Leserbriefe

Hans-Peter Karrer (Bad Säckingen)

Von Hans-Peter Karrer (Bad Säckingen)

Di, 05. November 2019

Bad Säckingen

KLAGE AUF SCHMERZENSGELD
Stehen Machtinteressen vor dem Gewissen?
Zum Bericht in der BZ vom 30. Oktober "Gegen das Unwissen", in dem es um den Kampf von Felicitas Rohrer gegen den Pharmariesen Bayer wegen der Pille geht
Eine kleine Initiative informiert die breite Öffentlichkeit über die dubiosen Machenschaften eines global agierenden Pharmakonzerns. Es zeigt sich wieder einmal, dass Stehvermögen, Charakter und Beharrlichkeit nach Jahren zu einem sinnvollen Ergebnis führen können. Eine verdiente Auszeichnung auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Stehen hier Macht- und Gewinninteressen des Pharmakonzerns vor dem Gewissen?

Man fragt sich gelegentlich ohnehin, wer in dieser Republik in Politik und Wirtschaft das große "Sagen" hat. Landauf und landab macht man die Beobachtung und Erfahrung, dass soziale Ungleichheiten und finanzielle Machtverhältnisse unseren Alltag bestimmen. Das Klima in dieser Wohlstandsgesellschaft ist rau und kalt geworden, es fehlt die kritische Zivilgesellschaft, die Zustände kritisiert und Alternativen vorgibt. Ist es nicht an der Zeit, dass es friedlichen Protest und Widerstand gibt gegen die Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft?

Es ist erschreckend und zugleich beschämend, wenn eine kleine Initiative über Jahre die Aufklärungsarbeit übernehmen muss, was längstens Aufgabe der Aufsichtsbehörden und des Gesundheitsministers gewesen wäre.

Es wird Zeiten geben, so der Friedensnobelpreisträger Elie Wesel, in denen wir machtlos sind Ungerechtigkeiten vorzubeugen, aber es niemals eine Zeit geben darf, wo wir nicht protestieren.
Hans-Peter Karrer, Bad Säckingen