Kein Mangel an Ware

Martin Wunderle

Von Martin Wunderle

Fr, 09. Oktober 2020

Löffingen

Wäschestube ist das neue Angebot der Behinderteneinrichtung Lebensheimat / Über ein zusätzliches Team wird bereits nachgedacht.

. Eine Mangelstube ist das neueste Angebot, das das Haus Lebensheimat in Reiselfingen zu bieten hat. Zwei Mitarbeiterinnen, eine mit Behinderung und eine ohne Handicap, bedienen die Mangel im Wäscheraum der Behinderteneinrichtung. Und sie haben beide viel Spaß an ihrer Arbeit, sagt Hauswirtschaftsleiterin Rosi Speth, Verantwortliche für die Mangelstube. Vor allem Menschen mit Behinderung freuen sich über Bestätigung und Lob, dass sie ihre Arbeit gut gemacht haben. Außerdem gebe das ihrem Tag eine Struktur.

Die Idee zur Einrichtung einer Mangelstube kam zustande, nachdem eine Wäscherei in Dittishausen geschlossen hat, erläutert Speth. Die Nachfrage ist dank der Zusammenarbeit mit einem Tourismusanbieter so groß, dass man bereits daran denkt, ein zweites Team mit einzusetzen, um keine Aufträge zurückweisen zu müssen.

Zum Kundenstamm gehören neben Vermietern von Ferienwohnungen auch Privathaushalte. Doch nicht nur die Wäsche wird gemangelt, bei Bedarf werden auch die Ferienwohnungen selbst gereinigt und die Betten frisch bezogen.

Die Absicht sei gewesen, das Haus Lebensheimat weiter zu öffnen und Kontakt zwischen Bewohnern und Kunden herzustellen, erklärt Rosi Speth. Bereits Anfang März hat die Mangelstube den Betrieb aufgenommen, doch dann kam das Coronavirus und die Einrichtung musste für Besucher geschlossen werden, so dass dieser Plan nicht aufging. Und auch jetzt herrscht nach zwischenzeitlichen Lockerungen nach dem deutlichen Anstieg von coronabedingten Krankheitsfällen im Land, seit Montag wieder ein Besuchsverbot. Dennoch kann Wäsche nach Anmeldung an der Tür des Hauses Lebensheimat abgegeben und gereinigt und gemangelt dort auch wieder abgeholt werden.

Angestellt sind die Beschäftigten beim Integrationsunternehmen Par-Le mit Sitz in Löffingen, das Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt anbieten will, wie Annette Diringer, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Mutterunternehmen Reha Südwest in Karlsruhe erläuterte.

Menschen mit Behinderung fänden nur schwer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, doch auch sie hätten das Bedürfnis, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einzubringen, das wolle man mit diesem Konzept erreichen. Und etliche Unternehmen unterstützen diese soziale Komponente, so Annette Diringer.

Wichtig ist den Verantwortlichen, dass die Teams gleichwertig mit behinderten und nicht behinderten Menschen besetzt sind. Außerdem muss die Chemie zwischen den Mitarbeitern des Teams stimmen. Insofern sei es nicht einfach, geeignete Beschäftigte zu finden.

Das Inklusionsunternehmen Par-Le gibt es seit 2007. Es wurde seitdem Zug um Zug ausgebaut. Erste Firma war der Gartenfrosch, der sich um Gartenpflege und Heckenschnitt kümmert. Dort sind inzwischen fünf Mitarbeiter beschäftigt, drei mit Handicap und zwei ohne, erklärt Leiter Fabian Guderion. Er sei mit seinen Mitarbeitern sehr zufrieden, das Arbeitsklima sei gut und Einbußen seien während Corona bisher nicht zu verzeichnen. Die Firma könne auf treue Kunden zählen, darunter sowohl Privathaushalte als auch Gemeinden wie Donaueschingen oder Furtwangen. In Löffingen selbst kümmern sich die Mitarbeiter um die Friedhöfe in Löffingen und Dittishausen.

Da sich die Gartenarbeit hauptsächlich auf Frühjahr, Sommer und Herbst beschränkt, sind die Mitarbeiter lediglich zu 75 Prozent angestellt und können die Überstunden dann im Winter nehmen. Als Nächstes sei in Planung, Entrümpelungen anzubieten und Senioren den Sperrmüll vor die Tür zu bringen, um damit ein neues Arbeitsfeld auch im Winter zu erschließen, sagt Guderion.

Insgesamt beschäftigt das Inklusionsunternehmen Par-Le 15 Mitarbeiter, von denen alle bis auf einen in Löffingen wohnen. Das sei auch wichtig, weil der Weg zur Arbeit für Menschen mit Behinderung sonst schwierig wäre.