Kulturgeschichte des Christbaums: Einst hing er an der Decke

Günter Schenk

Von Günter Schenk

Mo, 24. Dezember 2012

Kultur

Eine kleine Kulturgeschichte des Christbaums: Die ersten Weihnachtsbäume standen im deutschen Südwesten.

Von heute Abend an ist er wieder Mittelpunkt in Millionen von Wohnstuben: Der Christbaum, wichtigstes Weihnachtssymbol, schmückt zwischen den Jahren jeden zweiten deutschen Haushalt mit grünen Zweigen. Trendforscher registrieren einen Hang zum Zweitbaum, sehen eine wachsende Lust unter jungen Familien, den eigenen Baum zu schmücken. Dabei ist der Brauch, zu Weihnachten einen Baum aufzustellen, erst im letzten Jahrhundert richtig Mode geworden.

Die Sitte, zum Jahreswechsel einen Baum aufzustellen, geht auf alte Vorstellungen zurück, nach denen immergrüne Pflanzen Lebenskraft verströmen. So glaubte man früher, wenn über dem Hauseingang ein grüner Zweig hänge, wäre er für Hexen und Dämonen versperrt. Der in der Natur verkörperte Lebenswille dokumentierte sich auch im vorweihnachtlichen Aufstellen eines Zweiges in der Wohnstube, den Wärme und Wasser zur Blüte bringen sollten. So pflückte man an den Namenstagen der Heiligen Andreas (30. November), Barbara (4.Dezember) oder Lucia (13.Dezember) gern einen Apfel- oder Kirschzweig, der dann rechtzeitig zu Weihnachten erblühte.
Noch häufiger holte man sich zum Christfest einen so genannten Wintermaien ins Haus, in der Regel einen immergrünen Fichten- oder Tannenzweig. Freiburg und Straßburg gelten als die ersten Hochburgen des Brauchs, der damals noch als wenig christlich angesehen wurde. Kirchenmänner wie der Prediger Geiler von Kaysersberg schimpften deshalb gern über die Leute, die zum Jahreswechsel "Danreiß in die Stuben legen". "Dannwedel und Mispelzweig" gehörten Anfang des 16. Jahrhunderts in vielen Häusern zur weihnachtlichen Grundausstattung, so dass der Freiburger Bürgermeister damals meinte, dass sich "die ußbildung dieser Sitte zu einem bruch" nicht mehr stoppen lasse.
Früchte der
Versuchung
Mit der Zeit wurden aus den Zweigen ganze Bäume, die in den stadtnahen Wäldern zum Ärger der Förster geschlagen ...

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