Keramik kann konstruktivistisch sein

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Fr, 18. Oktober 2019

Staufen

Ausstellung mit Werken von Manfred Emmenegger-Kanzler im Studio des Keramik-Museums Staufen.

STAUFEN. Seinen Arbeiten Namen zu geben gehört für Manfred Emmenegger-Kanzler unabdingbar dazu: als Signal für ihn selbst und für den Betrachter, dass dem fertigen Objekt nichts mehr hinzuzufügen ist. Der Weg bis dorthin ist unter Umständen weit und braucht Zeit, denn nichts wird hier dem Zufall überlassen, so zumindest der Eindruck, auch wenn der Künstler beteuert, keinem festen Plan zu folgen und sich bis zum Schluss offen zu halten für plötzliche Eingebungen.

Sie heißen "Aus dem Rahmen", "Würfelspiel" oder "Square Dance", "Quadratur" oder "Balance", die keramischen Kunstwerke. Das hört sich nach intensiver Auseinandersetzung mit den Gesetzen der Schwerkraft an – und ist es wohl auch. Die neueste Ausstellung im Studio des Staufener Keramikmuseums heißt nicht umsonst "Instabile Räume". Zur Einführung sprach Peter Schmidt, der frühere Vize-Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe.

Er verfolgt den Werdegang des 1953 in Waldshut geborenen Künstlers seit vielen Jahren, kennt seine Lehrmeister persönlich – Dieter Crumbiegel, Hans Joachim Albrecht – und kann deshalb nachvollziehen, wie er sich eine Ausdrucksform erarbeitet hat, die, so Schmitt, "aus dem Rahmen fällt und nichts mit herkömmlicher Töpferei zu tun hat". Vielmehr habe sie einen deutlichen Bezug zum Konstruktivismus, der auf Kubismus und Futurismus beruht mit dem Ziel, die Kunst für Architektur, Design, Typographie, Bühnenbilder und Mode zu nutzen, entstanden in einer Zeit, in der Kunst und Handwerk Verbindungen eingingen (Bauhaus), die bis heute fortwirken.

Die Skulpturen sind meist als Kuben oder Stelen gestaltet und enthüllen oft erst auf den zweiten Blick ihre Komplexität. Dabei faszinieren sie durch das Material und seine Verarbeitung: geformt, geschnitten, durchbrochen, gerade, gekrümmt, rund. Emmenegger-Kanzler materialisiert seine Konzepte mit dem verblüffend präzise geformten Material Ton und dem klassischen Material der abstrakten Plastik, dem Stahl. Beispiele dafür gibt es nun auch in Staufen zu sehen: als flächige Kompositionen, deren Einzelteile in genau definierten Winkeln zueinander stehen. Viele Skulpturen erinnern an Häuser, allerdings mit irritierenden Details: Treppen, die ins Nichts führen, und schräge Wände, die Sehgewohnheiten gehörig durcheinander bringen. Die rauen Oberflächen, oft mit der Anmutung von Ziegelsteinen erhöhen den Eindruck des Naturbelassenen. Der Künstler will sie ausdrücklich nicht als Modelle für größere Werke verstanden wissen, die es allerdings auch gibt, sondern als Metaphern für menschliche Befindlichkeiten. Nur wenige sind mit Glasur überzogen.

Für die musikalische Begleitung der Vernissage sorgte die Flötistin Martina Roth. Sie hatte eine Auswahl getroffen, die wunderbar zu den Objekten passte.

"Instabile Räume": Ausstellung Manfred Emmenegger-Kanzler im Studio im Keramikmuseum Staufen, Wettelbrunner Straße 3. Mittwoch bis Samstag 14- 17 Uhr, Sonntag 12 – 12 Uhr. Bis 24. November 2019.