Brillante Technik und Interpretation

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Fr, 06. Dezember 2019

Ballrechten-Dottingen

Festliche Weihnachtsmusik beim Konzert in Ballrechten-Dottingen mit Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble.

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Beim traditionellen Konzert des Trompetenvirtuosen Ludwig Güttler und seines Ensembles am Montag nach dem ersten Advent war die Kirche St. Erasmus in Ballrechten-Dottingen bis zum letzten Platz belegt. Unter dem Motto "Dresdner Bläserweihnacht" präsentierten die zwölf Musiker festliche Musik zur Weihnachtszeit.

Das Konzert war ein Fest für die Freunde der Renaissance- und Barockmusik, denn die meisten der dargebotenen Werke entstammten diesen Epochen. Das Ensemble hatte sein Programm in fünf Partiten aufgeteilt, die jeweils einer bekannten weihnachtlichen Melodie gewidmet waren, jedoch stammten die Werke von unterschiedlichen Komponisten. Nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern auch mit historischen Corni da Caccia, Waldhorn, Tenor-, Alt- und Bassposaune und Tuba erfüllten die Musiker die Kirche mit den herrlichsten Klangfarben.

Zum Auftakt erklang die majestätische "Trumpet Tune and Air" von Henry Purcell, ein Werk, das Blech und Pauken kongenial vereint und das Publikum in andächtige Stimmung versetzte. Die erste Partita war dem Adventschoral "Nun komm der Heiden Heiland" gewidmet, zunächst mit einem anonymen Hymnus für vier Posaunen aus dem Schatz der Alten Musik. Es folgten Vertonungen von Wilhelm Friedemann Bach, Andreas Raselius und Friedrich Wilhelm Zachow sowie Choralversionen von Johann Crüger. Machtvolle Klangbilder und besinnliche Akzente wurden in verschiedenen Instrumentenformationen, teilweise vier- und fünfstimmig und mit aufregenden Paukenwirbeln realisiert. Zum Abschluss dieser ersten Partita spielte das Ensemble eine hochkomplexe doppelchörige Canzone des venezianischen Renaissance-Komponisten Giovanni Gabrieli.

Der nächste Ohrenschmaus erfolgte mit der Darbietung der Partita über die Melodien "Wie soll ich dich empfangen" und "Tochter Zion". Der mitreißenden "Allemande" von Antonio Vivaldi ließ das Ensemble fünf Variationen über "Tochter Zion" von Ludwig van Beethoven folgen, deren reiche Facetten Bläser und Pauke mit fulminantem Leben erfüllten. Nicht weniger faszinierend waren die Sinfonia "La Bergamasca" von Ludovico Crossi la Viadana und die Version aus Händels Oratorium "Judas Maccabäus" inszeniert. Ein hinreißender Vortrag eines vierstimmigen Chorals über das Thema "Wie soll ich dich empfangen" von Johann Crüger beschloss diesen Zyklus.

Schlicht und ergreifend mit "Partita für Blechbläser zu Weihnachten" war der dritte Programmteil betitelt. Im Mittelpunkt stand das wunderschöne Adventslied "Es ist ein Ros entsprungen". Vertonungen von Michael Praetorius, Melchior Vulpius und William Brade wurden mit ausgefeilter Nuancierung dargeboten. Auch eine Version aus der Sammlung "Musae Sioniae" von Michael Praetorius, die um das Jahr 1609 in Wolfenbüttel herausgegeben wurde, erfreute mit ihrer innigen Interpretation. Mit der Motette "Lobet den Herrn alle Heiden" von Johann Sebastian Bach in einem Arrangement von Ludwig Güttler ging dieser Teil glanzvoll zu Ende.

Nach der Pause ging es weiter mit dem Thema "In dulci jubilo". Eine Suite von Johann Hermann Schein und eine doppelchörige Canzona von Praetorius entstammten dem Fundus der Alten Musik. Dazwischen ließ Christian Langer ein furioses Pauken- und Schlagzeugsolo vom Stapel. Ludwig Güttlers virtuos ausgeführte "Allemande und Courante" sowie die drei Sätze aus Adolf Buschs "Seven Madrigals on Negro Spirituals" bildeten eine reizvolle Hommage an die Musik der Gegenwart.

Die letzte Partita mit dem Motto "Vom Himmel hoch" ließ die Herzen der Hörer noch einmal höherschlagen. Güttler und sein Ensemble hatten für dieses Finale prachtvoll klingende Kompositionen von Praetorius und Johannes Eccard aufs Programm gesetzt. Gekrönt wurde diese Partita mit einer Choralcanzone aus den "Musae Sioniae".

Ob mit virtuosen Soli, raffinierten polyphonen Verflechtungen oder unisono – Güttler und sein Ensemble begeisterten durch brillante Technik und großartige Interpretationen. Der Schlussapplaus wollte kein Ende nehmen. In der ersten Zugabe demonstrierten die Bläser mit "Herbei oh ihr Gläubigen", dass sie auch stimmgewaltige Sänger sind. Doch es gab noch mehr Zugaben, unter anderem zur Freude der Hörer den bekannten "Trumpet Tune" von Jeremiah Clarke.