Baden-Württemberg

Land stärkt Kooperation der Unikliniken mit 120 Millionen Euro

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mi, 13. Januar 2021 um 09:25 Uhr

Südwest

Die Universitätskliniken im Südwesten sollen global konkurrenzfähig werden: Deshalb finanziert die Landesregierung einen Innovationscampus und fördert die Zusammenarbeit.

Klasse durch Masse: Mit landesweiter Kooperation und einem "Innovationscampus" im Rhein-Neckar-Raum will die Regierung Baden-Württembergs Hochschulmedizin international ganz nach vorn bringen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer stellte die 120 Millionen Euro schwere Initiative am Dienstag vor.

"Wir sind nun mal im internationalen Vergleich doch mit relativ kleinen Einheiten unterwegs", sagte Bauer (Grüne) vor Journalisten in Stuttgart. Im Bereich der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz gehe es aber um kritische Masse: "Wir müssen Mengen zusammenbringen!" Man wolle sich nicht mit dem Uniklinikum Kaiserslautern messen, sondern mit Boston oder Paris, machte die Ministerin deutlich. "Wir wollen mit der Konstruktion, die wir hier voranbringen, durchaus auch mit den stärksten Einheiten weltweit konkurrieren."

Unikliniken systematisch vernetzen

Die medizinischen Fakultäten des Landes sollen deshalb gemeinsam mit den vier Unikliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm nicht mehr nur punktuell zusammenarbeiten, sondern systematisch vernetzt werden – in Gesundheitsversorgung, Forschung und Lehre sowie als Innovationsgeber für die Wirtschaft. Schwerpunktthemen sind Digitalisierung, die Analyse großer Datenmengen, Vorbeugung und der Weg von Forschungsergebnissen in die Anwendung.

Das Wissenschaftsministerium soll dazu bis Ende Februar einen Kooperationsverbund als eingetragenen Verein auf den Weg bringen. Er soll Projektanträge bewerten und darauf achten, dass alle Einrichtungen angemessen beteiligt werden. Bis einschließlich 2024 möchte das Land 80 Millionen Euro für das Projekt aufbringen. Eine erste Tranche von 42 Millionen Euro gab das Kabinett am Dienstag aus Mitteln des Nachtragshaushaltes frei.

Potenziale der Hochschulmedizin erschließen

"Die Corona-Pandemie hat die überragende Bedeutung der Hochschulmedizin für die Krisenreaktion, die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung und die Entwicklung innovativer Ansätze im Land eindrucksvoll unter Beweis gestellt", heißt es in der Kabinettsvorlage, die unserer Zeitung vorliegt. "Diese in der Pandemie gewachsene Kooperationsfähigkeit ist eine Chance, die Potenziale einer stärkeren Hochschulmedizin für das Land als Ganzes zu erschließen."

"Wir begrüßen den Kooperationsverbund Hochschulmedizin", sagte die kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Freiburg, Anja Simon. "Die Universitätskliniken müssen sich in Zukunft besser vernetzten, um Ressourcen noch besser einzusetzen und den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg weiter auszubauen." Der leitende ärztliche Direktor Frederik Wenz ergänzte: "Die Digitalisierung bietet hierzu aktuell vielversprechende Potentiale." Gerade in der Medizin schaffe sie ungeahnte neue Möglichkeiten für Krankenversorgung, Forschung und Lehre. "Mit unserer vertieften Kooperation können wir diese Potenziale optimal nutzen und uns im internationalen Wettbewerb bestmöglich positionieren", so Wenz.

Forschungsergebnisse schnell in Produkte umsetzen

Die vier Universitätskliniken hatten im Auftrag der Landesregierung im Frühjahr eine der bis dahin weltweit größten Studien zu Corona bei Kindern erstellt. Auch bei der Patientenversorgung und in der Impfstrategie des Landes spielen sie eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt gehe es darum, Forschungsergebnisse schnell in Produkte umzusetzen, "wie wir es jetzt in hervorragender Weise bei den Impfstoffen gesehen haben", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). "Allerdings hatte ich die Idee schon vorher."

Zusätzlich zu dem Kooperationsverbund beschloss der Ministerrat für die Region Rhein-Neckar einen "Innovationscampus" im Bereich Lebenswissenschaften und Gesundheitswirtschaft. Dahinter stehe derselbe Gedanke wie beim Innovationscampus Cyber Valley zwischen Stuttgart und Tübingen, sagte Bauer: Forschung und Wirtschaft, Stiftungen und Gründerkultur zusammenzubringen.

Dichte an exzellenten Einrichtungen

Die Region Rhein-Neckar verfüge neben der Uni und Kliniken über das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, das Deutsche Krebsforschungszentrum, das nationale Tumorzentrum, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie und das Zentrum für seelische Gesundheit – "also eine Dichte an exzellenten Einrichtungen gepaart mit einer Stärke und Dichte an Unternehmen in der Region, beispielsweise SAP, Roche oder die Siemens-Tochter Healthineers".

Auch dieses Projekt ist bis 2024 angelegt; es soll insgesamt 40 Millionen Euro kosten. Für 2021 und 2022 hat der Ministerrat 18 Millionen Euro aus dem Nachtragshaushalt bewilligt.