Leserbriefe

Bernhard Mensch

Von Bernhard Mensch (Kenzingen)

Fr, 19. Februar 2021

Leserbriefe Emmendingen

AWO-PFLEGEHEIM KENZINGEN
Kreatives Sehen ist verlangt
Zur Berichterstattung über die Pläne für einen Anbau ans AWO-Pflegeheim im ehemaligen Franziskanerkloster in Kenzingen:
Ist der Kenzinger Franziskanergarten mit dem geplanten Erweiterungsbau des AWO-Pflegeheimes ein Präzedenzfall für eine zukunftsfähige Altstadtentwicklung? Die Leserzuschriften vom 13. Februar fordern hierzu eine offenere Informationspolitik der Stadt und des Bauträgers sowie eine Beratung im Gemeinderat unter Beachtung der Altstadtsatzung. Dies zu Recht, denn es geht um die Bewahrung einer einzigartigen, mittelalterlichen Stadtstruktur!

Doch die Diskussion sollte ergebnisoffen geführt werden und eine Befassung im Gemeinderat nicht als "Steilvorlage zur Ablehnung eines Flachdaches" begriffen werden; gerade auch von den hier lebenden Mitbürgern, die den Charme der Altstadt-Satteldächer lieben. Es handelt sich vielmehr um einen Präzedenzfall, wo die Gestaltungsvorgaben der Altstadtsatzung nicht nur mit wirtschaftlichen Belangen des Bauherrn kollidieren, sondern ebenso mit Erwartungen an eine zukunftsfähige Denkmalpflege und Stadtentwicklung. Diese verlangt überzeugende neue Formen der Gestaltung, die sich dauerhaft mit den überkommenen Bauformen vermählen. Die Altstadtsatzung liefert hierfür den geregelten Gestaltungsrahmen, sie ist aber keine Ausführungsbestimmung.

Gefragt sind kreatives Sehen und offene Augen für die Schönheit geschichtlich überkommener Bauformen ebenso wie kritische Ausräumung verkommener Anbauten der Vergangenheit und Vernachlässigungen, oder gar Verwahrlosungen der Flächennutzung auf einem geschichtlich bedeutungsschweren Gelände.

In der Pforte von 2017/18, Seite 240, findet sich ein Bild, das die Grundschullehrerin Roswitha Weber mit Kindern zeigt, denen sie das Klosterleben und das soziale und pädagogische Wirken der Franziskaner an den Zeugen der Baukultur erläutert. Man sieht auf dem Bild die alte Klostermauer, überragt von der Turmspitze der Klosterkirche und davor die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, hinter denen sich Schrebergärten und Kleintierhaltung verbergen. In Zukunft gehört dieses Gelände den alten Bewohnern des Pflegeheimes und den Kindern des Franziskanerkindergartens. Eine zukunftsfähige Symbiose, die kreatives Gestalten der Architekten verlangt, genauso wie die Pflege und Fortentwicklung liebgewonnener Heimat der Kenzinger mit offenen Augen für Schönes und Hässliches.Bernhard Mensch, Kenzingen

"In der Altstadt passt kein Flachdach"
In der historischen Altstadt von Kenzingen passt kein Flachdach, auch nicht als An-/Umbau des ehemaligen städtischen Krankenhauses. Nach Bürgermeister Rieder war oder ist kein Verwaltungschef in der Lage, die Interessen der Altstadt so zu vertreten, wie diese in der Altstadtsatzung verbindlich für jedermann stehen.

In der Kenzinger Altstadt hätte man ganz einfach durch eine Veränderungssperre viele Ungereimtheiten verhindern können. Leider gibt es zu viele, die in Verantwortung stehen – auch im Stadtrat –, die mit der Geschichte der Kenzinger Altstadt nichts am Hut haben. Wie geht es weiter? Was wird aus der "Krone"? Hoffentlich kein Fitnessstudio oder ähnliches. Was geschieht schlussendlich mit dem abgebrannten ehemaligen Kenzinger E-Werk? Und so weiter? Der Gemeinderat ist aufgefordert, dass alle Änderungen auch auf den richtigen Weg kommen.
Josef Bilharz, Offenburg

PHOTOVOLTAIK IN AMOLTERN
Warum nicht maximal möglichen Klimaschutz?
Zur Berichterstattung über die Debatte im Ortschaftsrat Amoltern zur geplanten Photovoltaikanlage auf dem Gemeindezentrum (BZ vom 12. und 16. Februar):
Wie wir lesen konnten, hat der Planer eine im Zeitalter von null Prozent Zinsen auf Sparkonten sehr hohe Rendite für die Installation einer PV-Anlage ermittelt. Wie hoch die ist, ist völlig egal.

Selbst wenn dem mit der Wirtschaftlichkeit nicht so wäre, kann es im Jahre 2021 doch nicht sein, dass wir uns in Endingen zwar eine Klimaschutzmanagerin leisten, einen Arbeitskreis Energie aufgebaut und eine Bürgerenergiegenossenschaft in Leben gerufen haben, welche sinnvolle Projekte zur Investition sucht, aber dann darüber diskutieren, ob die Dachfläche nicht gänzlich genutzt werden sollte. Bürgermeister Metz hat deshalb zurecht für die volle Belegung plädiert. Diskussionswürdig sollte lediglich die Anschaffung eines Speichers zur Erhöhung des Eigennutzungsanteils sein. Da gehen die Meinungen natürlich sehr auseinander. Da die Räume sicher sehr intensiv abends genutzt werden, würde ich einen Akku für sehr sinnvoll erachten, da dann weniger Kohlestrom aus dem Netz gezogen werden muss. Die Akkus sind auch nicht mehr so teuer wie früher einmal.

Bezüglich PV auf dem Dach wissen leider viele Bürger nicht, dass sich eine PV-Anlage immer von alleine bezahlt, selbst wenn es dazu eines Kredits bedarf. Rendite ist ja schön und gut, es reicht doch aber auch aus, wenn man nichts drauflegen muss. Warum soll man also nicht maximal möglichen Klimaschutz betreiben, wenn es betriebswirtschaftlich betrachtet nur Kapital bindet. Leider wird auch auf Bundesebene bei der Diskussion um die Schuldenbremse nicht unterschieden zwischen Schulden ohne Ertrag und Schulden mit Ertrag zur Refinanzierung.

Heinz Scherer, Dipl.-Ing.(FH), Endingen