Reportage

Kleiderspenden verkommen zu einem globalen Geschäft

Nikola Vogt und Karen Bauer

Von Nikola Vogt & Karen Bauer

Di, 17. Dezember 2013 um 14:06 Uhr

Südwest

Wer alte Kleider spendet, mag denken, er tue Gutes. Doch dubiose Sammler drängen in den Markt und lassen die Preise explodieren. Die BZ hat eine Textilrecycling-Firma besucht.

Udo Freudling greift nach einer originalverpackten Damenstrumpfhose im 50er-Jahre-Look – Modell "Moni". Ein prüfender Blick, eine knappe Erklärung: "Die geht nach Afrika. Daraus machen die Kaffeefilter." Freudling wirft sie zurück zu den anderen Feinstrumpfhosen – und zieht aus einem Gitterwagen daneben ein Stück graubraunes Fell hervor. "Hase", vermutet er, und erklärt: "Echtes Fell wird in der Modeindustrie weiterverarbeitet." Dann geht er zu einem Kleiderstapel ganz hinten in der Ecke. Dort liegt ein Haufen geblümter Oma-Schürzen. Schwungvoll zieht Freudling eine herunter. "Süditalien", ruft er. Und fügt die Erklärung gleich an: "Tomatensauce." Udo Freudling braucht nicht viele Worte, wenn er über seine Arbeit spricht.

Gebrauchte Textilien sammeln, sortieren, weitervertreiben: Was nach Motten, Mief und Mildtätigkeit klingt, das ist längst ein globales Geschäft. Hart umkämpft und umstritten. Udo Freudling ist Teil dieses Geschäfts – als Kaufmännischer Leiter der Terec GmbH in Renchen in der Ortenau. Das mittelständische Unternehmen kümmert sich seit 1999 um das Recycling von Textilien und Schuhen. "Wir arbeiten vor allem mit den karitativen Organisationen zusammen", erklärt Freudling. Die Firma stellt dem Roten Kreuz, dem Kolpingwerk und anderen insgesamt 1800 Altkleidercontainer zur Verfügung – verteilt von der Schweizer Grenze bis nach Mannheim. Zweimal pro Woche leert Terec den Großteil der Container. 40 Tonnen Textilien gelangen so pro Tag nach Renchen und werden hier von Hand sortiert.

Die Altkleider werden in ...

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