Leserbriefe

Helmut Schönberger, Lahr

Von Helmut Schönberger & Lahr

Di, 17. November 2020

Ettenheim

UNFÄLLE
Veränderung beginnt im Kopf
Zum Bericht über Simone Eichner-Eller aus Oberschopfheim, die vor zehn Jahren Opfer eines schweren Verkehrsunfalls in Lahr-Sulz war ("Ich muss weiterleben!"/BZ vom 14. November, Seite 3) schreibt ein BZ-Leser.r
Danke für den Bericht! Unfälle müssen mehr ins Bewusstsein gerückt werden, wenn die Vision Zero – null Verkehrstote – , die auch vom CDU-Innenminister Thomas Strobl propagiert wird, ernst gemeint ist. Für das öffentliche Bewusstsein gehören die viel zu vielen Unfälle zum mörderischen System Straßenverkehr. Es wird deshalb nicht in Frage gestellt. Alles wird ihm untergeordnet, es ist längst außer Kontrolle. Denn wenn von 100 Bürgern 60 ein Auto haben, ist klar, was die Mehrheit will. Oder wurden wir dazu gezwungen? Von Stadtplanern vielleicht, den Agenten der Autoindustrie?

Warum wird die Erlaubnis zum Führen eines gefährlichen Fahrzeuges, wie es ein Auto ist, nicht laufend überprüft, auch die persönliche Eignung? Warum werden Fahrzeuge zugelassen, die ein derart zerstörerisches Potential an Motorleistung und Masse haben, das mit dem Beförderungszweck nichts mehr zu tun hat? Warum wird unser Lebensraum mit immer neuen Straßen zugepflastert, jetzt mit einer B3 neu? Veränderung beginnt im Kopf. Ich will, dass darüber nachgedacht wird. Und deswegen sind Unfallberichte wichtig.

NEUE KREISSTRASSE
Kontraproduktiv im Hinblick auf Klimaziele
Zur geplanten neuen Kreisstraße von Ringsheim nach Lahr (die Badische Zeitung berichtete mehrfach) sind zwei Leserbriefe eingegangen – der eine Pro, der andere Contra.
Es ist immer leicht, Anderen unlautere Absichten zu unterstellen, wenn neben ökologischen Argumenten möglicherweise eigene Interessen verbunden sind. Mehrere Punkte dürften unstrittig sein:
» Die neue Kreisstraße ist definitiv kontraproduktiv im Hinblick auf die für die Erreichung der Klimaziele notwendige Verkehrswende, für die wir auf eine Reduktion des motorisierten Straßenverkehrs um mehrere zehn Prozent hinwirken.
Wenn wir diese Reduktion erreichen, ist die für die Gesundheit der Kippenheimer unstrittige notwendige Entlastung erreicht.
Diese Reduktion können wir erreichen, ohne die Mobilität einzuschränken, wenn wir den Verkehr auf effizientere Verkehrsarten verlagern. Das betrifft auch den Platz: Eine einzelne Person im Pkw benötigt im fließenden Verkehr verschwenderische 35 Quadratmeter. Ein gut besetzter Linienbus benötigt mit ein bis zwei Quadratmetern sogar noch weniger Raum als ein Mensch auf einem Fahrrad. Schon das zeigt das Stau-Reduktionspotenzial.

Bei der hohen derzeitigen Verkehrsdichte auf der B3 in Kippenheim ist eine Verlagerung auf den Busverkehr auf jeden Fall technisch möglich. Daher sollte das oberste Ziel der Verkehrsplanung sein, genau diese Verlagerung auf den ÖPNV zu fördern. Die Pläne für einen Stundentakt zwischen Lahr und Rust sind gut, aber reichen nicht aus. Das alles kostet in den Anfangsjahren mehr als eine neue Kreisstraße, führt aber zu wesentlich höherer Lebensqualität für alle und ist im Gegensatz zur Kreisstraße nicht eine einseitige Subvention für diejenigen, die sich ein eigenes Auto leisten können und wollen.

Und auf Dauer gesehen dürfte dieser Weg sogar kostengünstiger sein, da öffentliche Investitionen für den Autoverkehr abnehmen können.

Unverantwortlich und beschämend
Kritik an Jochen Paleit, dem Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen, der die geplante Kreisstraße in Frage stellt, übt eine BZ-Leserin aus Kippenheim.
Als Anwohnerin der B 3 in Kippenheim kann ich in den Entscheidungen von Bürgermeister Jochen Paleit und dem Gemeinderat Kappel-Grafenhausen beim besten Willen keine Logik erkennen. Mehr noch: Ich finde die Haltung der Bürgervertreter unverantwortlich und beschämend! Da stellt sich Kappel-Grafenhausen gegen ein schon seit Jahrzehnten erwartetes, mehrfach überdachtes und ausgereiftes Konzept zum Bau der Umgehungsstraße zwischen Ringsheim und Lahr und verweigert jegliche Beteiligung. Begründung: "Mit weiter zunehmendem Verkehr werde sich die Lärmbelästigung in der Doppelgemeinde stetig und weiter drastisch verschärfen". Weitere Argumente sind: "Blinder Aktionismus", "Extremer Flächenverbrauch" und "Warum brauche ich hier eine Straße, es gibt doch die B3?"

Und kaum ein paar Wochen später wird berichtet, dass Kappel-Grafenhausen einen Musterhauspark bekommt. Als Kippenheimerin kann ich da nur sagen: Das schlägt dem Fass den Boden aus. Wo bleibt jetzt die Angst vor "drastisch ansteigender Lärmbelästigung, extremem Flächenverbrauch und blindem Aktionismus"? Ganz zu schweigen vom "Akt der Solidarität", den Herr Paleit bestimmt erwartet, wenn sich die Besucherströme alternativ zur Autobahn durch die B3 in Kippenheim und den Nachbargemeinden schlängeln? Sollten wir, statt uns gegenseitig Aktionismus vorzuwerfen, nicht lieber den jeweiligen Bedürfnissen und Befindlichkeiten unsere Beachtung schenken und ein offenes Ohr füreinander haben?

Sehr geehrter Herr Paleit, sehr geehrter Gemeinderat, ich denke, es ist an der Zeit, sich bewusst zu machen, dass wir alle als Teil eines großen Ganzen aufeinander angewiesen sind und wir große Ziele nur dann erreichen können, wenn wir das Wohl einer tragfähigen Gemeinschaft, die nicht hinterm Ortsschild endet, fest im Blick behalten.
CORONA
Viele Verordnungen sind widersinnig
Eine BZ-Leserin kritisiert an einem konkreten Beispiel die Corona-Verordnungen.
Ich finde nicht gut, wie sich die "Querdenker" aufführen, aber in manchen Punkten haben sie Recht. Die Stadtverwaltung Lahr hat nun zum Beispiel wieder alle Vorträge in der VHS verboten. Da gäbe es einen Vortrag über Kirgistan, da wären etwa zehn bis 20 Personen im Saal (geschätzt nach den bis jetzt Angemeldeten). Der Vortrag darf nicht stattfinden. Integrations-Deutschkurse mit etwa 14 Personen in viel kleineren Räumen als der Saal werden durchgeführt.

Indem man pauschal alle Menschen und deren Pläne über einen Kamm schert, verärgert man viele Bürger, zum Beispiel mich. Es wird die Eigenverantwortung der Organisatoren und Verantwortlichen völlig beschnitten, auch in der Gastronomie. Viele Entscheidungen und Verordnungen von oben sind widersinnig, drastisch gesagt hirnrissig.

GASHEIZPILZE
Als Alternative gibt es moderne Umluftgeräte
Ein BZ-Leser aus Neuss greift die Diskussion im Technischen Ausschuss Lahr über die umstrittenen Gasheizpilze auf ("CDU will Gasheizpilze, Feuerwehr ist dagegen"/BZ vom 13. November).
Die Hoffnungen einiger weniger, dass Gastronomie und Hotellerie die kalte Jahreszeit wirtschaftlich nur dann überstehen werden, wenn draußen Gasheizstrahler zum Einsatz kommen, halte ich für unrealistisch. Der Anlass für deren Verbot in der Außengastronomie war ein vor zwei Jahren auf Sylt ausgebrochener Großbrand in einem Bistro. Seitdem haben bundesweit eine Vielzahl von Kommunen ein entsprechendes Heizpilz-Verbot erlassen.

Nicht nur, dass Gasheizpilze Energiefresser und Klimagasschleudern sind, häufig kommt es zu Verletzungen durch Verbrennung. Ursachen für Brände und Gasexplosionen waren meist Defekte am Gerät, Bedienungsfehler oder Herumprobieren durch unbefugte Dritte. Ich bin der Meinung, der Gemeinderat und Stadtverwaltung Lahr gut beraten sind, den Empfehlungen ihrer Brandschutzexperten zu folgen. Als Alternative gibt es moderne Umluftgeräte, die mit Öko-Strom betrieben werden.

AUFRUF
Unterstützung für den einmaligen Euroopa-Park
Eine BZ-Leserin aus Friedberg-Derching ruft dazu auf, den Europa-Park in der Corona-Krise zu unterstützen.
Wir Fans sollten jetzt einen Aufruf und eine Initiative starten und in die Bevölkerung bringen, den einmaligen Europa-Park in dieser so schwierigen Unternehmenslage zu unterstützen. Jeder, der den Europa-Park und die Hotels gerne besucht, könnte einen kleinen freiwilligen Betrag – zum Beispiel ein oder fünf Euro – als Corona-Hilfe aufs Firmenkonto überweisen. Ich werde das tun.

Jetzt können wir zeigen, dass wir nicht frustriert, tatenlos und hilflos zuhause ausharren und warten, bis es mit dem Park, den Hotels und Rulantica finanziell weiter bergab geht. Die Familie Mack hat Unsummen investiert, und der gesamte Umsatz fällt binnen eines Tages weg, das Eigenkapital verbrennt in Rekordtempo.
RADWEG MÜNCHWEIER
Bislang fehlt jede Konzeption
Ein BZ-Leser aus Ettenheim hofft, dass der neue Radweg nach Ettenheimmünster besser konzipiert wird als der bestehende von Münchweier nach Wallburg.
Der neue Radweg von Münchweier nach Wallburg macht einen ordentlichen Eindruck. Doch: Fährt man den Berg hoch nach Wallburg, muss man die Straße erst queren und es gibt keine Überquerungshilfe, die den Namen verdient. In Wallburg angekommen gilt dasselbe.

Eine rechtlich bindende Beschilderung ist (bislang) nicht auszumachen. Jeder darf da laufen und fahren in beide Richtungen, mit was auch immer. Es wurde auch schon ein Mähdrescher gesichtet. Dass in der Stadtverwaltung Ettenheim niemand Radwege kann, ist nichts Neues.

Für den Radweg ins Münstertal ist es vielleicht nicht zu spät. Bislang fehlt jede Konzeption. Es gibt nur faule Kompromisse nach dem Motto "Wasch mich, aber mach mich nicht nass."

Radwege, die den Namen verdienen, sind keine Rad-/Fußwege und noch im Gegenverkehr zweieinhalb Meter breit. Wer ankommen will, fährt mit einer Geschwindigkeit, die nicht kompatibel ist mit Gassigängern oder Fußgängern. Konflikte sind vorprogrammiert. Autofahrer hupen, weil man nicht auf dem Radweg fahren kann, wegen Verschmutzungen oder abgestelltem Gerät.

Für diesen Radweg sollte es keinen Steuerpfennig vom Land Baden-Württemberg geben. Es ist rausgeschmissenes Geld.