Leserbriefe

Gerhard Siefert

Von Gerhard Siefert (Lahr)

Di, 23. Februar 2021

Lahr

STADTTAUBEN

Der Verweis ist unpassend
Auf den Leserbrief von Jürgen Bierbrauer zu den Stadttauben ("Natur hat ein eigenes Ausleseverfahren", BZ vom 20. Februar) gibt es zwei Reaktionen.

Herr Bierbrauers Verweis auf das Ausleseverfahren in der Natur ist im Falle der Stadttauben unpassend. Denn diese sind die Nachfahren jener Tauben, die aus den Felsentauben gezüchtet wurden und als Haustiere gehalten wurden. Es sind also Tiere, die von Menschen an die menschlichen Behausungen angepasst wurden. Deshalb haben wir jetzt auch die Verantwortung dafür zu übernehmen und können sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Es ist gut, dass sich Menschen wie Jürgen Durke darum kümmern.

Ich kann gut verstehen, dass sich jemand, dessen Auto mit Vogelkot verschmutzt ist, ärgert. Diese Ärgernisse stehen aber in keinem Verhältnis zu dem, was wir Menschen auf dieser Welt anrichten. Wir verschmutzen unsere Ozeane und überhaupt unsere Umwelt mit Müll und giftigen Stoffen, zerstören zunehmend die Natur und die Lebensräume der Tiere, schicken massenhaft giftigen Abfall nach Afrika und sonst wo hin. Und schädigen damit die menschliche Gesundheit mehr, als Tauben es jemals tun können. Statt hier endlich mal umzukehren, projizieren wir lieber unser eigenes Fehlverhalten auf solche Tiere wie die Tauben, die im Gegensatz zu uns nicht einmal wissen, was sie tun.

Im Übrigen sagt der Ausdruck "Ratten der Lüfte" über das eigentliche Wesen der Tauben nichts aus, wohl aber über das Wesen jener Menschen, die ihn gebrauchen. Er dient nur der Diffamierung dieser Tiere. Gerhard Siefert, Lahr
Stadttauben brauchen unsere Hilfe
Beim Lesen der Zuschrift von Jürgen Bierbrauer musste ich schlucken. Hartnäckig verteidigt er darin das schlechte Image der Tauben, die doch für Frieden und Reinheit stehen. Besonders geärgert habe ich mich über die Titulierung als "Ratten der Lüfte". Das sind sie nicht. Das Bundesgesundheitsamt hat bereits vor Jahren klargestellt: Eine Taube ist nicht gefährlicher als andere Wild- oder Ziervögel, Nutz- oder Haustiere. Von einer "gesundheitlichen Gefährdung unserer Einwohner" zu sprechen ist daher völlig unangemessen. Unsere Stadttauben als Nachkommen von Brief- oder Haustauben wurden auch zur Fleischgewinnung gezüchtet, und so können sie genetisch bedingt nicht selbstständig nach Nahrung suchen. Kein Wunder also, dass sie ständig auf der Suche nach Essensresten in den Städten anzutreffen sind. Für die angeblichen Schäden auf Autos ist nicht allein der Taubenkot verantwortlich, sondern jeglicher Vogelkot. Wenn Herr Bierbrauer vom Ausleseverfahren durch die Natur fabuliert, frage ich mich, wie er das meint. In die Natur greift der Mensch mittlerweile so stark ein, dass sich kaum noch etwas auf natürlichem Weg selbst reguliert. Die Stadttauben brauchen unsere Hilfe, ganz klar, damit sie keinen Hunger leiden müssen und ihre Fortpflanzung langfristig eingedämmt wird. Sie haben wie jedes Lebewesen ein Recht auf Unversehrtheit.

Kathrin Louzy, Ettenheim

INNENSTADT UND HANDEL
Wirtschaft wird an die Wand gefahren
Zur Diskussion über die angedachte Sperrung des Urteilsplatzes und die Stellungnahme der AfD-Fraktion im Gemeinderat dazu schreiben zwei Leser.
Über Aufenthaltsqualität in der Lahrer Innenstadt muss nicht gestritten werden, wenn weiter die gesamte Wirtschaft so sinnlos vor die Wand gefahren wird. Es braucht dann keine Geschäfte mehr, zu denen man fahren sollte. Weil alles, auch Medikamente und apothekenaffine Produkte, gibt’s längst billiger im Internet und dazu meist gratis nach Hause geliefert. Paradoxerweise boomt der Konsum ungebrochen ganz zu Lasten des stationären Handels. Es ist zu befürchten, dass das teils unumkehrbar ist. Heinrich Heine hat das in seinem Gedicht "Nachtgedanken" treffend bereits 1844 formuliert.
Martin Vogt, Lahr

Lasst diese wichtige Flaniermeile offen!
Bravo, dass sich wenigstens eine Partei gegen die Sperrung des Urteilsplatzes wehrt. Eigentlich wäre das die Aufgabe des Einzelhandels und der Werbegemeinschaft, aber die pennen mal wieder. Die Schließung darf niemals passieren, weil die Geschäfte in der Kaiser- und Friedrichstraße dann zumachen könnten. Wer sollte dort noch einkaufen wollen, wenn die Händler in der Marktstraße schon nix mehr umsetzen? Lasst diese wichtige Flaniermeile offen! Sie ist durch die Blitzer genug entschärft, was mir selbst einige dortige Anwohner bestätigt haben.

Rolf Dieterle, Lahr