Kiel will das Abitur absagen

Axel Habermehl und dpa

Von Axel Habermehl & dpa

Mi, 25. März 2020

Deutschland

Schleswig-Holstein plant Zeugnisse ohne Abschlussprüfung / Der Südwesten will an Termin festhalten.

KIEL/STUTTGART. Als erstes Bundesland will Schleswig-Holstein an diesem Mittwoch über eine Absage des Abiturs 2020 entscheiden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) plant wegen der Corona-Pandemie eine Absage aller Schulabschlussprüfungen. In Baden-Württemberg geht das Kultusministerium indes weiter davon aus, dass die Prüfungen wie geplant ab 18. Mai stattfinden.

"In der derzeitigen Situation und der besonderen Herausforderung nicht nur für unser Schulsystem, sondern auch jeden Einzelnen von uns, halte ich diese Entscheidung für geboten", sagte Prien. Sie werde dem Kabinett für die Beratungen am Mittwoch einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen. "Wir haben in diesem Jahr durch die Ausbreitung des Coronavirus und unsere Maßnahmen dagegen eine außergewöhnliche Situation", sagte sie. Mitte März wurde – wie auch in Baden-Württemberg – der Unterricht an den Schulen eingestellt. Wann und wie er wieder aufgenommen werden könne, sei nicht absehbar, so Prien. Die Abiprüfungen müssten direkt nach den Osterferien beginnen – und damit etwa einen Monat vor denen in Baden-Württemberg. "Dies erscheint derzeit unrealistisch", so Prien.

Die Schüler im Norden sollen deshalb nach Priens Plänen zum Ende des Schuljahres Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten erhalten. Die Rede ist von einem "Anerkennungsabitur". "Ich werde daher in der Kultusministerkonferenz vorschlagen, dass wir keine Abiturprüfungen mehr abnehmen, sondern das Abitur und seine Note anhand der bisher erbrachten Leistungen bewerten", sagte Prien. Die oppositionelle SPD in Kiel fordert eine Lösung im Gleichklang mit den anderen Bundesländern; aus anderen Ländern kam Kritik am Alleingang Kiels.

Zwei Hamburger Schüler hatten angesichts der Pandemie eine Petition zur bundesweiten Absage der Abiturprüfungen gestartet. Bis Dienstagnachmittag unterzeichneten 76 000 Unterstützer.

Eine Sprecherin des von Susanne Eisenmann (CDU) geführten Kultusministeriums in Baden-Württemberg sagte: "Momentan gehen wir davon aus, dass die zentralen Prüfungen ab dem 18. Mai stattfinden können." Man bereite sich aber "auf unterschiedliche Szenarien vor". Klar sei: "Für die Schülerinnen und Schüler darf aus der derzeitigen Situation kein Nachteil entstehen. Die Abschlüsse werden unter den Ländern gegenseitig anerkannt." Eisenmann hatte am Freitag bekanntgegeben, die zentralen Abschlussprüfungen zu verschieben. Sie sollen nicht vor dem 18. Mai beginnen.