Thunberg in Berlin

Klimaaktivistinnen drängen Merkel in Gespräch zu mehr Klimaschutz

AFP, dpa

Von AFP & dpa

Do, 20. August 2020 um 15:35 Uhr

Deutschland

Aktivistinnen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin aufgefordert, ihrer Verantwortung im Kampf gegen die Erderwärmung stärker gerecht zu werden.

"Wir fordern, das Pariser Klimaschutzabkommen jetzt in konkrete Politik umzusetzen", sagte die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer nach dem Gespräch am Donnerstag im Kanzleramt. Die schwedische FFF-Initiatorin Greta Thunberg sprach von einer "sehr freundlichen" Begegnung mit Merkel.

Neubauer räumte ein, es sei deutlich geworden, dass die Klimaaktivisten und die Kanzlerin "von unterschiedlichen Perspektiven" auf die anstehende Herausforderung blicken. Merkel habe darauf hingewiesen, dass ihr als Physikerin die von der Wissenschaft vorgetragenen Anforderungen bewusst seien, sie als Politikerin aber "die Komplexität der Lage berücksichtigen" müsse. Die Kanzlerin habe aber zugesichert, dass sie gewillt sei, den Klimaschutz im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft weiter voranzubringen.

Merkel nach Thunberg-Treffen: Erderwärmung globale Herausforderung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach ihrem Treffen mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg die Bekämpfung der Erderwärmung als globale Herausforderung bezeichnet. Beide Seiten seien sich in diesem Zusammenhang einig gewesen, dass den Industriestaaten bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine besondere Verantwortung zukomme, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag nach dem Treffen in Berlin mit. Basis dafür sei die konsequente Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

Zentrales Thema des Gesprächs von Merkel mit Thunberg sowie der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer und den Belgierinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier seien die klimapolitischen Schwerpunkte in der laufenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands gewesen, schrieb Seibert weiter. Als Einzelpunkte nannte er die angestrebte EU-Klimaneutralität bis 2050 sowie die Konkretisierung eines verschärften Zwischenziels für die Treibhausgas-Emissionen bis 2030. Die Kanzlerin und die Vertreterinnen von Fridays for Future hätten auch über die Bedeutung der CO2-Bepreisung sowie über nationale Maßnahmen der Klimapolitik wie den Ausstieg aus der Kohleverstromung diskutiert.

"Es geht um klare Ziele und klare Zahlen." Luisa Neubauer
In einem offenen Brief an die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten die Aktivistinnen zuvor unter anderem den "unverzüglichen Stopp der Gewinnung und Subventionierung fossiler Brennstoffe" gefordert. Ein Verbrechen an der Umwelt, der "Ökozid", solle als internationales Verbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof geahndet werden. Alle Staaten müssten ab sofort jährliche und verbindliche CO2-Budgets erstellen, die sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel stützten. Die EU müsse ihre Emissionsziele verschärfen.

"Es geht um klare Ziele und klare Zahlen", sagte dazu Neubauer. "Dafür brauchen wir Aktionen, mehr als nette Worte." Thunberg sagte, es müsse jetzt darum gehen, "die Priorität auf die Zukunft zu setzen". Es gelte, "die riesige Lücke zu überbrücken zwischen dem, was die Wissenschaft sagt und dem, was tatsächlich passiert", verlangte die belgische FFF-Aktivistin Adélaïde Charlier.

Das eineinhalbstündige Gespräch mit Merkel fand zwei Jahre nach Beginn der ersten Schulstreiks von Fridays for Future statt. Bei dem Treffen sei es auch um das umstrittene Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und Lateinamerika gegangen, das Umweltschützer unter anderem wegen einer befürchteten weiteren Zerstörung von Regenwäldern ablehnen. Die belgische Klimaaktivistin Anuna De Wever äußerte sich erfreut, dass Merkel sich ablehnend zu dem Abkommen geäußert habe.