Komitee für Bürgertrasse angestrebt

Gabriele Hennicke und Frank Schoch

Von Gabriele Hennicke & Frank Schoch

Do, 21. November 2019

Bad Krozingen

Offenlage der Pläne steht an / Bürgerinitiative MUT schmiedet Bündnis, um bei Entscheidungen gewichtiges Wort zu haben.

BAD KROZINGEN/HARTHEIM. Die Diskussionen um die Erweiterung der Rheintalbahn und die Bürgertrasse zwischen Mengen und Hügelheim gehen nun schon einige Jahre – und werden das wohl noch eine ganze Zeit lang tun. Die hiesigen Kommunen und die Bürgerinitiative MUT sehen jedenfalls einige strittige Punkte bei der Planung der Bahn. Zur Offenlage der Unterlagen im nächsten Jahr soll ein neues Bündnis geschmiedet werden.

Wie Roland Diehl, Vorsitzender der Bürgerinitiative MUT – Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland – bei Vorträgen in den jüngsten Sitzungen des Bad Krozinger und des Hartheimer Gemeinderats anmerkte, ist der Baubeginn für 2024 veranschlagt. Für 2031 sehen die derzeitigen Pläne die Fertigstellung der Bürgertrasse zwischen dem Tunnel Mengen und Hügelheim vor, wo die beiden Gleise wieder auf die bestehende Rheintalbahn treffen sollen.

Gleichwohl betonte Diehl und erhielt dabei Unterstützung der Gemeinderäte, dass bereits in den nächsten Monaten mit der Offenlage für die hiesigen Planfeststellungsabschnitte 8.3 und 8.4 bei Bad Krozingen und Hartheim wichtige und bindende Entscheidungen anstünden. Auch der Bad Krozinger Baudezernent Paul Kopp betonte: "Nach der Offenlage wird das Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Und was planfestgestellt ist, wird in der Regel auch so gebaut." Während der Offenlage sind die Planungen mit rund 20 Aktenordnern pro Streckenabschnitt online sowie im Bad Krozinger und dem Hartheimer Rathaus einsehbar. Dabei kann im Detail erfahren werden, wie die Bürgertrasse in Tieflage verlaufen soll und so Möhlin, Neumagen und andere Gewässer sowie zwei Landschaftsbrücken unterquert, die auch als Wildtierkorridore dienen.

Wie Roland Diehl mehrfach betonte, warten in den nächsten Jahren noch einige knifflige Entscheidungen. Bei der Bauausführung werde es darauf ankommen, wie möglichst flächenschonend gebaut werde. Während der sechs bis siebenjährigen Bauzeit plant die Deutsche Bahn mit einem Baufenster von 126 Metern Breite, insgesamt 65 Hektar landwirtschaftliche Fläche gingen für etwa zehn Jahre verloren. Kommunen, BLHV und MUT haben hierzu eine Alternativplanung untersuchen lassen, die verhandelt werden müsse. Ein weiteres Problemfeld stellt die Beregnung dar, etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden beregnet. Hier gehe es darum, zusammen mit den Beregnungsverbänden der Landwirte die Beregnung während der Bauphase und danach sicherzustellen. Auch sollten möglichst viele die Trasse querende Wirtschaftswege geplant werden. Unerlässlich sei außerdem, den Bodenaushub der landwirtschaftlichen Flächen so zu lagern und zu rekultivieren, dass die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt.

Natürlich stelle sich auch die Frage, wohin mit dem Aushub, so Diehl. Dieser betrage 7 Millionen Kubikmeter Erde, von denen 4,3 Millionen wieder eingebaut würden. Unklar sei bislang, was mit den restlichen 2,7 Millionen Kubikmetern Bodenaushub passieren und wie diese transportiert werden sollen. Eine Idee der MUT hierzu sei der Abtransport per Bahn über den bestehenden Gleisanschluss im Gewerbepark Breisgau in Eschbach. Dazu werde noch ein Konzept entwickelt, das nach dem Wunsch der Bürgerinitiative ebenfalls Teil des Planfeststellungsverfahrens werden soll. MUT hat hierzu unter anderem Gespräche mit der Kieswirtschaft angeregt. Weitere Problemfelder liegen nach Aussagen von Diehl im Hochwasserschutz und im Vogelschutzgebiet.

Um möglichst eine geschlossene und wie in der Vergangenheit starke Stimme der Region auch in dieser Phase bilden zu können, rief Diehl die Gemeinderäte dazu auf, mit anderen benachbarten Kommunen, der BI MUT und dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) ein Bürgertrassen-Komitee zu bilden. "Wir brauchen die Schiene, keine Frage", so Diehl. "Wir möchten aber die Schäden in der Region minimieren und daher bei den Entscheidungen mitreden." Die Sitzungsvorlagen sahen keinen Beschluss, sondern lediglich die Information vor. Gleichwohl betonte Bad Krozingens Bürgermeister-Stellvertreter Peter Lob in Abwesenheit von Volker Kieber, dass die Stadt das gemeinsame Vorgehen unterstütze. Hartheims Bürgermeister Stefan Ostermaier kündigte an, dass er sich beim Bürgertrassen-Komitee beteiligen will.

Derzeitige Pläne zur Einsicht unter mehr.bz/pfa8-3 und mehr.bz/pfa8-4