Coronakrise

Landwirte aus Freiburg-Opfingen starten Lieferservice für Agrarprodukte

Thomas Jäger

Von Thomas Jäger

Mo, 23. März 2020 um 16:26 Uhr

Opfingen

Wer rund um Opfingen wohnt, kann jetzt Obst, Gemüse und mehr aus dem Freiburger Ortsteil online bestellen. Möglich macht es eine Initiative in Kooperation mit dem Opfinger Gasthaus Blume.

Seit gestern können die Menschen rund um Opfingen auf einen neuen Bring-Service für regionale landwirtschaftliche Produkte zugreifen. Mit dabei sind nach Angaben der Organisatoren zum Start 13 Betriebe. Geliefert wird in Kooperation mit dem Opfinger Gasthaus Blume, das schon länger einen Essens-Abholdienst hat. Rund um den Start des neuen Regio-Online-Shops gab es allerdings noch ein paar Kinderkrankheiten.

Abhol-App des Gasthaus Blume wurde umfunktioniert

"Besondere Ereignisse erfordern besondere Lösungen", schreibt der unter anderem als Journalist tätige Matthias Reinbold, der zusammen mit der Biolandwirtin Katharina Mensch vom "Natur- und Erlebnishof Opfingen" und dem Opfinger Landwirt Erwin Wagner (bekannt durch sein jährliches Mais-Labyrinth) zu den Initiatoren des neuen Angebots gehört. Getragen wird es vom neuen Zusammenschluss "Landwertschaft am Tuniberg" (das "e" statt "i" in "Landwertschaft" ist Absicht), umgesetzt zunächst zusammen mit dem Gasthaus Blume. Dessen Chef Sascha Halweg hat dafür seine Abhol-App für Essensbestellungen entsprechend umprogrammiert. "Landwertschaft" will den Bring-Service für regionale Agrarprodukte auch koppeln mit einer landwirtschaftlichen Jobbörse: Dort können sich Menschen melden, die in den kommenden Wochen die Höfe und Betriebe beim Einbringen der Ernte unterstützen oder am Fahrdienst für den Bring-Service teilnehmen möchten.

Alle Akteure dieser besonderen Form von "Bürgerbeteiligung" für die Landwirtschaft sehen sich seit Jahren eng mit dem Thema Regionalität und Landwirtschaft verbunden, Reinbold etwa als Organisator der Stegener "Milchtage".

Wer bis 18 Uhr bestellt, soll am Folgetag beliefert werden

Zur Start-Gruppe der 13 Anbieter gehören mehrere Tuniberger Bauernhöfe, die teils einen eigenen Hofladen haben, und Winzer, aber zum Beispiel auch die kleine Waltershofener Bäckerei Napolitano, die Imkerei Eilers und die Metzgerei Gerteiser aus dem nicht wirklich zum Tuniberg gehörenden Sölden. Reinbold: "Wir nehmen noch weitere Lieferanten, wenn die Produkte nicht am Tuniberg erhältlich sind, wie etwa Käse oder Eier derzeit." Angeboten werden sollen unter anderem Obst und Gemüse, Kartoffeln, Brot, Fleischwaren, Honig, Säfte, Wein und Spirituosen sowie bereits Spargel. Wer bis 18 Uhr bestellt hat, soll am Folgetag (außer sonntags) beliefert werden – zunächst in einem Umkreis von etwa zwölf Kilometern rund um Opfingen. Mindestbestellwert sind 25 Euro, dafür gibt es keine Liefergebühren – allerdings wird man im Zug des Bestellvorgangs ausdrücklich gefragt, ob man Trinkgeld geben möchte.

Ein erster BZ-Test am Sonntagabend nach Eingang der ersten Pressemitteilung führte noch auf eine Beta-Version der Bestellseite mit einigen amüsanten Preisen (siehe Screenshots links). Doch keine Angst: Der neue Sehnsuchts-Artikel Mehl kostet nicht wirklich 1000 Euro pro Kilo, allerdings gibt es auch keinen Spargel für 1 Euro pro Pfund.

"Die App ist eigentlich nur fürs Abholen gedacht, das können wir nicht ändern. Wir improvisieren halt." Sascha Halweg, Blume Opfingen
Am vergleichsweise einfachsten geht die Bestellung von der Internetseite blume-freiburg.de/hofladen aus. Die Seite www.landwertschaft-tuniberg.de ist heute noch mit einer veralteten Bestellseite verlinkt. Auch von der Hofladen-Seite sind einige weitere Klicks nötig, bis man das erste Produkt in den virtuellen Einkaufswagen legen kann. Zudem muss man "Abholung" anklicken, obwohl man auf jeden Fall beliefert wird. Blume-Inhaber Sascha Halweg: "Die App ist eigentlich nur fürs Abholen gedacht, das können wir nicht ändern. Wir improvisieren halt." Jeder Besteller erhalte eine Rückmeldung. Bestellungen sind auch telefonisch möglich. Bezahlt wird online mit Kreditkarte oder Paypal. Initiatorin Katharina Mensch arbeitet aber schon am Umzug auf den eigenen Webshop www.regional-bringts.de.

Pläne gibt es auch schon für die Zeit nach der Coronavirus-Krise

Am Montag um 15 Uhr waren vier der 13 angekündigten Lieferanten anklickbar (Metzgerei Gerteiser, Walters Hofladen, Backwaren Napolitano und Flurbachers Hofladen). Ein Pfund Bauernbrot zum Beispiel kostet 1,70 Euro, zehn Eier aus Bodenhaltung 3 Euro, zwei Kilo Braeburn-Äpfel 3 Euro, ein Liter Müller-Thurgau 4,50 Euro und 100 Gramm Schweinebraten 1,10 Euro.

Pläne gibt es auch schon für die Zeit nach der Coronavirus-Krise: Für Sonntag, 6. September, ist in Opfingen ein erster "Tag der Landwertschaft" mit offenen Höfen geplant.
Bestellungen über die Internet-Adressen blume-freiburg.de/hofladen oder www.landwertschaft-tuniberg.de (dort auch Infos zur landwirtschaftlichen Jobbörse) sowie unter Tel. 07664/6123889.

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