Leserbriefe

Martin Schaal, Seelbach

Von Martin Schaal & Seelbach

Di, 03. September 2019

Lahr

OBERBÜRGERMEISTERWAHL
Sie sollten keine Richtung vorgeben
Ein Leser äußert sich zum Bericht über die Veranstaltung im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl ("Viele Wähler sind noch unentschieden", BZ vom 31. August):
Ihren Bericht über das erste Aufeinandertreffen der vier Kandidaten und der Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters in Lahr fand ich informativ und auch ausgewogen. Lediglich die beiden letzten Sätze waren völlig überflüssig und unangemessen: Sie sollten es den teilnehmenden Bürgern und den Lesern überlassen, sich eine Meinung über die Kandidaten zu bilden und nicht versuchen, eine Richtung vorzugeben.Hans Ernst Kunz, Lahr

FLUGPLATZ UND CHINA
Nach mir die Sintflut, Herr Oberbürgermeister?
Das Interesse chinesischer Investoren am Lahrer Flugplatz sorgt weiter für Diskussionen.
Am Donnerstag, 22. August, entbehren laut OB Müller "die zitierten Verkaufsbeträge jeglicher Grundlage", während in der Pressekonferenz am darauf folgenden Tag ein 200-Millionen-Angebot eines chinesischen Investors bestätigt wird. Zunächst sollte wohl der Eindruck vermittelt werden, ein Angebot sei nicht existent. Weshalb laufen die Gespräche hinter den Kulissen? Nicht alle Mitglieder des Gemeinderats waren informiert. Aufgrund der großen Resonanz sah sich OB Müller wohl doch gezwungen, die Sachlage offen zu legen. Laut Gemeindeverordnung vertritt der Bürgermeister die Bürgerschaft der Gemeinde und hat die Aufgabe, den Gemeinderat über alle wichtigen Angelegenheiten zu unterrichten. Hier vertritt der OB augenscheinlich eher ein persönliches Anliegen.

Dieses Thema betrifft jedoch die Stadt Lahr sowie die umliegenden Gemeinden gleichermaßen. Selbst wenn es nicht um den Verkauf, sondern "nur" um das Betreiben des Flugplatzes durch chinesische Investoren geht, dürften die Bewohner der Gemeinden Allmannsweier, Kürzell, Schutterzell und Schuttern kein Interesse an Flug- und Straßenlärm, Umweltverschmutzung, Wertverlust der Grundstücke sowie Verlust an Lebensqualität haben. Auch in Lahrer Ortsteilen (Hugsweier, Langenwinkel oder Kippenheimweiler) ist man vermutlich der gleichen Meinung. In Zeiten des Klimawandels und der Erderwärmung für eine Zunahme des Verkehrs zu sorgen und dafür auch noch einen Investor zu suchen, der sich bekanntermaßen nicht für Umweltschutz interessiert, ist unverantwortlich. Es ist zudem unpassend, sich bei der Fridays-for-Future-Aktion medienwirksam unter die jungen Menschen zu mischen und sich als Unterstützer dieser Bewegung darzustellen. In der Sache ist die Wirtschaft wohl näher und wichtiger als der Klimaschutz von Schülern.

Es stellt sich die Frage, ob die Folgen einer fliegerischen Nutzung durch einen chinesischen Betreiber des Flugplatzes wirklich bedacht sind. Eine Zunahme des Frachtverkehrs würde nicht nur über die A 5 abgewickelt werden, sondern mit voller Wucht auch die fehlenden Ost-West-Verbindungen treffen. Die B 415, hier insbesondere Teile der Innenstadt, Kuhbach und Reichenbach, aber auch die B 3 bis Offenburg, würden im Verkehr ersticken.
Schon mehrfach wurden unseriöse Interessenten und Betreiber für den Lahrer Flughafen präsentiert. Mit einem chinesischen Investor bietet sich für OB Müller nun die letzte Chance, den Flughafen fliegerisch zu betreiben. Nach dem Motto "nach mir die Sintflut" teilt er mit, zusätzlicher Flugverkehr in Lahr stelle kein Problem für ihn dar. Das Erbe, welches er hinterlassen würde, beträfe ihn nur noch wenige Jahre. Die Konsequenzen für die folgenden Generationen sind hier weitaus schwerwiegender und scheinen dabei wenig zu interessieren.

Diana Hangs, Schuttern

E-FLIEGEN IN LAHR
Es geht nur um die Führungskräfte
Zum Artikel "Flugtaxis könnten im Herbst abheben" (BZ vom 28. August) äußert sich ein Leser kritisch zu Wort.
Über externe Folgekosten beim Flugtaxi lässt sich naturgemäß noch nichts Seriöses sagen. Aber wie steht es bei den vorhandenen, aber verschwiegenen Fakten und Betriebskosten? Ist es nur "Nörgelei", es genau wissen zu wollen? Das elektrische Fliegen an sich wird andernorts längst getestet. Darum sei folgende Behauptung gewagt: Es geht bei dem Test auf dem Flugplatz nur darum, ob das Flugtaxi etwas ist für die Führungskräfte der Großbetriebe in der Raumschaft. Nicht geht es um ein preiswertes, ökologisch vorteilhaftes öffentliches Verkehrsmittel, ganz zu schweigen von einem Beitrag zur Verkehrswende.