Coronavirus

Kein Abstand möglich: Breisacher Arzt zeigt Deutsche Bahn an

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Mo, 20. April 2020 um 17:13 Uhr

Südwest

Ein Breisacher Arzt hat Strafanzeige gegen die Deutsche Bahn erstattet. Er sei mit 50 anderen Pendlern in einen Bus "gepfercht" worden. Sein Vorwurf: Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.

Seit mehr als 20 Jahren pendelt der Arzt Martin Deufel von Breisach nach Freiburg. Dort hat der Frauenarzt seine Praxis. Doch nach einer Fahrt mit der Breisgau-S-Bahn am 1. April entschloss er sich, Anzeige gegen die Bahn zu stellen. Martin Deufel beschreibt in der Anzeige die Fahrt von Breisach nach Freiburg am 1. April: Wegen falscher Ansagen am Bahnsteig hätten 50 Pendler den Zug verpasst und seien dann in einen Bus "gepfercht" worden – ohne Schutzmasken und "ohne Rücksicht auf die drohende gegenseitige Ansteckung".

Etwa 50 Fahrgäste seien in dem Bus gewesen

Der Arzt beschreibt, dass er an dem Mittwochmorgen zusammen mit etwa 50 anderen Pendlern in Richtung Freiburg fahren wollte, darunter viele Menschen, die in medizinischen Berufen arbeiten würden, etwa an der Uniklinik. Es stand bereits ein Zug am Bahnsteig zwei des Breisacher Bahnhofs bereit, so Deufel. Jedoch soll drei Mal eine Durchsage ertönt haben, dass Fahrgäste nicht in diesen Zug einsteigen sollen. Der Zug nach Freiburg würde heute auf Gleis eins fahren, soll die mehrfach wiederholte Ansage gelautet haben.

Doch dann fuhr der leere Zug von Gleis zwei in Richtung Freiburg los und ließ die 50 Pendler "ratlos und entsetzt" am Bahnhof zurück, sagt Deufel. Daraufhin seien die Fahrgäste gebeten worden, in einen Bus nach Bad Krozingen zu steigen, und von dort mit dem nächsten Zug nach Freiburg zu fahren. Die Ankunft verschob sich deshalb um 45 Minuten, so Deufel. Die 50 Fahrgäste saßen nun "gequetscht in einem engen Bus und können sich gegenseitig infizieren. Deswegen meine Strafanzeige wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit."

Die Staatsanwaltschaft prüft den Vorgang

Die Staatsanwaltschaft Freiburg bestätigt, dass die Anzeige eingegangen ist. "Der Vorgang wird geprüft", heißt es. Die Bahn geht auf Anfrage nicht direkt auf den Vorfall ein. Sie verweist darauf, dass das beim Fahrplanangebot, besonders für Pendler, mittlerweile nachjustiert wurde.

Ist eine Strafanzeige der richtige Weg? "Ich glaube, dass man etwas tun muss", sagt Deufel auf Nachfrage. Sein Schreiben ging auch an das Innenministerium und das Verkehrsministerium. Das inzwischen morgens und abends wieder mehr Züge fahren, ist für Deufel ein Zeichen, dass man bei der Bahn durchaus etwas bewegen kann. Außerdem hätten ihm viele Mitfahrer und Kollegen zugesprochen, den Vorfall bekanntzumachen. Sie würden sich wegen der Ansteckungsgefahr in der Bahn Sorgen machen.

Arzt wirft Bahn Organisationsverschulden vor

In Italien seien bereits viele Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger ums leben gekommen, schreibt Deufel. "Mit meiner Anzeige möchte ich erreichen, dass dieses Schicksal uns (...) nicht ereilt aufgrund einer Infektion, durch ungeschützte Zusammenhäufung in Schienenersatzverkehren und zusammengestrichenen Bahnverbindungen", schreibt Deufel.

Er spricht von einem großen "Organisationsverschulden, welches der Anordnung des Landes Baden-Württemberg strikt zuwiderläuft mit dem Kontaktverbot". Gerade Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen würden gezwungen, sich auf engstem Raum der Gefahr der Infektion auszusetzen. "Dieses Organisationsverschulden möchte ich exemplarisch am gestrigen Tag zur Strafanzeige bringen", so Deufel.