Leserbriefe

Hans-Peter Goergens, Offenburg

Von Hans-Peter Goergens & Offenburg

Sa, 23. November 2019

Offenburg

BAUSTELLE OTTO-HAHN-STRASSE
Chaotische Verhältnisse
Der frühere Stadtrat Wolfgang Schrötter äußert Kritik am Management der Baustelle in der Otto-Hahn-Straße.
Im Umfeld der Kreiselbaustelle Otto Hahn-Straße herrschen chaotische Verhältnisse. Ich habe das Gefühl, dass diese Baustelle seitens der Stadt nicht durch fachkundige oder engagierte Mitarbeiter betreut und kontrolliert wird. Oder wie sonst soll man sich die nachfolgend benannten Irritationen erklären?

Autofahrer, die aus Westen Richtung Offenburg-Nord oder Achern wollen, werden auf allen Vorwegweisern (auch den neuen mit dem Kreisel) noch heute auf die Otto-Hahn-Straße in Richtung Klösterle geführt, obwohl diese ab dem Kreisel bis Unterer Angel seit 1. November voll gesperrt ist. Folge, die Kraftfahrzeuge fahren in den Kreisel, müssen darin wenden und wieder zurück um sich einen anderen Weg zu suchen. Sehr hilfreich für ortsunkundige Autofahrer!

Richtung Gewerbegebiet West 3 sind Umleitungen über die Hans Martin Schleyer Straße/Drachenacker ausgeschildert, obwohl West 3 bereits direkt über den neuen Kreisel angefahren werden kann und eine Umleitung nicht erforderlich wäre. Dieser Tage ist der Abfahrtsast von der Otto-Hahn-Straße Richtung B3/33/Edeka gesperrt worden, sodass zum Beispiel alle Lkw, die die Edeka von der A 5 kommend über die Otto-Hahn-Straße anfahren, plötzlich und ohne Hinweis da nicht mehr abbiegen können und keine Umleitung angeboten bekommen. Die Lkw werden sogar jetzt noch per Linksabbiegerhinweis auf die Edeka-Zufahrt hingewiesen. Man ist nicht einmal in der Lage, mindestens dieses Schild zu streichen. Die Lkw fahren dann teilweise in Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten in den Kreisel, wenden oder fahren Richtung Drachenacker aus dem Kreisel raus und auch in die Jeuch. Diese ist eine Sackgasse, und die Lkw müssen wenden oder fahren rückwärts wieder in den Drachenacker. Ist ja alles nicht ungefährlich!

In der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstagmorgen sind jede Menge Lkw so erneut zu unnötigen Aktionen gezwungen worden – am Vormittag in 15 Minuten fünf Lkw –, statt dass man die Fahrer mit einer Umleitungsführung über West 2 und die Heinrich-Hertz-Straße auf den richtigen Weg führt. Das sind Zustände, die einer angeblich so CO²-bewussten Stadt unwürdig sind.

Außerdem wurden im Kreisel Auffahrrampen für Radfahrer eingebaut, die ein erhebliches Gefährdungspotential für Kfz darstellen, weil sie je nach Tageszeit fast überhaupt nicht erkennbar sind.

Selbst hier wäre es erforderlich, dass die Stadt reagiert und durch besondere Beschilderung oder Fahrbahnmarkierungen die Gefahrenstellen entschärft, bevor etwas passiert, und bis eventuell eine endgültige Gestaltung ein vernünftiges und gefahrloses Handling erlaubt.

Was aber noch schlimmer ist, die Verwaltung reagiert mit Nichtstun. Obwohl sie von mir über den Herrn Oberbürgermeister von den Missständen Kenntnis hat, wurde spontan nichts geändert. Armes Offenburg.
Wolfgang Schrötter Offenburg
ERINNERUNGSKULTUR
Empathie? Die vermisse ich!
Hans-Peter Goergens vom Verein für grenzüberschreitende Erinnerungsarbeit kritisiert das städtische Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs ("Erinnerung an 114 getötete Russen", BZ vom 7. November).

Die Stadt Offenburg zählt eine ganze Reihe von Tätigkeiten und Persönlichkeiten auf, die der Erinnerung dienen sollen. Geht das in die Tiefe oder ist das lediglich Oberfläche. Überprüfen wir das an zwei Themen:

1. Kolonialpolitik: Erstmals wird jetzt erwähnt, dass Soldaten aus unserer Region in "Deutschsüdwest" tätig waren. Es wird jedoch nicht benannt, was sie da getan haben, welche Opfer unter den Eingeborenen das kostete und was das bis heute für eine Wirkung hat. Wäre es nicht ehrlicher, zum einen dies zu benennen und vor allem, dies aus den Augen der Opfer zu sehen und zu nennen. Die damals von hier aus gehende Brutalität wirkt bis heute auf die Nachkommen der Überlebenden: Die Massenmorde, der Raub des Landes, die Vergewaltigungen die man heute noch an der Hautfarbe sehen kann, die Verelendung, aus denen die heutigen Nachkommen kaum eine Chance haben herauszukommen.

2. "KZ in der Nachbarschaft": Über 15 Jahre Drängen, zusammen mit Frau Dorothea Siegler-Wiegand, hat es gekostet, bis endlich eine kleine Tafel an der Erich-Kästner-Realschule angebracht wurde. Auch das noch erst, als sichtbar wurde, dass die Familie Nissenbaum mit der gesamten jüdischen Gemeinde von Konstanz zum 70-jährigen Tag der Morde kommen würde. Es kann jedoch nicht nur um die genannten 41 Toten gehen. Insgesamt sind seit der Abfahrt der Häftlinge aus Flossenbürg bis zum Ende des KZ in Donaueschingen weit über 100 Tote zu beklagen. Als der Erinnerungsverantwortliche im Stadtrat befragt wurde, wo die Tafel für die anderen Toten bleibe, entgegnete er, wer das wissen wolle, solle auf den Friedhof gehen. Das ist mehr als eine Frechheit. Vor allem, wenn man den Zustand der Grabplatten auf dem KZ-Friedhof sieht. Lange Zeit habe ich das immer beklagt, bis dann einer mit dem Kärcher drüberfuhr und einen Teil der Buchstaben wegblies. Die Patenschaft über die Gräber wurde mir verweigert.

Es finden von verschiedenen Gruppen sicher achtbare Versuche statt, die Vergangenheit ins Bewusstsein zu rufen. Was fehlt, ist ein Konzept für alle Schulen in der Stadt für diese schmerzliche, uns beschämende Vergangenheit der Stadt. Dieser mein Vorschlag wurde bereits von OB Schreiner abgelehnt, wie so vieles andere auch. Die Hoffnung ruhte dann auf den neuen OB, der jedoch trotz zweimaliger Bitte, ein Gespräch mit dem "Verein für eine grenzüberschreitende Erinnerungsarbeit" nicht beantwortete. Bürgerschaftliches Engagement, ohne Segen der beamteten Geschichtswächter, wird in der "Stadt der Freiheit" nicht gerne gesehen.
Aber, man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Auf den Leserbrief von Dorothea Hennig "Erinnerungsarbeit – noch viel Luft nach oben" (BZ vom 11. November) antwortet der Vorsitzende des Kulturfördervereins Bohlsbach.

Dass Frau Hennig und/oder ihr Verein ein eher gespaltenes Verhältnis zur Kulturarbeit der Stadt Offenburg haben, wird in ihrem Leserbrief ersichtlich. Dies habe ich als Vorsitzender des Kulturfördervereins Bohlsbach nicht zu bewerten.

Ihre Äußerungen zur Erinnerungsarbeit in Bohlsbach und Rammersweier sind allerdings irritierend, ja sogar unverschämt. Sie wirft dem Kulturförderverein vor, ein eigenes Süppchen zu kochen, weil der Kulturförderverein zusammen mit der Ortsverwaltung Bohlsbach am 27. November an die ermordeten vier französischen Frauen erinnert, die an diesem Tag im Bohlsbacher Wald erschossen wurden. Wir erachten – gerade in heutiger Zeit – es als wichtig, an diese Zeit und ans Nicht-Vergessen zu erinnern. Wir tun dies zudem mit einer Ausstellung zur Bombardierung von Bohlsbach vor 75 Jahren. Dass uns nun ein Verein für Erinnerungsarbeit aber genau dies als Süppchenkochen vorwirft, ist erstaunlich und ich frage mich, welches Süppchen kochen wir denn da, was Frau Hennig überhaupt nicht schmeckt?