Kassen wollen Fallpauschalen behalten

Norbert Wallet

Von Norbert Wallet

Di, 22. November 2022

Deutschland

Skepsis gegenüber Lauterbachs Plänen für Krankenhausreform.

. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen steht der Absicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kritisch gegenüber, das Fallpauschalen-System zur Finanzierung der Krankenhäuser ganz abzuschaffen. Die Fallpauschalen hätten sich "grundsätzlich bewährt", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz. Sie sollten aber um eine "Vorhaltefinanzierung" ergänzt werden. Davon würden Krankenhäuser profitieren, die in Regionen Angebote – etwa in der Notfallmedizin – trotz geringer Fallzahlen vorhalten. Lanz verwies auf Kinderkliniken, die "weniger Routineoperationen und -behandlungen haben, aber stets bereit sein müssen, auch in größerem Umfang helfen zu können".

Der GKV-Sprecher kritisierte aber auch die Handhabung des Systems durch die Krankenhäuser. Bei der Einführung der Fallpauschalen habe sich "niemand vorstellen können, dass viele Klinikmanager die Pflege anscheinend als Sparbüchse und nicht als zentralen Teil der Patientenversorgung betrachtet haben", sagte Lanz. Hier habe "zum Glück wohl ein Umdenken stattgefunden". Es gebe zwischenzeitlich verschiedene Maßnahmen, etwa die Mindestpersonalstärken für fast alle Bereiche der Pflege, "die das Schlimmste verhindern sollen".

Lauterbach hatte in einer Rede vor dem Deutschen Krankenhaus-Tag in der vergangenen Woche angekündigt, dem "Zwang zur Ökonomisierung" in der Klinikfinanzierung entgegenzutreten. Das Fallpauschalen-System, bei dem jede Behandlung eines Patienten unabhängig von der Verweildauer in der Klinik pauschal vergütet wird, zwinge die Krankenhäuser "in ein Hamsterrad". Gemeint ist der Anreiz durch das System, möglichst viele Fälle in möglichst kurzer Zeit und bei möglichst niedrigen Personalkosten abzuarbeiten.