Fridays for Future

Klimabündnis will Freiburgs Demo-Rekord knacken

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Mi, 11. September 2019 um 16:13 Uhr

Freiburg

Sie wollen den größten Protest Freiburgs auf die Beine stellen: Fridays for Future und das im Juli gegründete Klimaaktionsbündnis hoffen auf mehr als 20.000 Streikende am 20. September in Freiburg.

Ihr Anspruch ist gewaltig: Am 20. September wollen die Klimaaktivisten von Fridays for Future mit dem kürzlich gegründeten Klimaaktionsbündnis Freiburg mehr als 20.000 Menschen zum Streiken auf Freiburgs Straße bringen. "Es soll die größte Demonstration Freiburgs werden", formuliert Dirk Henn, der das Klimaaktionsbündnis koordiniert. 2015 kamen 20.000 Menschen zu einer Anti-Pegida-Demonstration in die Innenstadt – es war die größte Demo in der Nachkriegsgeschichte der Stadt.

Am 20. September findet in Freiburg der nächste von Fridays for Future Freiburg initiierte Streik statt. An dem Tag wollen weltweit Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Erstmals sind nicht nur Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen zu demonstrieren, sondern alle. Eine weitere Premiere: Nicht nur Fridays for Future bittet die Menschen für den Klimaschutz auf die Straße, sondern auch ein breites Bündnis aus mehr als 400 Organisationen, Firmen, politischen Parteien und Vereinen Freiburgs und der Umgebung. Unter dem Namen Klimaaktionsbündnis unterstützen sie die Forderungen von Fridays for Future. Das Klimaaktionsbündnis ist erst im Juli gegründet worden.

Nach dem Streiktag soll es eine Klimaaktionswoche geben

"Das Programm rund um den Streiktag ist noch nicht vollständig,", sagt Dirk Henn. Fest stehe, dass aus den Stadtvierteln Vauban, Herdern, Rieselfeld und der Stadt Waldkirch Menschen mit einem Fahrradkorso an den Platz der Alten Synagoge anreisen werden. Am Donnerstag vor dem Streik wollen verschiedene Freiburger Chöre öffentlich auf dem Platz der Alten Synagoge proben, um den Streik am Tag darauf mit Gesang zu begleiten. Danach soll eine Klimaaktionswoche mit Veranstaltungen folgen.

Pressekonferenz auf der Schneeburg

Am Mittwochvormittag luden das Klimaaktionsbündnis und Fridays for Future auf die Burgruine Schneeburg zur Pressekonferenz. Ein sportliches Ziel, das die meisten Journalisten wohl benzingetrieben anfuhren – vor der Schneeburg standen sechs Autos.

Den Ort wählten die Aktivisten nicht ohne Grund: Denn hinter der Ruine ragen teils 120- bis 140-jährige, abgestorbene Buchen gen Himmel, die kein Grün, sondern nur noch dürre Äste tragen. "Vor zwei bis drei Jahren waren diese Buchen noch grün", sagt Henn. An dieser Stelle sehe man die Auswirkungen des Klimawandels sehr deutlich. Jürgen Bucher, der den Wald am Schönberg als Förster der Gemeinde Schallstadt seit 17 Jahren betreut, bekräftigt: "2003 fing es mit dem ersten Trockenjahr an, dass der Wald unter der Dürre unglaublich litt." Vor allem die Buchen, die mit 55 Prozent den größten Anteil am Schönberg einnehmen, hätten mit der Trockenheit zu kämpfen – dabei gilt die Buche als Baumart, die Trockenheit gut ertragen kann.

Untersuchung zeigt: Klimawandel ist Ursache

Bei einer Untersuchung in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) zeigte sich dann, dass die Buchen seit rund sechs Jahren fast gar nicht mehr austrieben. Die Wissenschaftler und auch die Experten sehen den Klimawandel als Grund für das Absterben. Diese Beobachtung, sagt sein Kollege Michael Kilian vom Forstbezirk Staufen, sei bundesweit zu beobachten.

In Zukunft, prognostizieren die beiden Förster, werde es weniger Buchen in heimischen Wäldern geben, sondern mehr wärmeliebende Bäume wie Speierlinge. Hinter der Schneeburg ist es keineswegs kahl. Dort wachsen viele dieser Jungbäume, die nur wenige Meter hoch sind. "In diese jungen, klimatoleranten Bäume legen wir viel Hoffnung", sagt Kilian.

"Wir wollen, dass Freiburg beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle annimmt." FFF-Sprecherin Anna Castro Kösel
Fridays for Future hat unterschiedliche Forderungen an Bund und Stadt gestellt. Vom Bund fordern sie Klimaneutralität bis 2035, von der Stadt Freiburg hingegen bis 2030. "Wir wollen, dass Freiburg beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle annimmt", fordert FFF-Sprecherin Anna Castro Kösel. "Die Entscheidungsträger der Stadt müssen aus ihrer Komfortzone herauskommen", sagt Florian Diez von Fridays for Future. Zudem verlangt die Organisation von der Stadtverwaltung, dass sie den innerstädtischen, motorisierten Verkehr durch eine City-Maut reduziert, die Energieversorgung bis 2030 vollständig durch erneuerbare Energien abdeckt und den Klimanotstand ausruft. Beim größten Fridays-for-Future-Streik in Freiburg im Mai kamen rund 10.000 Menschen.

  • Was: Fridays for Future
  • Wann: 20. September, 10 Uhr
  • Wo: Platz der Alten Synagoge

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