Künstlerische Urkunden im Visier

Manfred Lange

Von Manfred Lange

Sa, 12. September 2020

Münstertal

Münstertäler Ehepaar Köhler 65 Jahren verheiratet/ Um das Sportschützenwesen verdient gemacht.

. Auf das seltene Ereignis einer Eisernen Hochzeit konnte jetzt in Münstertal das Ehepaar Gerhard und Anneliese Köhler, geborene Sprich, nach 65 Ehejahren zurückblicken. Dazu durfte das Jubelpaar aus den Händen von Bürgermeister Rüdiger Ahlers Glückwünsche und Präsente im Namen der Gemeinde, der Landrätin und des Ministerpräsidenten entgegennehmen – ergänzt durch zahlreiche Ehrenbekundungen aus dem privaten Bekannten- und Freundeskreis sowie des einheimischen Schützenvereins. Das Jubelpaar beging sein Fest im Kreise der Familie mit zwei Söhnen, vier Enkeln und fünf Urenkeln.

Nach dem zweiten Weltkrieg landete Gerhard Köhler mit Eltern und Geschwistern – vertrieben aus Riesengebirge und Tschechei – im Münstertal. Hier erlernte er ab 1950 beim einheimischen Malerbetrieb Groß das Malerhandwerk von der Pike auf. 16 Jahre war er in dieser Branche tätig, bevor er 1966 zum Betriebsmaler der Firma Gubor bestellt wurde und viele Jahre lang – bis zu seiner Freistellung als Betriebsratsvorsitzender – zuständig war für das tadellose Outfit der Innenräumlichkeiten und des umfangreichen Maschinenparks. Im Jahre 1955 heiratete er die einheimische Mitbürgerin Anneliese Sprich, die in jungen Jahren in der damaligen Stumpenfabrik im Wildsbach und in der jungen Guborfabrik im Hof beschäftigt war und mit der er nach der Heirat zwei Söhne bekam.

Maler wollte Gerhard Köhler eigentlich nie werden, zumindest nicht in seiner Jugendzeit. Damals träumte er vom Försterberuf, doch das Schicksal wollte es anders. Einen ersten Anstoß zur Kunstmalerei erhielt Gerhard Köhler schon in den 1950er und 1960er-Jahren durch seinen früheren Arbeitskollegen Walter Käufer, der seine Begabung beim Umgang mit Pinsel und Farbe wohl zuerst entdeckte. Es entstanden überwiegend Landschaftsmotive aus dem heimischen Raum.

Auf sein künstlerisches Talent aufmerksam wurden aber auch bald die Vereine des Tales, denn handgefertigte Ehrenurkunden konnte keiner besser gestalten als er. Davon profitierte zuallererst der Schützenverein Münstertal, der als Nachfolger der mittelalterlichen "Schitzen-Combanay" im Jahre 1958 wieder ins Leben gerufen wurde und dem Gerhard Köhler bereits zwei Jahre später im Alter von 26 Jahren als aktives Mitglied beitrat. Unzählbar sind die Urkunden, die er mit Zierschriften handgefertigt hat, und Dutzende von Königs- und Ehrenscheiben sind unter seinen begabten Händen entstanden. In Aquarell oder in Öl malt Gerhard Köhler ebenso gern wie mit der Tuschefeder – eine Fähigkeit, die er sich bei einem Schriftenkurs während der Lehrzeit erworben und längst zur Perfektion gebracht hat.

In seiner aktiven Schützenzeit erlebte Köhler nicht nur sämtliche Oberschützenmeister (OSM) des Vereins von Max Riesterer über Hermann Hofmann, Wilfried Raupp, Egon Dietsche bis zum heutigen Sebastian Bernauer, sondern auch den beschwerlichen jedoch steilen Aufstieg von den ersten bescheidenen Anfängen im damaligen alten Gasthaus "Kreuz" bis zum heutigen vereinseigenen Schützenhaus im Moos mit modernsten elektronischen Schießanlagen im LG- wie im KK-Bereich. Auf diesem Weg gehörte Gerhard Köhler mit zu den aktivsten Mitgliedern, nicht nur am Schießstand (als Vereinsmeister, Schützenkönig oder Pokalgewinner), sondern vor allem auch in den unterschiedlichsten Vorstandsämtern. Elf Jahre war er Stellvertretender Vorsitzender im Amt des Schützenmeisters. Kaum mehr zu zählen sind seine Jahre im Dienste und in der aktiven Förderung der Schützenjugend. Nach eigenen Worten hat Gerhard Köhler "der Umgang mit Jugendlichen schon immer große Freude bereitet". Längst gehört er dem Kreis der Ehrenmitglieder im Verein an. Auch seine beiden Söhne Hans-Jürgen und Michael sind ehrenamtlich in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und haben bis hinauf auf Bundesebene schon viele Titel, Urkunden und Pokale geholt.

Seit 2008 ist Köhler Träger der Landesehrennadel Baden-Württemberg. 2010 wurde ihm die Goldene Ehrennadel des Deutschen Schützenbundes verliehen. Der heute 88-jährige sieht sich rückblickend in einer Rolle, die der spanische Maler und Schriftsteller Salvador Dali (1904-1989) so beschrieben hat: "Das größte Übel der heutigen Jugend besteht darin, dass man nicht mehr dazu gehört."