Laufen war einmal

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 19. November 2016

Neues für Kinder

Die Zeiten, in denen Fahrräder noch aus Holz waren, sind längst vorbei / 200 Jahre Fahrradgeschichte.

Fast jedes Kind in Deutschland hat ein Fahrrad, und viele Erwachsene auch. Doch die sind oft faul und nehmen lieber das Auto. Trotzdem: In Deutschland gibt es mehr Fahrräder als Autos. In Zahlen: 72 Millionen Fahrräder und 45 Millionen Autos.

Dass das Fahrrad mal so beliebt werden würde, hätte sein Erfinder nie gedacht. Der hieß Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn und wurde 1785 in Karlsruhe geboren. Drais war gerade 30 Jahre alt, als im fernen Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen ist. Das war so heftig, dass die Staubteilchen sich auf der ganzen Erde in der Luft verteilten. Die Sonne kam nicht mehr richtig durch, und das Getreide auf den Feldern konnte nicht mehr wachsen. Es gab keinen Hafer mehr für die Pferde, die Tiere hatten also keine Kraft mehr, einen Wagen zu ziehen. Ein neues Fahrzeug musste her! Eines ohne Tier.

Drais erfand darum das Zweiradprinzip: Zwei Räder hintereinander, gelenkt wurde am Vorderrad. Pedale gab es noch nicht, der Fahrer schob sich mit den Füßen voran. Dieses Ur-Fahrrad, das aus Holz war, hieß Draisine. Karl Drais "fuhr" damit am 12. Juni 1817, also vor fast 200 Jahren, von Mannheim nach Schwetzingen und zurück – für die 14 Kilometer brauchte er fast eine Stunde. Die Draisine war teuer und unbequem – die Straßen damals waren holprig. Die ersten Fahrräder hatten also nur wenige Fans. Dann, 50 Jahre später, bekam das Rad Pedale und wurde 1867 auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt – und plötzlich berühmt. Sehr beliebt waren die sogenannten Hochräder. Dabei wurde das Vorderrad so groß wie möglich gemacht. Der Vorteil: Wenn man einmal in die Pedale trat, kam man richtig weit vorwärts. Allerdings waren diese Hochräder auch sehr gefährlich, es gab viele Unfälle. Und die Straßen waren noch immer nicht besser. Deswegen nannten die Menschen damals die Räder auch Knochenschüttler.

Deutlich bequemer wurde das Fahrrad, als die Luftreifen erfunden wurden, und beide Räder wieder gleich groß waren. Langsam wurde das Zweirad auch billiger. Das Rad war kein Luxus mehr, sondern ein Alltagsgegenstand.

Das Auto allerdings verdrängte das Fahrrad wieder: Menschen, die Geld hatten, kauften sich lieber ein Fahrzeug mit Motor, das schien bequemer. Doch irgendwann haben dann die meisten erkannt, dass ein Fahrrad oft viel praktischer ist als ein Auto. Man ist damit schnell unterwegs, es hält fit, und man findet immer einen Parkplatz. Heute gibt es viele unterschiedliche Fahrräder: Rennräder und Mountainbikes, schnelle Sporträder und gemütliche Ausflugsräder. Aber alle haben eins gemeinsam: Sie stammen vom Ur-Fahrrad ab, das Karl Drais vor 200 Jahren erfunden hat. Wir sagen heute schon: Happy Birthday!