Leserbrief: Das ist eine 5-MW-Mogelpackung

Hellmut Lischer (Grenzach-Wyhlen)

Von Hellmut Lischer (Grenzach-Wyhlen)

Di, 08. November 2022

Grenzach-Wyhlen

WASSERSTOFFANLAGE
Zu den Artikeln "Regenerative Energie", BZ vom 22. Oktober, und "Ernst, aber nicht hoffnungslos", BZ vom 24. Oktober
Der Auftrag zum Bau der 5-MW-Wasserstoffanlage am Wyhlener Wasserkraftwerk ist erteilt, mit unserem grünen Wasserstoff wollen wir die Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohle weiter senken, verkündet die Pressestelle von ED. Von 2025 an soll dieser am Altrhein produziert werden, bei 6000 Betriebsstunden jährlich immerhin mit einem Stromverbrauch, der dem Bedarf von etwa 12 000 Haushalten (also zwei Mal Grenzach-Wyhlen!) oder fast der gesamten Jahreserzeugung der fünf Gersbacher Windräder entspricht. Das Reallabor H2-Wyhlen, hoch gefördert, ein Leuchtturmprojekt, ein Grund zum Feiern?

Zwei Tage später beschreibt Vorstand Jörg Reichert der Energiedienst AG die Stromlage als angespannt und massiv erschwert. Die Energiegewinnung über Wasserkraft sei anfällig geworden, geringe Wasserführung führe zu 30 bis 40 Prozent Stromverlust, die Situation in der Schweiz sei noch kritischer, es wird dort eine Winterstromlücke befürchtet und die Schweiz muss mehr Strom importieren. Rund dreiviertel der Gesamtmenge Strom in Deutschland werden aus Kohle, Öl und Gas erzeugt und bei Bedarf zugeschaltet. Nur 25 Prozent werden schadstofffrei erzeugt, die teuren Gaskraftwerke bestimmen den Marktpreis, sagt Herr Reichert. Hallo, habe ich da etwas falsch verstanden?

Im Klartext bedeutet das doch, dass der zur H2-Erzeugung eingesetzte grüne Wasserkraftstrom im Gesamtmarkt fehlt und durch fossilen Strom ersetzt werden muss. Zumindest dann und solange, als regenerativer Strom nicht im Überschuss vorliegt. Dabei ist die Erzeugung von H2 aus Strom auch noch mit signifikanten Umwandlungsverlusten verbunden, in einem Brennstoffzellenfahrzeug kommen noch zum Beispiel etwa 30 Prozent der ursprünglichen Energie auf die Straße. Mit Batterien immerhin circa 85 Prozent.

Grüner Wasserstoff in Wyhlen, ein Marketing-Märchen, hoch subventioniert, Greenwashing at it’s best. Wenn schon Pilotanlagen zur Entwicklung von H2 -Technologien, dann bitte in Regionen mit häufig überschüssigem und dann abgeregeltem Windstrom, aber nicht mit regenerativem Grundlast-Wasserkraftstrom in Süddeutschland. Denn der fehlt im Netz und wird durch Gas und Kohle ersetzt, dazu noch zu wesentlich höheren Kosten. Und übrigens, ThyssenKrupp baut in Saudi Arabien eine 2000-MW-H2-Anlage, bestehend aus 100 Modulen zu je 20 MW, existierende Technologie. Ach so, wir schalten ja demnächst noch zwei AKW im Süden ab, dann haben wir noch mehr Strom übrig. Macht doch alles Sinn, oder?Hellmut Lischer, Grenzach-Wyhlen