Kiew meldet Geländegewinne

dpa

Von dpa

Di, 17. Mai 2022

Ausland

Russische Armee soll Einheiten bei Charkiw abziehen / Kreml: Waffenstillstand in Mariupol.

(AFP/dpa). Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben weitere Geländegewinne in der Region um die Millionenstadt Charkiw im Nordosten des Landes erzielt. Soldaten der 127. Brigade hätten "die Russen vertrieben und die Staatsgrenze zurückerobert", teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. In der Donbass-Region bereitete sich die ukrainische Armee am Montag unterdessen auf verstärkte Angriffe Russlands vor.

Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte am Montag ein Video, in dem an einem gelb-blauen Grenzpfosten stehende Soldaten zu sehen waren. "Wir haben es geschafft, wir sind hier", sagte einer der Soldaten an Präsident Wolodymyr Selenskyj gerichtet. Die Einheit habe die Grenze "zum Besatzungsland" erreicht. Die Echtheit der Aufnahmen ließ sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.

Den ukrainischen Truppen gelang es nach Angaben Kiews nach einer Gegenoffensive, die Gebiete nördlich von Charkiw zurückzuerobern. Russland ziehe seine Einheiten aus der Region ab und verlege sie für eine neue Offensive Richtung Luhansk in den Donbass, sagte der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch. Ein Ziel der russischen Truppen ist es nach Angaben Kiews, die Regionalhauptstadt Sewerodonezk einzukesseln. Durch die Einnahme von Sewerodonezk würde der Kreml die De-facto-Kontrolle über die Region Luhansk erlangen. Bei dem Beschuss eines Krankenhauses in der Stadt wurden laut ukrainischer Präsidentschaft vom Montag zwei Menschen getötet. Insgesamt soll es mindestens zehn Todesopfer gegeben haben, so der Gouverneur der Region Luhansk.

Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete unterdessen mehr als 100 Luftangriffe auf militärische Infrastruktur in der Ukraine in der Nacht zu Montag. Zudem seien Raketen auf mehr als 300 Ziele abgefeuert worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Für das seit Wochen umkämpfte Asow-Stahlwerk in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums eine Waffenruhe erzielt. Es gebe eine Vereinbarung mit "Vertretern des ukrainischen Militärs zur Evakuierung" verwundeter ukrainischer Soldaten aus dem Industriekomplex, hieß es aus Moskau. Die ukrainischen Kämpfer sollten in der von prorussischen Separatisten kontrollierten Stadt Nowoasowsk im Osten der Ukraine medizinisch versorgt werden. Die ukrainischen Behörden bestätigten die Angaben zunächst nicht.

Die Regierung in Kiew hatte stets gefordert, die Verletzten auf das von der Ukraine kontrollierte Gebiet oder in ein Drittland zu überstellen. Nach ukrainischen Angaben sollen sich in der Industriezone des Unternehmens Azovstal rund 1000 Verteidiger Mariupols verschanzt haben. Hunderte von ihnen sollen verletzt sein.

Der britische Militärgeheimdienst ging von herben Verlusten Moskaus in der Ostukraine aus, weshalb die Offensive "an Schwung verloren" habe. Der russische Schlachtplan sei "erheblich in Verzug", hieß es. "Die Ukraine kann diesen Krieg gewinnen", sagte am Sonntag auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Er rief die Alliierten dazu auf, der Ukraine weiterhin mit militärischen Hilfen beizustehen. Am Montag haben die EU-Außenminister weitere 500 Millionen Euro für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die ukrainischen Streitkräfte bewilligt.