Der Faktor Zeit in der Kunst

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 16. Juli 2019

Kunst

Fondation Beyeler zeigt ihre Sammlung in einer neuen Präsentation.

Eine neue Sammlungsausstellung in der Fondation Beyeler begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Die von Direktor Sam Keller in Anlehnung an Ridley Scotts Filmklassiker "Blade Runner" unter dem Titel "Lost in time, like tears in rain" kuratierte Ausstellung erstreckt sich über das halbe Museum und umfasst rund 100 zwischen 1883/84 und 2018 entstandene Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen – berühmte Meisterwerke, Raritäten, wertvolle Leihgaben der Daros Collection und privater Sammlungen sowie Neuerwerbungen, die erstmals präsentiert werden.

Welche Beziehungen bestehen zwischen der Zeit und der Kunst? Kann Letztere zeitlos sein? Sind Kunstwerke Zeitzeugen oder gar -maschinen? Haben Kunstwerke eine Lebenszeit? Was sagt die Kunst unserer Zeit über unser Verhältnis zur Zeit aus? Diese und ähnliche Fragen haben die Auswahl für die Präsentation laut einer Mitteilung bestimmt. Mit bahnbrechenden Erkenntnissen wie Einsteins Relativitätstheorie veränderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Verständnis von und das Verhältnis zur Zeit. Auch die moderne Kunst widmete sich dem Thema eingehend, hier wurde die Zeit ein zentraler Faktor. Futurismus, Kubismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Surrealismus und andere Kunstbewegungen erkundeten neue Formen und Medien, die die Beziehung von Mensch und Kunst zur Zeit neu definierten.

Dabei beschäftigte das Verhältnis von Mensch und Kunst zur Zeit auch schon die Antike, wie das lateinische Sprichwort "Vita brevis, ars longa" (Das Leben ist kurz, lang[lebig] die Kunst) zeigt. Der französische Schriftsteller Marcel Proust postulierte in seinem Roman "Auf der Suche der verlorenen Zeit" gar, dass das Kunstwerk das einzige Mittel sei, die verlorene Zeit wiederzufinden. Der Titel der Ausstellung findet nicht zuletzt auch Widerhall in Alberto Giacomettis schreitendem Mann im Regen oder Roy Lichtensteins versteinertem Mädchen mit Träne. Was bleibt von den Erlebnissen und Erinnerungen unseres Lebens? Gehen sie verloren in der Zeit wie Tränen im Regen oder enden sie als Kunst?

Sammlungsausstellung: Fondation Beyeler Riehen, Mo bis So 10 bis 18 Uhr, Mi bis 20 Uhr, bis 2. September.