Corona-Virus

Kretschmann schließt Lockdown für alle nicht mehr aus

epd

Von epd

So, 28. November 2021 um 10:55 Uhr

Südwest

Ministerpräsident Kretschmann schließt wegen der steigenden Infektionszahlen einen Lockdown für alle nicht mehr aus. Außerdem bekräftigt er Forderung nach einer Impfpflicht.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schließt angesichts der aktuellen Corona-Lage einen weiteren Lockdown auch für Geimpfte und Genesene nicht aus. Landkreistagspräsident Joachim Walter (CDU), der auch Landrat des Landkreises Tübingen ist, appellierte unterdessen "an die Verantwortlichen in Bund und Land", alles dafür zu tun, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wie Schulen, Kitas und die Kindertagespflege regulär offenzuhalten.

Regierungschef Kretschmann hatte der "Schwäbischen Zeitung" (Samstag) gesagt, die Politik müsse zwar verhältnismäßig agieren. Dies berge allerdings "immer die Gefahr, dass wir zu langsam sind", sagte der Grünen-Politiker. Er sprach sich zum einen für eine "rasche Ministerpräsidentenkonferenz", zum anderen benötige die Politik "das volle Instrumentarium" aus dem Infektionsschutzgesetz: "Einen Lockdown für alle schließe ich nicht aus", betonte der baden-württembergische Ministerpräsident.

"Schulen, Kitas und Kindertagespflege-Einrichtungen müssten geöffnet bleiben." Joachim Walter
Landkreistagspräsident Walter sagte, alle Pandemiemaßnahmen müssten "konsequent an einem Oberziel" ausgerichtet werden: Schulen, Kitas und Kindertagespflege-Einrichtungen müssten geöffnet bleiben. Durch die Schulschließungen in 2020 und 2021 seien bereits Lernrückstände entstanden, die sich kaum vollständig aufholen lassen. Gerade Kinder bildungsferner Familien verlören "uneinholbar den Anschluss". Auch die psychischen Folgen des Lockdowns bei Heranwachsenden seien enorm.

"Erneute Schul- und Kitaschließungen würden Kindern und Jugendlichen massiv schaden. Sie müssen daher unbedingt verhindert werden", sagte CDU-Politiker Walter. Erkrankte Schülerinnen und Schüler trügen "ersichtlich nicht zur Überlastung des Gesundheitssystems bei, denn der Verlauf der Erkrankung ist in aller Regel mild", sagte der Landkreistagspräsident laut der Mitteilung vom Samstag weiter: "Und Erwachsene im Umfeld des Kindes können sich durch eine Impfung schützen."

Kretschmann verteidigte in der "Schwäbischen Zeitung" unterdessen seine gemeinsam mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) erhobene Forderung nach einer allgemeinen Impfpflicht. "Wir merken einfach, dass wir aus diesem Schlamassel anders nicht herauskommen." Im Juli habe er zwar noch gesagt, dass man derzeit keine Impfpflicht plane. "Aber ich habe auch immer gesagt: Wenn wir aggressivere Mutanten bekommen, kann ich eine Impfpflicht nicht ausschließen."