Leserbriefe

Lothar Walser

Von Lothar Walser (Waldkirch)

Mi, 04. März 2020

Waldkirch

BAUMFÄLLUNGEN
Kettensägen-Massaker
Ein Leser äußert sich zu den Baumfällungen in Waldkirch, besonders an der Schlettstadtallee.
Wann wird das aufhören? Welches Virus hat die Gehirne der Menschen befallen, die konsequent einen dicken Baum nach dem anderen umlegen lassen? Diese Buche war für alle Waldkircher nicht nur ein Augenschmaus, sie hat für uns Jahr für Jahr Sauerstoff produziert, die Luft gereinigt, die Temperatur abgekühlt und vielen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung geboten. Man müsste einen kleinen Wald pflanzen um sie zu ersetzen. Wie gefühllos muss einer sein, der solch ein Lebenwesen abserviert. Was war der Grund dafür? Am Donnerstag stand die Nachricht über die Baumfällungen im Waldkircher Wochenbericht, am Freitag war diese Buche bereits gefällt, am Samstag war alles bereits weggeräumt. Das versteht die Verwaltung unter Einbeziehung der Bürger. Man hat schnell gehandelt, ehe sich eventuell ein Bürgerprotest organisieren konnte. Wie lange müssen wir uns noch die üblichen Sprüche gefallen lassen? Andere Städte verstehen ihren alten Baumbestand als Kostbarkeit und Helfer gegen die zunehmende Aufheizung der Städte. Dort hegt und pflegt man diese ehrwürdigen Lebewesen. Ein Zierbäumchen ist kein Baum, sondern eine Peinlichkeit. Die Stadtverwaltung dient nicht "dem Bürger", sondern einer bestimmten Art von Bürgern: den Kaufleuten, den Investoren. Warum fragt man nicht: Wie wollen wir leben? Ist das, was wir tun gut für unsere Kinder? Und Enkel? Kommt die Oma mit ihrem Rollator im Sommer noch heil zum Arzt, wenn die Schatten der Bäume fehlen, und die Straßen glühen? Anderorts zerbricht man sich den Kopf, wie man die Autos aus der Stadt rauskriegt, um den Menschen wieder Raum zu geben. Hier sorgt man sich darum Parkplätze zu schaffen, um so es Autofahrern leicht zu machen, bequem bis ins Zentrum zu kommen. Es sieht so aus, als seien Autos die vorherrschende Spezies und nicht die Menschen. Was für eine Generation wächst da heran, die sieht, dass es letztlich nur um Knete geht. Was lernen Kinder, die sehen, dass auf ihrem Schulweg (Beispiel Merklinstraße) ein Baum nach dem anderen verschwindet und stattdessen Parkplätze markiert werden. Ach: "Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume?"
Lothar Walser, Waldkirch