Kulturgut

Der Wert einer eigenen Handschrift

Stephan Clauss

Von Stephan Clauss

Sa, 05. September 2015 um 00:02 Uhr

Kultur

Müssen Kinder heutzutage überhaupt noch Schreibschrift lernen – oder sollte man ihnen nicht viel eher beibringen, rasch und fehlerarm auf einer Tastatur zu tippen?

Am Anfang sind die Buchstaben ein Spiel. Und oft ist es der eigene Name, den Kinder damit zuerst formen wollen. Schon einem Vierjährigen ist es wie Zauberei, dass aus ein paar hingemalten Zeichen etwas wird, das einen vertrauten Klang und eine Bedeutung hat: Dieses Wort – das bin ja ich. Wie stolz sind die Kinder, wenn sie lesen und schreiben können! Auch Schriftsteller haben klein angefangen.

Niemand vermisst die Zeit des strengen Frontalunterrichts, wie man sie etwa im Schulmuseum in Friedrichshafen besichtigen kann. Mit Neugier und leichtem Schaudern gehen die Kleinfamilien durch die original möblierten Klassenzimmer von anno 1900 und 1930, Mütter wie Großväter klemmen sich in die engen Schulbänke und denken: Wie schön, dass es heute nicht mehr so hart zugeht wie unter Kaiser Wilhelm. Unsere Kids haben’s doch besser – ohne quietschende Griffel beim Schönschriftüben auf der Schiefertafel.

Gute Handschriften werden allerdings auch immer seltener. Doch wozu braucht der junge Mensch in den Zeiten der digitalen Revolution überhaupt noch Kenntnisse wie Handschrift, Kopfrechnen und Rechtschreibung? Was manche schon als überflüssigen Ballast abtun, verteidigen andere als unersetzbare Basis jeden Lernens, ja von Bildung überhaupt.

Schon seit Mai 2010 läuft durch Deutschlands Klassenzimmer eine kaum öffentlich gewordene "Experimentierwelle". Der Grundschulverband, der seinerzeit die mittlerweile gescheiterte "Vereinfachte Ausgangsschrift" durchsetzte, schlug den Bundesländern vor fünf Jahren die sogenannte Grundschrift als Ersatz vor. Auch die Lateinische ...

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