Bündnis will Demo-Rekord knacken

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Do, 12. September 2019

Freiburg

"Fridays for Future" streikt kommende Woche erstmals zusammen mit dem seit Juli bestehenden Klimaaktionsbündnis.

FREIBURG/EBRINGEN. Sie wollen den größten Protest in Freiburgs Nachkriegsgeschichte auf die Beine stellen: "Fridays for Future" und das im Juli gegründete Klimaaktionsbündnis Freiburg hoffen auf mehr als 20 000 Streikende am 20. September in Freiburg.

Ihr Anspruch ist gewaltig: Am 20. September wollen die Klimaaktivisten von "Fridays for Future" (FFF) mit dem kürzlich gegründeten Klimaaktionsbündnis Freiburg mehr als 20 000 Menschen zum Streiken auf Freiburgs Straße bringen. "Es soll die größte Demonstration Freiburgs werden", formuliert Dirk Henn, der das Bündnis koordiniert. 2015 kamen 20 000 Menschen zu einer Anti-Pegida-Demonstration – es war die größte Demo in der Nachkriegsgeschichte der Stadt.

Ende kommender Woche findet in Freiburg der nächste von FFF initiierte Streik statt. An dem Tag wollen weltweit Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Erstmals sind nicht nur Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen zu demonstrieren, sondern alle. Eine weitere Premiere: Nicht nur FFF bittet die Menschen für den Klimaschutz auf die Straße, sondern auch ein Bündnis aus mehr als 400 Organisationen, Firmen, Parteien und Vereinen aus der Region. Unter dem Namen Klimaaktionsbündnis unterstützen sie die FFF-Forderungen. Das Bündnis ist erst im Juli gegründet worden.

"Das Programm rund um den Streiktag ist noch nicht vollständig,", sagt Henn. Fest stehe, dass aus den Stadtvierteln Vauban, Herdern, Rieselfeld und der Stadt Waldkirch Menschen mit einem Fahrradkorso an den Platz der Alten Synagoge anreisen werden. Am Donnerstag kommende Woche wollen Freiburger Chöre öffentlich auf dem Platz der Alten Synagoge proben, um den Streik gesanglich zu begleiten. Danach soll eine Klimaaktionswoche mit Veranstaltungen folgen.

Am Mittwochvormittag luden das Bündnis und FFF auf die Burgruine Schneeburg in Ebringen zur Pressekonferenz. Ein sportliches Ziel, das die meisten Journalisten benzingetrieben anfuhren – am Weg standen sechs Autos.

Den Ort wählten die Aktivisten nicht ohne Grund: Denn hinter der Ruine ragen teils 120- bis 140-jährige, abgestorbene Buchen gen Himmel, die kein Grün, sondern nur noch dürre Äste tragen. "Vor zwei bis drei Jahren waren diese Buchen noch grün", sagt Henn. An dieser Stelle sehe man die Auswirkungen des Klimawandels sehr deutlich. Jürgen Bucher, der den Wald am Schönberg als Förster der Gemeinde Ebringen seit 17 Jahren betreut, bekräftigt: "2003 fing es mit dem ersten Trockenjahr an, dass der Wald unter der Dürre unglaublich litt." Vor allem die Buchen, die mit 55 Prozent den größten Anteil am Schönberg einnehmen, hätten mit der Trockenheit zu kämpfen – dabei gilt die Buche als Baumart, die Trockenheit gut verträgt.

Bei einer Untersuchung in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg zeigte sich, dass die Buchen seit rund sechs Jahren fast gar nicht mehr austrieben. Die Wissenschaftler und auch die Experten sehen den Klimawandel als Grund für das Absterben. Diese Beobachtung, sagt sein Kollege Michael Kilian vom Forstbezirk Staufen, sei bundesweit zu beobachten. In Zukunft, prognostizieren die Förster, werde es weniger Buchen in hiesigen Wäldern geben, sondern mehr wärmeliebende Bäume.

"Fridays for Future" fordert vom Bund Klimaneutralität bis 2035, von der Stadt hingegen bis 2030. "Wir wollen, dass Freiburg beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle annimmt", fordert FFF-Sprecherin Anna Castro Kösel. Zudem verlangt FFF von der Stadtverwaltung, dass sie den innerstädtischen, motorisierten Verkehr durch eine City-Maut reduziert, die Energieversorgung bis 2030 vollständig durch erneuerbare Energien abdeckt und den Klimanotstand ausruft.