7-Tage-Inzidenz

Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald überschreitet Corona-Warnwert von 35

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 16. Oktober 2020 um 19:29 Uhr

Südwest

Nach Freiburg erreicht nun auch der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald den Warnwert von 35. Am Freitagabend lag er bei 38,7 Fälle je 100.000 Einwohner. Ab Samstag sollen strengere Corona-Regeln gelten.

In einer Videobotschaft richtete sich Landrätin Dorothea Störr-Ritter an die Bürger des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald: "Die zweite Covid-19-Welle hat uns nicht überrascht. Überrascht hat uns allerdings die Wucht und die Dynamik, mit der diese Welle inzwischen auf uns zugerollt ist." Am Freitag überschritt der Landkreis die erste rote Linie. Das Landesgesundheitsamt meldete am Abend 38,7 Fälle je 100.000 Einwohner und Woche – die Zahl liegt damit über dem Warnwert von 35 Fällen.

Ab Samstag sollen darum verschärfte Corona-Regeln im Landkreis gelten. Diese sollen sich an denen der Stadt Freiburg orientieren. Freiburg hatte einen Tag vorher den Warnwert erreicht. "Das Ganze wird sich nur in unwesentlichen Teilen unterscheiden", sagt der Pressesprecher des Landratsamtes Matthias Fetterer.

Corona-Regeln ähnlich wie in Freiburg

In Freiburg gilt seit Freitag die Mund-Nasen-Bedeckungspflicht auf dem Münstermarkt, den Wochenmärkten und bei öffentlichen Veranstaltungen. Masken müssen auch in Kinos und Theatern getragen werden. Die Teilnehmerzahl bei privaten Feierlichkeiten in öffentlichen Räumen wurde auf 25 beschränkt, im privaten Raum auf 15. Das Spiel des SC Freiburg findet ohne Zuschauer statt.

Normalerweise müssten alle 50 Städte und Gemeinden im Landkreis eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. "Weil aber Gefahr im Verzug ist, wird das der Landkreis für alle übernehmen", sagte Fetterer auf BZ-Nachfrage. Die Regeln sollen am Samstag angeordnet werden. Im Hinblick auf das Wochenende werden zur Kontaktverfolgung von Infizierten im Gesundheitsamt zusätzliche Kräfte zusammengezogen, heißt es aus dem Landratsamt.

Landrätin rechnet mit weiter steigenden Infektionszahlen

Die Landrätin rechnet mit steigenden Infektionszahlen und damit, dass der Landkreis und die Stadt Freiburg auch den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschreiten werden.

Im benachbarten Schwarzwald-Baar-Kreis ist dies bereits geschehen. Dort liegt die 7-Tage -Inzidenz am Freitagabend bei 61,2. Entsprechend sind die Regeln restriktiver. Dort gilt beispielsweise in Gastronomiebetrieben eine Sperrstunde ab 23 Uhr. Bei Feierlichkeiten in öffentlichen oder angemieteten Räumen dürfen nur noch zehn Personen anwesend sein. In privaten Räumen dürfen auch nur noch zehn Menschen aus maximal zwei Hausständen feiern.

Störr-Ritter fordert Gemeinden zu mehr Kontrollen auf

Die Landrätin forderte in ihrer Videobotschaft die Gemeinden im Landkreis auf, Corona-Schutzmaßnahmen stärker zu kontrollieren: "Leider können wir nur über Kontrollen die Infizierungsketten etwas im Zaum halten." Das benachbarte Frankreich wurde zum Risikogebiet erklärt, allerdings seien Grenzschließungen nicht angedacht, wie die Landrätin am Freitagnachmittag bekräftigte. Franzosen werden die Möglichkeit bekommen, für 24 Stunden nach Deutschland einzureisen ohne Quarantäne-Auflagen und ohne Vorlage eines negativen Corona-Tests. Für Pendler seien Ausnahmen vorgesehen.

Wer glaube, er sei stärker als die Krankheit Covid-19, werde sich täuschen. Wenn man die Pandemie nicht in den Griff bekomme, wie zu Beginn des Jahres, würden die Folgen von "einer ganz anderen Größenordnung sein, an die wir noch gar nicht denken", so Störr-Ritter. Sie appellierte an alle Bürger, sich und andere zu schützen. "Es wird Herbst und wir bewegen uns bereits auf sehr dünnem Eis."
Zuversicht am Feldberg

Sollten die Corona-Regeln am Samstag im ganzen Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald verschärft werden, sind davon auch Gemeinden betroffen, die bisher fast keinen Corona-Fall hatten. So etwa die Gemeinde Feldberg. Der dortige Bürgermeister Johannes Albrecht fühlt sich aber nicht in Sippenhaft genommen, sollten jetzt Feiern beschränkt und die Maskenpflicht ausgeweitet werden. Ganz im Gegenteil. "Unser wichtigstes Thema ist Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit für unsere Bewohner und unsere Gäste", so Albrecht. Nachlässigkeiten könne man sich als Fremdenverkehrsort im Hinblick auf den Tourismus und die nahende Wintersaison nicht leisten. Albrecht sieht es als Erfolg an, dass die Gemeinde bisher so wenige Corona-Infektionen hatte – und das solle auch so bleiben. Im Sommer konnte man am Feldberg erleben, wie Tourismus in Zeiten der Pandemie funktionieren kann, sagt Albrecht. Diesbezüglich habe man einen wichtigen Erfahrungsvorsprung im Vergleich zu reinen Skiorten, die Touristen nur im Winter begrüßen.