Bebauung

Kein Schnellverfahren für Einfachwohnungen am Zwiegeracker in St. Georgen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 20. April 2019 um 17:34 Uhr

St. Georgen

Es geht um die Fläche in St. Georgen: Die Stadt will die Einfachwohnungen für Flüchtlingsfamilien am Zwiegeracker doch nicht im Schnellverfahren durchsetzen. Die Fläche soll zunächst geprüft werden.

Die Stadtverwaltung will die Einfachwohnungen für Flüchtlingsfamilien und andere Bedürftige am Zwiegeracker im Stadtteil St. Georgen nun doch nicht im Schnellverfahren mit Hilfe einer Sonderregelung des Bundes durchsetzen. Ganz abrücken möchte sie von der Bebauung der Fläche aber nicht. In einer Pressemitteilung heißt es, dass die Fläche am Fuße des Schönbergs fachlich geprüft werde. Sobald die Ergebnisse vorlägen, entscheide das Rathaus, "ob der Zwiegeracker weiterhin für das Projekt genutzt werden soll oder nicht".

Falls das Ergebnis pro Bebauung ausfalle, werde "das übliche Planungsverfahren zur politischen Entscheidung in den Gemeinderat eingebracht". Das bedeutet: Es würde dann ein regulärer Bebauungsplan aufgestellt, der – anders als die Sonderregelung des Bundes – auch eine Bürgerbeteiligung umfasst. Außerdem fiele der Zeitdruck weg: Die Sonderregelung des Bundes, mit der der Bau von Flüchtlingswohnungen gefördert werden soll, gilt nur noch bis Ende des Jahres. Genau den gleichen Weg schlägt das Rathaus in Munzingen ein, wo ebenfalls Einfachwohnungen geplant sind.

Stadt prüft andere Möglichkeiten

Auch für den dritten Standort in Ebnet liegt ein Alternativkonzept auf dem Tisch.

In St. Georgen prüft die Stadtverwaltung ebenfalls neben dem Zwiegeracker noch andere Möglichkeiten. Es handle sich um drei bis vier Flächen, erklärt Rathaussprecher Toni Klein auf Nachfrage - ohne Näheres sagen zu wollen. Bekannt ist bislang nur, dass der Bürgerverein St. Georgen das Baugebiet "Innere Elben" im Ortskern von St. Georgen ins Gespräch gebracht hat.

Unklar ist auch, wann konkrete Ergebnisse der Prüfungen vorliegen werden – ein genaues Datum möchte Klein nicht nennen. In der Pressemitteilung ist lediglich die Rede davon, dass die fachlichen Prüfungen am Zwiegeracker "einige Zeit in Anspruch nehmen". Auch eine geplante Infoveranstaltung für die St. Georgener Bürger, die eigentlich schon am 1. April stattfinden sollte und wegen der neuen Entwicklungen verschoben wurde, ist nach wie vor nicht terminiert.

Jetzt ist die Rede von "Einfach Gemeinsam Wohnen"

Der Bürgerverein St. Georgen begrüßt es, dass die Stadtverwaltung vom "Hauruck-Verfahren" am Zwiegeracker abgerückt ist, erklärt der Vorsitzende Martin Maier gegenüber der BZ: "Aber unser Ziel bleibt weiterhin, dass die Fläche gar nicht bebaut wird." Dieser Meinung sind auch viele Bewohner – gegen das Projekt hat es schon viel Protest gegeben: Die Streuobstwiesen liegen am Rand von streng geschützten Flächen, sie werden landwirtschaftlich genutzt und sind Naherholungsgebiet. Vor zwei Wochen haben 500 St. Georgener vor Ort demonstriert und am Zwiegerackerweg symbolisch eine "Rote Linie" als Baugrenze gezogen.

Bislang hat die Stadtverwaltung auf einem 5000 Quadratmeter großen Grundstück 15 bis 20 Wohnungen vorgesehen, jeweils zur Hälfte für Familien mit und ohne Fluchthintergrund. Geplant sind Gebäude in Modulbauweise, Bauherrin wäre die Freiburger Stadtbau. Für das Projekt gibt es nun auch einen neuen Namen: Statt des bislang verwendeten Begriffs Einfachwohnungen ist in der Pressemitteilung jetzt von "Einfach Gemeinsam Wohnen" die Rede.



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