Kriminalität im Land bleibt niedrig

Axel Habermehl

Von Axel Habermehl

Di, 24. März 2020

Südwest

Sicherheitsbericht des Innenministeriums / Weniger Diebstähle, aber mehr Sexualstraftaten.

STUTTGART. Die Kriminalität in Baden-Württemberg bewegt sich wie in den Vorjahren auf einem im historischen Vergleich niedrigen Niveau. Das geht aus dem Sicherheitsbericht des Landes-Innenministeriums hervor, der am Montag im Internet veröffentlicht wurde. Dem Bericht basiert auf Daten der polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) und wird seit 2017 jährlich vom Innenministerium herausgegeben. Dem Papier zufolge lag die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten im Jahr 2019 mit 573 813 Taten leicht über dem Wert aus dem Vorjahr. 2018 zählten die Behörden 572 173 Straftaten. Die Aufklärungsquote sank im Jahresvergleich leicht: von 62,7 Prozent (2018) auf 61 Prozent (2019).

Da aber die Bevölkerung anstieg, ging die sogenannte Kriminalitätsbelastung zurück: Sie lag bei 5184 Taten pro 100 000 Einwohner im Land (2018: 5191) und erreichte damit "den niedrigsten Wert seit Mitte der 1980er Jahre", wie Innenminister Thomas Strobl (CDU) erfreut feststellte. Er zeigte sich auch insgesamt zufrieden mit den Zahlen: "Baden-Württemberg ist bei der Inneren Sicherheit auch nach dem aktuellen Sicherheitsbericht wieder bundesweit Spitzenklasse", wurde er in einer Mitteilung seines Ministeriums zitiert. Besonders hervor hob Strobl die Entwicklung beim größten Deliktfeld überhaupt, dem Diebstahl (Rückgang gegenüber 2018 um 6 Prozent auf 159 423 Fälle) und beim Wohnungseinbruchdiebstahl, der ebenfalls wie schon in den Vorjahren zurückging. "Gemessen an dem Wert des Jahres 2014 haben sich die Zahlen sogar mehr als halbiert", stellte Strobl fest. Auch die Gewaltkriminalität nahm ab: Sie sank gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent auf 17 331 Fälle.

Jedoch zeigt die Statistik anderswo auch deutliche Anstiege. So nahmen die Sexualstraftaten um sieben Prozent zu. Dies ist laut Strobl vor allem auf eine deutliche Zunahme der Verbreitung von Kinderpornografie im Internet zurückzuführen. "NECMEC, eine Organisation in den USA, gibt Hinweise der Internetdienste auf kinderpornografische Inhalte an Strafverfolgungsbehörden weiter, so auch nach Deutschland, was einen enormen Fallzahlenanstieg im Bereich der Verbreitung von Kinderpornografie zur Folge hat", merkt der Minister an. Zudem steige die Anzeigenbereitschaft. Doch jede vierte Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung fand im öffentlichen Raum statt.

Auch in Deliktfeldern wie Cybercrime und politisch motivierter Kriminalität sind Anstiege zu verzeichnen. Gewalttaten gegen Polizisten und Feuerwehrleute stiegen um rund fünf Prozent auf 4993 Taten – ein neuer Rekord und etwa 1000 Übergriffe mehr als noch vor fünf Jahren. Auch stiegen die Rauschgiftdelikte, und zwar im neunten Jahr in Folge.

Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik bildet jedoch nur das "Hellfeld" der Kriminalität ab. Sie führt Straftaten auf, die der Polizei bekannt werden, etwa durch Anzeigen oder Kontrollen. Ob die Entwicklungen im "Hellfeld" jenen im unklaren "Dunkelfeld" entsprechen, ist nicht bekannt.