Reisen

Mit der Reise ins Risikogebiet nimmt man die Gefahr einer Ansteckung in Kauf

Thomas Honold

Von Thomas Honold (Kandern)

Sa, 22. August 2020

Leserbriefe

Zu: "Ruf nach Reiseverboten", Agenturbeitrag (Politik, 8. August)
Die persönliche Freiheit des Einzelnen kann und muss so weit gehen, bis sie die Freiheit der Mitmenschen einschränkt. Das mag vielen Menschen in unserer immer individualistischeren Gesellschaft nicht passen, sie wollen so leben, wie sie es für richtig halten. In unserer Gesellschaft gibt es verstärkt Menschen, deren "Weitblick" nur bis zur eigenen Fußspitze reicht. Sie sehen nur sich und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche. In diesem Zusammenhang argumentieren sie, dass das Tragen eine Alltagsmaske ein Zeichen von Angst sei.

Nein, das Tragen der Alltagsmaske ist ein Zeichen von Respekt und Achtung gegenüber den Mitmenschen. Es bringt zum Ausdruck: "Ich tue alles, damit ich mein Gegenüber nicht anstecke und ihn so nicht seiner (gesundheitlichen) Freiheit beraube". Das ist keine kollektive Panik, sonder tiefster Ausdruck von sozialer Verantwortung und Rücksichtnahme. Auch wenn diese Begriffe nicht mehr in die Zeit passen, sind sie doch die Basis unserer Gesellschaft. Einschränkung der Reisefreiheit – wie bereits bei Bürgern aus den Kreisen Warendorf und Coesfeld in Nordrhein-Westfalen – sind bedauerlich, aber sie dürfen niemals so weit gehen, dass es zu Reiseverboten kommt.

Dieses Denken und Handeln hatte ich mit dem Fall der Mauer als beendet gesehen. Denn heute ist es Corona, morgen ist es wer weiß was. Aber eines sollte klar sein und sollte auch entsprechend geregelt werden: Jeder hat die Freiheit, in ein Risikogebiet zu reisen. Mit der Reise nimmt er aber auch die Gefahren in Kauf, die in einem solchen Gebiet herrschen, und sollte die Folgen bei seiner Rückkehr tragen. Reisende aus Risikogebiete sollten solange in Quarantäne, bis klar ist, dass sie kein Träger der Krankheit sind. Das heißt: zwei Wochen in Quarantäne oder eine frühzeitige Beendigung der Quarantäne durch selbst finanzierte Tests.

Thomas Honold, Kandern