Leserbriefe

Hans-Peter Karrer, Bad Säckingen

Von Hans-Peter Karrer & Bad Säckingen

Sa, 09. Januar 2021

Bad Säckingen

ARBEITERWOHLFAHRT
Betreuung von Flüchtlingen
Zu "Flüchtlinge werden weiterhin betreut" von Donnerstag, 31. Dezember, meldet sich ein Leser aus Bad Säckingen zu Wort.

Es war eine gute und weitsichtige Entscheidung vom Gemeinderat den Vertrag der Arbeiterwohlfahrt über die Betreuung der in Bad Säckingen lebenden Flüchtlinge um zwei weitere Jahre zu verlängern. Die gute Arbeit der beiden Integrationsmanager muss auch über das Jahr 2023 hinaus zugesichert werden, weil weiterhin die Begleitung und Unterstützung der Flüchtlinge bei der Integration in die gesellschaftlichen Strukturen vor Ort nötig sein wird. Wie kann sich ein Flüchtling in einem bürokratischen Dschungel von Asylverfahren, Beschäftigungsverhältnissen und Gesundheitssystemen auch in Zeiten von Corona zurechtfinden? Die neue digitale Form sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen ist kein Ersatz für ein persönliches Gespräch, eine persönliche Begegnung und die vertrauensvolle Beratung. Die Pandemie fordert uns alle immens heraus, viele Einschränkungen erschweren den Umgang mit persönlichen und familiären Beziehungen.

Viele in der Flüchtlingsarbeit Engagierte erleben derzeit, dass viele derjenigen, die Arbeit gefunden haben diese jetzt in der Krise wieder verlieren. Viele Flüchtlinge und Migranten sind oft in einer prekären Beschäftigung, also auch befristet und schlecht bezahlt und ohne soziale Absicherung. Mit oft einer ungewissen Zukunft gehören sie zu denen die zuerst auf der Straße stehen. Gerade in der Leiharbeitsbranche ist es seit Jahren üblich die Leute zu entlassen statt staatliche Unterstützungsangebote wie Kurzarbeitergeld zu beantragen damit Arbeitsplätze gesichert werden können.

Trotz Sprache, Arbeit und Wohnung ist das Bleiberecht und die Aufenthaltserlaubnis auch nach Jahren oft in weiter Ferne. Klar ist aber auch, hinter den wenigen vorhandenen Möglichkeiten den Aufenthalt zu sichern, steht keine humanitäre oder soziale Idee, sondern ein Nützlichkeitsgedanke, die ein "Gewinn" für die deutsche Gesellschaft sind und sie zum "wirtschaftlichen" Wachstum beitragen.