Pandemie im Südwesten

Kretschmann macht Handel Hoffnung auf Öffnungen – Lockerungspläne in der Schweiz

dpa

Von dpa

Mi, 17. Februar 2021 um 20:08 Uhr

Südwest

Ministerpräsident Kretschmann gibt die 35 als Inzidenz-Ziel für Ladenöffnungen in Baden-Württemberg aus. In der Schweiz sollen ab 1. März alle Läden, Museen, Zoos und Erlebnisparks wieder öffnen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat dem Handel in der Corona-Pandemie Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung gemacht. "Sollten wir stabil die 35 erreichen, das heißt, sollten wir diese Inzidenz im Land über mehrere Tage – zwischen drei und fünf Tagen am Stück – unterschreiten, dann werde ich weitere Öffnungsschritte veranlassen", sagte Kretschmann den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".

Maßgeblich sind dafür die Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Baden-Württemberg liegt nach neuesten Angaben des Landesgesundheitsamtes derzeit bei einer 7-Tage-Inzidenz von 41,6 – allerdings mit weiterhin höchst unterschiedlichen Werten in den einzelnen Kreisen.


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Als erstes solle der Einzelhandel bei Öffnungen berücksichtigt werden - dann aber nur mit einem "klaren Hygienekonzept" und der "Begrenzung von 20 Quadratmeter pro Kundin oder Kunden", betonte der Grünen-Politiker.

Ein solches Vorgehen wäre laut Kretschmann von den jüngsten Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz gedeckt. Dort hatten die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin vereinbart, dass die Länder schrittweise lockern können, sollte die 7-Tage-Inzidenz bis zum 7. März stabil unter 35 gesunken sein.

Aus Modellrechnungen ergibt sich laut Kretschmann, dass Baden-Württemberg als erstes Bundesland den Wert von 35 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche erreichen könnte. "Möglicherweise schon gegen Ende der nächsten Woche", sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen. Sollten die Zahlen aber wieder steigen, werde er sofort reagieren, stellte Kretschmann klar.

Öffnungs-Forderungen aus dem Südwesten

Drei Oberbürgermeister aus Baden-Württemberg wenden sich derweil in einem dringenden Appell erneut an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), den Einzelhandel in den Stadtzentren möglichst bald mit guten Hygienekonzepten wieder öffnen zu lassen. In einem Schreiben, das auch an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) adressiert ist, schlagen sie zudem Schnellteststationen an den Zugängen zur Innenstadt vor.

Außerdem plädieren die Verfasser für eine höhere Mehrwertsteuer für den Online-Handel. "Das Sterben der Innenstädte ist in vollem Gange", steht in dem Schreiben, das von Boris Palmer (Grüne) aus Tübingen, Richard Arnold (CDU) aus Schwäbisch Gmünd und Matthias Klopfer (SPD) aus Schorndorf unterzeichnet ist.

Schweiz will Anti-Corona-Maßnahmen lockern und Läden öffnen

"Wir haben eine positive Ausgangslage", sagte der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset zu den Öffnungsplänen, die die Schweizer Regierung am Mittwoch vorgestellt hat. Damit sei jetzt das Ziel, stufenweise Lockerungen anzugehen – mit der Öffnung aller Läden, Museen, Zoos und Erlebnisparks ab ab 1. März und Treffen von bis zu 15 Personen im Freien.

Künftig soll es für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre mehr erlaubte Sport- und Kulturangebote geben. Ab April seien Kultur- und Sportveranstaltungen mit Publikum in eng begrenztem Rahmen wieder denkbar, ebenso Sport in Innenräumen oder die Öffnung von Restaurantterrassen.

Schweiz hat Zahlen in einem Monat halbiert

Der Gesundheitsminister lobte die Disziplin der Bevölkerung. Deren Verhalten habe zu einer Halbierung der Zahlen binnen Monatsfrist geführt.

Restaurants sollen allerdings geschlossen bleiben. Auch die Pflicht zum Homeoffice werde aufrecht erhalten, hieß es. Bei günstiger epidemiologischer Entwicklung und höherer Durchimpfungsrate sollen jeweils zu Monatsbeginn weitere Lockerungen in Kraft treten, "um dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben wieder mehr Raum zu geben", hieß es.

Mehrere Kriterien zur Beurteilung der Infektionslage

Es gelten die bekannten Hygieneregeln wie die Begrenzung der Zahl der Kunden und Maskenpflicht. Wesentlicher Teil der Strategie sei auch eine Vielzahl von Tests, um gerade auch die asymptomatischen Fälle einer Corona-Infektion zu erkennen.

Wichtige Kriterien zur Beurteilung der Infektionslage seien der Anteil der positiven Fälle unter den Getesteten, der unter fünf Prozent liegen soll. Die Auslastung der Intensivpflegeplätze mit Covid-19-Patienten soll weniger als 25 Prozent betragen. Die durchschnittliche Reproduktionszahl über die letzten 7 Tage soll höchstens 1 sein. Zuletzt lag der Wert bei 0,88 und damit minimal höher als in Deutschland.