Leserbriefe

Andreas Rütschlin (Bad Säckingen)

Von Andreas Rütschlin (Bad Säckingen)

Do, 01. April 2021

Bad Säckingen

SÄK-KENNZEICHEN
"Das Altkennzeichen ist zu vergönnen"
Zu dem Leserbrief von Peter Doerr in der BZ vom 29. März

Lieber Herr Doerr,was macht ein Rehabilitand aus dem Ortenaukreis in seiner Freizeit in der Fremde? Er liest unter anderem tagtäglich die lokale Ausgabe der Badischen Zeitung und hat insbesondere ein Thema liebgewonnen: SÄK. Ich kann die Freude der Säckinger über die Wiedereinführung des Altkennzeichens verstehen, war ich doch selbst einer der Ersten, der bei der Neuauflage von KEL bei der Kfz-Zulassungsstelle vorstellig wurde, um nostalgischen Gefühlen nachgebend, ein derartiges Schild für sein "Heiligs Blechle" zu erwerben.

KEL war und ist für mich emotional besetzt und ich drücke damit meine Heimatverbundenheit aus, ohne die weiteren Kennzeichen LR, BH, OG und WOL in meinem Landkreis ausgrenzen zu wollen. Mag sein, dass ein aus Freiburg zugereister Weltbürger kein Verständnis für so viel regionale Engstirnigkeit aufbringen kann, ich appelliere aber an das, was Kosmopoliten gemeinhin für sich in Anspruch nehmen: Toleranz. Und so werbe ich als zeitlich begrenzter Zugezogener um Ihre Toleranz für das Säckinger Glück, an dem Sie, und das sei Ihnen unbenommen, nicht teilhaben wollen.

Im Übrigen hat es mich schon gewundert, in welcher Art und Weise Sie sich als Neubürger mit deutlich erhobenem Zeigefinger über die Säckinger und die "Stadt" für deren Engagement in dieser Sache mokieren. Verfolge ich die Berichterstattung richtig, dann hat SÄK nicht direkt etwas mit der Stadt Bad Säckingen zu tun. Vielmehr handelt es sich um das Kürzel des damals aufgelösten Landkreises Säckingen. Insofern ist Herrn Buess aus dem Nachbarort das Altkennzeichen zu vergönnen, wie auch weiteren darüber hinaus Interessierten aus dem gesamten Landkreis Waldshut.

Andreas Rütschlin, Bad Säckingen
"Es gibt immer Wichtigeres"
Lieber Herr Doerr, Sie haben natürlich völlig Recht – es gibt wahrlich wichtigere Dinge als ein SÄK-Kennzeichen. Zum Beispiel Raser auf der Rheinbadstraße. Wer dort wohnt, fühlt sich sicherlich gestört. Und ich bin auch überzeugt, dass Sie, lie-ber Herr Doerr, den ganzen Tag stets nur wichtige Dinge tun.

Nun kann ich Ihnen versichern: Auch ich tue wichtige Dinge. Zum Beispiel jemanden rund um die Uhr zu pflegen und zu betreuen und daneben den Haushalt am Laufen zu halten. Außerdem habe ich 60 Jahre meines Lebens neben meinem Beruf ehrenamtlich Kirchenmusik gepflegt und dabei auch einige Chöre geleitet. Ich denke, das sind auch wichtige Dinge. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass Sie mir gegenüber etwas den gebotenen Abstand (und Anstand) verletzt haben. Dass mir das Herz aufgeht, wenn ich mit SÄK herumfahre, ist meine Sache.

Ob ich Wohltätiges tue, was ich tue und immer getan habe, geht Sie eigentlich nichts an. Und – ein in der Wolle gefärbter Säckinger wie ich wird immer ein Säckinger bleiben, auch wenn er seiner Frau zuliebe seit 48 Jahren in deren Elternhaus in Niederhof wohnt und das Gastrecht dort dankbar genießt. Sie werden Ihr Freiburg doch auch nach wie vor lieben, oder nicht? Im Übrigen: Die ganze Ummelderei kostet weitaus mehr als die von Ihnen geschätzten 40 Euro.

Aber das habe ich jetzt gerne gezahlt. Und Sie tun Herrn Wetz Unrecht, er war nämlich ebenfalls nicht dafür. Komischerweise ist auch er nicht von hier. Es ist eigenartig, dass einem in jedem zweiten Leserbrief erklärt wird, dass es Wichtigeres gäbe. Ja, ganz Recht, es gibt immer Wichtigeres. Aber der Mensch lebt nicht von Brot allein …

Rainer Buess, Murg-Niederhof"Mit seinem Geld machen, was er will"
Sehr geehrter Herr Doerr, Sie finden die Diskussion um das SÄK-Kennzeichen "absolut lächerlich". Warum beteiligen Sie sich denn daran? Ein bisschen mehr Toleranz ist doch der Schlüssel, auch fürs "näher zusammenrücken".

Kann doch jeder mit seinem Geld machen, was er will. Übrigens, auch Menschen mit dem SÄK-Kennzeichen spenden. Das eine schließt das andere nicht aus. Unsere letzte Spende war für die Rettung der Galgos in Spanien – auch sinnvoll.
Jörg Dahlke, Bad Säckingen