"Kind zu mündigem Bürger erziehen"

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Do, 17. Oktober 2019

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW: Sozialarbeiterin Birgitt Kiefer möchte in einem Workshop Kinderrechte erarbeiten.

RHEINFELDEN / GRENZACH-WYHLEN. Seinen fünften Geburtstag feiert der Familientreff in Wyhlen und bietet inzwischen ein vielfältiges Programm. Was als Doppelseite im Programm des Familienzentrums Rheinfelden begann, füllt zwischenzeitlich beinahe das halbe Heft der gemeinnützigen Institution. BZ-Mitarbeiterin Leony Stabla hat mit Birgitt Kiefer gesprochen, die in Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden einen Workshop zum Thema Kinderrechte anbietet.

BZ: Gibt es einen Anlass für das Thema?
Kiefer: Kinderrechte sind immer aktuell, aber da nun der Koalitionsvertrag von 2018 vorsieht, die Kinderrechte in unser Grundgesetz zu übernehmen, beschäftigt das Thema sicher mehr Menschen. Über 25 Jahre ist es inzwischen her, dass Deutschland die Kinderrechtskonvention unterschrieben hat, doch die meisten wissen immer noch nicht, was sie aussagt, beziehungsweise was Kinderrechte eigentlich sind.

BZ: Und was genau sind Kinderrechte?
Kiefer: Prinzipiell bedeuten die Kinderrechte, dass Kinder nicht als unfertige Wesen wahrgenommen werden sollen, sondern als Menschen, für die – genauso wie für uns Erwachsene – die Menschenrechte gelten. Allerdings haben Kinder zusätzlich noch besondere Bedürfnisse in den Punkten Schutz, Förderung, Entwicklung und Mitbestimmung. Deshalb gibt es eine UN-Kinderrechtskonvention, in der diese besonderen Rechte niedergeschrieben sind.

BZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, daraus einen Workshop zu machen?
Kiefer: Wir haben gemerkt, dass viele Leute, speziell natürlich Eltern, sehr unsicher in diesem Punkt sind. Die meisten Eltern handeln zwar schon intuitiv nach den meisten, trotzdem ist ein Blick auf die Kinderrechte bei Erziehungsfragen oft hilfreich und gibt schon den Wink in die richtige Richtung.

BZ: Haben Sie ein Beispiel?
Kiefer: Viele Eltern leeren den Schulranzen ihrer Kinder am Abend aus, wenn diese schlafen, und forschen nach alten Pausenbroten, oder verlorenen Einladungen zum Elternabend. Ich muss zugeben, ich habe das selbst auch oft getan, mich aber nie wirklich gut dabei gefühlt. Heute weiß ich, dass auch mein Sohn ein Recht auf Privatsphäre hatte, das ich damit verletzt habe. Besser hätte ich mit ihm sprechen, das mit ihm gemeinsam machen und ihn dabei anleiten, statt bevormunden sollen.

BZ: Was erhoffen Sie sich vom Workshop?
Kiefer: Ich möchte gemeinsam mit den Teilnehmern die Kinderrechte erarbeiten und wünsche mir, dass diese sie als Handlungsleitlinien annehmen. Denn nur wenn ich die Kinderrechte kenne, kann ich sie umsetzen, um mein Kind zu einem mündigen, selbständigen und teilnehmenden Bürger zu erziehen, der mitsprechen und Verantwortung übernehmen kann.

Zur Person: Birgitt Kiefer ist 53 Jahre alt und kommt aus Herten. Sie ist diplomierte Sozialarbeiterin und selbst Mutter eines Sohnes. 25 Jahre arbeitete sie in Lörrach beim SAK, bis sie Anfang 2018 die Geschäftsleitung des Familienzentrums Rheinfelden übernahm.

Info: Der Workshop zum Thema Kinderrechte findet im Familientreff in Wyhlen, In den Abtsmatten 2a am Donnerstag, 17. Oktober um 9.30 Uhr, alternativ am Montag, 21. Oktober, um 10.30 Uhr im Familienzentrum Rheinfelden, Elsa-Brändström-Str. 18, statt.