Landflucht

Leere Schaufenster prägen das Stadtbild von Zell im Wiesental

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

Fr, 15. März 2019 um 08:00 Uhr

Zell im Wiesental

Damit die Innenstadt attraktiver und belebter wird, holt sich die Stadt Zell ein Beratungsbüro an ihre Seite. Aktuell steht jedes fünfte Geschäft leer. Dabei hat die Stadt durchaus Potential.

Damit die Innenstadt attraktiver und belebter wird, holt sich die Stadt Zell ein Beratungsbüro an ihre Seite. In einer Sondersitzung am Mittwoch hatte der Gemeinderat zwischen zwei Bewerbern zu entscheiden, die ihre Konzepte vorstellten.

Der Sitzung vorausgegangen war ein anderthalbstündiger Rundgang durch Zells Innenstadt, sagte Bürgermeister Peter Palme, der Christine Ecker und Nico Fieß von der Agentur Gruppe Drei aus Villingen-Schwenningen und Peter Markert von der Firma Imakomm Akademie aus Aalen herumgeführt hatte. In der Gemeinderatssitzung hatten die beiden Bewerber dann jeweils 20 Minuten Zeit, ihre Ideen den Räten zu präsentieren und im Anschluss Fragen zu beantworten. In vielem waren sich die beiden Berater einig, mit ihren Fragen konnten die Räte dann aber doch noch kleine Unterschiede ausmachen.

Herausforderungen:

Wie viele andere Städte dieser Größenordnung habe Zell mit leerstehenden Geschäften zu kämpfen. Leere Schaufenster seien wenig attraktiv, betonte Peter Markert. Mit einem Anteil von 20 Prozent liege die Stadt Zell zudem über dem Durchschnitt. Die Stadt müsse etwa über Zwischennutzer nachdenken. "Alles ist besser als abgehängte Schaufenster", betonte auch Nico Fieß. Eine kurzfristige Umnutzung, wie etwa durch örtliche Kulturschaffende oder Vereine, könnte da schon eine Verbesserung bringen. Von beiden Beratern wurde auch der Pflegezustand der Immobilien moniert. Für das Stadtbild und die Aufenthaltsqualität sei dies von Nachteil. Für die Hauseigentümer müssten etwa Anreize geschaffen werden, ihre Immobilien in gutem Zustand zu halten.

Potenziale:

Die Voraussetzungen der Stadt Zell seien gut, hier könne man vieles bewegen, waren sich beide Firmen einig. Die gute Gastronomie in Zell und in den Ortsteilen würde bereits jetzt viele Auswärtige herziehen und sei ein Pluspunkt. Auch die Einpendler, laut Markert etwa 1000 pro Tag, und die Schüler, etwa 1100 pro Tag, hätten Potenzial. Für diese müssten Anreize geschaffen werden, in die Innenstadt zu kommen und nicht nach der Arbeit oder Schule gleich wieder zu verschwinden, sagte Nico Fieß. Auch die Erreichbarkeit durch die gute S-Bahn-Anbindung sei gegeben, jetzt müssten nur noch Gründe geschaffen werden, ins Zeller Zentrum zu kommen.

Vorgehensweise:

Markert sprach von einem "atmenden Prozess", ein reines Gutachten seiner Firma sei nicht zielführen, ein "ganz breiter Diskurs" bringe allerdings auch nichts. Seine Firma würde zunächst Analyse betreiben und Lösungsansätze herausarbeiten, an diesen könnte dann in Projektgruppe mit Vertretern der einzelnen Interessensgruppen weiter gearbeitet werden. Fieß wiederum sprach von Analysen sowie Gesprächen in kleinen und auch größeren Gruppen mit bis zu 120 Personen. Die Bedenken von Hauptamtsleiter Karlheinz Keller, dass die Arbeit in solch großen Gruppen in ein Wunschkonzert ausufern könne, teilte er nicht. Die Firma habe hierfür eigene Methoden entwickelt und sei geschult.

Stellungnahme der Gemeinderäte:

Andrea Kummle (Freie Wähler) und Claudia Dolzer (SPD) betonten, dass das Stadtmarketingkonzept die Gemeinde viel Geld koste und die Handlungsempfehlungen am Ende auch umgesetzt werden müssten. Doch dazu brauche es weiteres Geld und Personal, dies müsse im Haushalt eingeplant werden. Da der Preis nicht das alleinige Kriterium für die Auswahl war, wurde dieser übrigens nicht öffentlich genannt. Auf ihre Frage, mit welchen Kosten die Gemeinde bei der Umsetzung der Maßnahmen rechnen müsse, bekam Kummle von beiden Bewerbern keine konkrete Antwort. Kurz- und mittelfristige Lösungen würden nur geringe Ausgaben hervorrufen, für langfristige Maßnahmen müsse dann aber etwas Geld in die Hand genommen werden. Die Höhe der Summe würde sich erst im Prozess herausstellen. Thomas Schmidt (CDU) betonte, dass man von Anfang an Prioritäten setzen müsse, um Erfolge zu erzielen.

Ergebnis:

In geheimer Abstimmung mit Stimmzetteln entschied sich der Gemeinderat mit "großer Mehrheit", so Bürgermeister Palme, für die Firma aus Aalen. Bis Ende September sollen die Gespräche mit den Händlern und anderen Beteiligten vor Ort geführt sein, bis November möchte die Firma erste Lösungsansätze im Gemeinderat präsentieren, bis Mitte Dezember sollte das Stadtmarketingskonzept dann stehen.