnte zuvor begründet hatten. Diese Kunst des höheren Blödsinns bescherte dem Humor hierzulande ein paar neue Perlen: "Ich liebte ein Mädchen in Wannsee, die konnt kein nackten Mann seh’n. Ich liebte ein Mädchen in Wedding, die wollte immer nur Petting." Und so weiter, und so weiter.

Das waren erst die Anfänge. Als die Vier sich trennten, startete Dall eine Sololaufbahn – und blödelte allein weiter. Mit Erfolg. Dass diese Karriere durch sein Aussehen, sein infolge einer angeborenen Lidschwäche hängendes rechtes Auge, beflügelt wurde – mag sein. Es unterstrich seine Unverwechselbarkeit, mehr nicht. Schon aus seiner Schulzeit wusste er zu berichten: "Komisch fand ich mich nicht, aber alle haben über mich gelacht."

Komisch fanden ihn die anderen wegen seiner Frechheiten und seines Talents zum Kalauern. Natürlich wurde so einer nach Einführung des Privatfernsehens schnell dort heimisch. Das Niveau zu senken bereitete Dall kaum ein Problem, es gab aber Grenzen – das "Big Brother"-Angebot lehnte er ab. Vom Schlaganfall, den er am 11. November erlitt, hat er sich nicht mehr erholt. Am Montag ist er für immer eingeschlafen, friedlich, wie seine Familie mitteilte.