Wo altes Handwerk noch weiterlebt

Yvonne Rünzi

Von Yvonne Rünzi

Mo, 16. September 2019

Kleines Wiesental

Brauchtumsmarkt in Raich zeigt althergebrachte Techniken und zu welch schönen Produkten sie heute noch nützlich sind.

KLEINES WIESENTAL-RAICH. Beim Brauchtumsmarkt in und um die Lindenhalle in Raich stellten am Sonntag 20 Aussteller ihre Handwerkskunst und Produkte vor. Es war der dritte Brauchtumsmarkt, den der Verein Brauchtum im Kleinen Wiesental-Raich bislang veranstaltete.

Ein besseres Wetter hätten sich die Anbieter kaum wünschen können. Bei schönstem Herbstwetter – oder war es Spätsommer? – wurden feine Schnäpse, handgemachter Käse und Brot, Honig, Wurst und Obst zum Kauf angeboten. Glänzende Keramiken und weiche Wollsocken für den nahenden Winter fanden ebenso ihre Abnehmer wie Holz- und Bastelarbeiten und selbstgemachte Seifen.

Auch die praktische Seite kam nicht zu kurz: In der Schmiede durften Kinder tatkräftig anfassen und ihre eigenen Anhänger herstellen. Unter den Augen der interessierten Besucher entstanden an anderer Stelle aus einem Klumpen Ton filigrane Schalen oder aus einfachen Weiden komplizierte Flechtwerke. Zu sehen gab es auch, wie aus feiner Merinowolle Fäden gesponnen wurden für die weitere Verarbeitung. Kinder durften munter auf Ponys reiten.

Für den geistigen Input sorgte unter anderem Journalist Gerald Nill aus Gresgen, der seine Bücher über den Schwarzwald präsentierte sowie das Projekt "Alemannisch g’schwätzt", das für den Erhalt des Dialekts alemannische Sprichworte auf Tafeln wirbt.

Die Lindenhalle füllte sich in Windeseile mit hungrigen und durstigen Gästen, die das Team um die erste Vorsitzende des Vereins, Sonja Eiche, mit selbstgemachten Speisen verköstigte. Sie freute sich sehr über die zahlreichen Unterstützer, sei es die Feuerwehr, die den Parkdienst übernahm, die Helfer hinter der Theke oder die vielen Kuchenspenden. "Bei so einem Anlass sind alle dabei."

Eine Besonderheit waren die von der IG Milchhüsli Hohenegg angebotenen alemannischen Fotzelschnitten, die sich einer regen Nachfrage erfreuten. Fotzelschnitten, das sind in Eiermilch getunkte alte Brotstücke, die dann angebraten und entweder herzhaft mit Salat oder süß mit Apfel- oder Zwetschgenmus genossen werden.

Zeitgleich hatte das Kulturhaus Kleines Wiesental in Ried seine Türen für eine Ausstellung mit alten Kulturgütern aus der Region und vor allem den acht ehemals selbstständigen Gemeinden des Kleinen Wiesentals geöffnet. Dokumente, Trachten, Uniformen, Fahnen, Gerätschaften und viele mehr werden unter anderem von Helga Geiger aus Wieslet für die Nachwelt aufbereitet; ein umfangreicher Schatz, der durchaus etwas mehr Besucher verdient hätte.